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Stern Logo Academy Awards - Die Oscar-Verleihung

Debüts, Rekorde, Kurioses: Oscar-Wissen zum Mitreden

Welcher Nominierte wurde disqualifiziert? Welcher existiert gar nicht? Welchen Rekord hält Jennifer Lawrence? Was steckt dieses Jahr im Goodie Bag? Mit diesen Oscar-Fakten können Sie im Büro prahlen.

Von Patrick Heidmann

Zahlen, Fakten, kuriose Anekdoten. Über die Oscars gibt es viel zu erzählen, sowohl über die diesjährigen Nominierten als auch über die Geschichte des wichtigsten Filmpreises der Welt. Bevor der am 2. März zum 86. Mal verliehen wird, haben wir alles Wissenswerte zusammengetragen.

J. Law, die jüngste Dreifach-Nominierte

Nach "Winter's Bone" und "Silver Linings" ist Jennifer Lawrence in diesem Jahr für "American Hustle" bereits zum dritten Mal für den Oscar nominiert. Und das mit gerade einmal 23 Jahren. Teresa Wright war 1942 bei ihrer dritten Nominierung ein Jahr älter. Sollte Lawrence in diesem Jahr erneut gewinnen, wäre sie natürlich auch die jüngste Doppelgewinnerin - und neben Tom Hanks oder Luise Rainer nur eine von dann sechs Schauspielern der Oscar-Geschichte, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren einen Academy Award mit nach Hause nehmen durften.

June Squibb, fast die Älteste

Mit 84 Jahren hat June Squibb ("Nebraska") bei ihrer ersten Oscar-Nominierung zwar ein stattliches Alter. Die älteste für den Oscar nominierte Schauspielerin ist sie damit allerdings längst nicht. Denn als Gloria Stuart 1997 als Beste Nebendarstellerin für "Titanic" ins Rennen ging, war sie bereits 87 Jahre alt.

Auf Anhieb Oscar

Mit Lupita Nyong'o ("12 Years a Slave") und Barkhad Abdi ("Captain Phillips") ist in diesem Jahr gleich zwei Schauspielern das Kunststück gelungen, für ihre allererste Kinorolle überhaupt prompt für den Oscar nominiert zu werden. Zu den Kollegen, denen das gleiche gelang, gehören unter anderem "True Blood"-Star Anna Paquin, Julie Andrews oder Barbra Streisand. Und die drei gingen damals sogar siegreich nach Hause.

Gerechte Aufteilung?

"12 Years a Slave" und "Gravity" gelten in diesem Jahr als die beiden großen Favoriten und sind jeweils nicht nur als Bester Film, sondern auch in der Kategorie Beste Regie nominiert. Nun rechnen viele Experten damit, dass womöglich der eine Film in der einen, der andere in der anderen gewinnen wird. Klingt nach einem logischen und irgendwie fairen Ergebnis. Häufig kommt so etwas allerdings nicht vor. Nur 18 Mal in der Oscar-Geschichte ging der nominierte Regisseur des Besten Films leer aus, zuletzt 2005, als Ang Lee für "Brokeback Mountain" gewann, aber "L.A. Crash" sich in der Hauptkategorie durchsetzte.

Oscar und der Publikumsgeschmack

Sollte am Sonntag "Gravity" den Oscar als Bester Film gewinnen, wäre der Film der erfolgreichste Gewinner seit "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs". Seit 2004 hat allerdings nur jedes zweite Jahr ein Film gewonnen, der in den USA mehr als 100 Millionen Dollar an den Kinokassen eingespielt hat. Das würde in diesem Jahr, rein rechnerisch, eher für "12 Years a Slave" sprechen. Oder sogar für "Nebraska". Der ist unter allen neun Nominierten in diesem Jahr nach verkauften Kinokarten der erfolgloseste Oscar-Anwärter.

