"Gefahr und Begierde" Wenn Obsession zur Liebe wird


"Brokeback Mountain", sein Liebesdrama um zwei schwule Cowboys, sorgte für Schlagzeilen und kam bei Kritikern und Publikum gut an. Ang Lees neuer Film "Gefahr und Begierde" ist wieder eine sinnliche Liebestragödie und spielt im Shanghai der 40er Jahre.

Jeder Film des chinesischen Regisseurs Ang Lee, der schon lange im Amerika arbeitet, ist ein Ereignis. Und sein neues Werk "Gefahr und Begierde" ist sogar ein ganz besonderes Ereignis, behandelt Ang Lee doch erstmals ein dramatisches Stück chinesischer Zeitgeschichte im Shanghai der 40er Jahre.

Erzählt wird die tragisch endende Leidenschaft zwischen einer patriotischen jungen Frau und einem hochrangigen Kollaborateur der japanischen Besatzer. Wang Jiazhi ist Mitglied einer studentischen Widerstandsgruppe, die den verhassten Geheimdienstchef Mr. Yi, der bereits den Tod vieler tapferer Menschen auf dem Gewissen hat, umbringen will. Die reizvolle Wang soll dabei den Lockvogel für den gut bewachten, extrem misstrauischen Mr. Yi spielen. Es gelingt auch die Studentin in den privatesten Kreis um den skrupellosen Mann zu bringen.

Doch Wang verliebt sich in den Geheimdienstchef und verfällt der Leidenschaft zu ihm. Beide werden einen hohen Preis dafür bezahlen, Wang sogar den höchsten. Denn natürlich kann eine solche Liebe so wenig glücken wie die zwischen zwei Männern in Ang Lees großartigem letzten Film "Brokeback Mountain". Die wohl anrührendste Schwulenliebe, die je auf der Leinwand zu sehen war, bekam vor zwei Jahren ebenso den Hauptpreis des alljährlichen Filmfestivals in Venedig wie nun am gleichen Ort auch "Gefahr und Begierde" - ein seltener Triumph. Die wilde Landschaft der Rocky Mountains und das raue Cowboyleben in "Brokeback Mountain" war ein ganz anderer Hintergrund als das nostalgisch in Szene gesetzte Schanghai der 40er Jahre unter japanischer Besatzung.

Sinnliche Bettgymnastik nicht ganz ohne Komik

Doch dort wie hier eine Liebestragödie, die nicht unterschlägt, welch überwältigende Macht Sexualität über Menschen zu gewinnen vermag. Der aus Taiwan stammende Ang Lee zeigt in "Gefahr und Begierde" sehr freizügig die schlanken, geschmeidigen Körper der beiden Hauptfiguren. Doch was zu sehen ist, hat mit Pornografie wenig zu tun. Dazu ist die Choreografie des lustberauschten Paares viel zu kunstvoll ausgetüftelt, manche Stellungen sind geradezu akrobatisch und deshalb von einer gewissen Komik, was die sinnliche Wirkung dieser Szenen doch beeinträchtigt. Doch was sonst geschieht, ist alles andere als komisch, denn für Wang und ihre Freunde nimmt das Schicksal unerbittlich seinen Lauf.

Tony Leung, seit vielen Jahren ein Superstar des asiatischen Kinos, verkörpert mit gefährlicher Geschmeidigkeit und Intelligenz den Kollaborateur Herr Yi. Als seine junge Partnerin ist Tang Wei in ihrem Kinodebüt zu sehen. Tang wei ist nicht nur eine Schönheit, die 2004 die Finalrunde bei der Wahl der Miss Universum erreichte. Sie hat auch erfolgreich die Theaterakademie in Peking absolviert und zählt zu den kommenden Stars des Riesenlandes. Vielleicht ist "Gefahr und Begierde" nicht Ang Lees bester Film. Aber das liegt nur daran, welche Meisterwerke der Regisseur mit "Brokeback Mountain", "Der Eissturm" oder "Sinn und Sinnlichkeit" bereits in der Vergangenheit geschaffen hat. Gleichwohl ist auch das neue Werk des Taiwaners voll fesselnder Momente, dazu ist die Atmosphäre des Shanghai im Jahre 1942 mit großem Aufwand und vielen Details sehr glaubwürdig auf die Leinwand gebracht worden. Es ist faszinierend, mit welcher Souveränität Ang Lee zwischen Hollywood und China wechseln kann. Auf seinen nächsten Film "A Little Game" darf man sich schon jetzt freuen.

Wolfgang Hübner/AP AP

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