Die erfolgreichste Produzentin

Die gerade einmal 27-jährige Megan Ellison ist erst die vierte Produzentin (und erste Frau), die in der Kategorie Bester Film in einem Jahr gleich zweimal nominiert wurde. Zu verdanken hat sie das ihren beiden Filmen "American Hustle" und "Her".

Kaum zu glauben

"12 Years a Slave"-Regisseur Steve McQueen ist erst der dritte Schwarze, der es zu einer Nominierung in der Kategorie Beste Regie gebracht hat. Seine Vorgänger waren John Singleton für "Boyz 'n the Hood" und Lee Daniels für "Precious".

Fünf Nominierungen in neun Jahren

Die Nominierung für "American Hustle" mag Amy Adams erste in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin sein. Doch insgesamt ist es schon ihre fünfte Chance auf einen Academy Award. Und das in gerade einmal neun Jahren. Beachtlich, allerdings kein Rekord. Ihre direkte Konkurrentin Judi Dench etwa brauchte ebenfalls nur neun Jahre für fünf Nominierungen. Und war schon bei der ersten über 60 Jahre alt. Für "Philomena" verbuchte die Britin bereits Nominierung Nummer 7.

Das komplette Darsteller-Quartett

Dank Amy Adams, Christian Bale, Jennifer Lawrence und Bradley Cooper ist David O. Russells "American Hustle" in allen vier Darsteller- Kategorien nominiert. Bereits letztes Jahr war das mit "Silver Linings" einem Russell-Film gelungen. Insgesamt aber konnten nur 15 Filme je einen solchen Rundumschlag verbuchen, darunter "Sunset Boulevard", "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", "Bonnie and Clyde" und zuletzt Warren Beattys "Reds".

Die alten Hasen...

Viele der diesjährigen Nominierten sind alte Oscar-Veteranen. Woody Allen etwas ist für "Blue Jasmine" zum 16. Mal in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch nominiert - und damit dort Rekordhalter (in anderen Kategorien kommt er auf acht weitere Nominierungen). Meryl Streep konnte für "Im August in Osage County" ihre 18. Nominierung verbuchen, mehr als jeder andere Schauspieler egal welchen Geschlechts. All das ist allerdings nichts gegen den Komponisten John Williams. Der ist nicht nur seit "Star Wars" eine Legende, sondern für "Die Bücherdiebin" gerade zum 44. Mal in der Kategorie Beste Musik und zum 49. Mal insgesamt nominiert.

... und der ewige Rekordhalter

Mit 22 "normalen" und vier Ehren-Oscars ist Walt Disney der meistprämierte Filmschaffende der Oscar-Geschichte. Auch in diesem Jahr spielt er bei den Academy Awards eine wichtige Rolle. Zwar wurde der Film "Saving Mr. Banks", in dem niemand anderes als Tom Hanks in die Haut von Disney schlüpft, lediglich in der Kategorie Beste Musik nominiert. Aber dafür ist in dem nominierten Animationskurzfilm "Get a Horse!" die Zeichentricklegende höchstpersönlich als Stimme von Mickey Mouse zu hören. Alte Archivaufnahmen machten es möglich.

Nicht fünf, nicht zehn, sondern neun beste Filme

Nachdem über 60 Jahre lang stets nur fünf Filme als beste des Jahres nominiert wurden, erhöhte die Academy ab 2010 die Anwärter in der Kategorie Bester Film auf 10. Gedeutet wurde das überwiegend als Versuch, auch populäreren Filme (wie z.B. "The Dark Knight") eine Chance zu geben, die wiederum die TV-Einschaltquoten erhöhen könnten. Nur zwei Jahre später wurde das Verfahren erneut geändert. Nun können zwischen 5 und 10 nominiert werden. Wie viele es tatsächlich sind, berechnet sich nach einem etwas komplizierten Verfahren, bei dem es vor allem darauf ankommt, wie viele der Wähler einen Film auf den ersten Platz setzen. Seither waren es - genau wie in diesem Jahr - stets neun Nominierte.

Da waren es nur noch vier

Ursprünglich waren in diesem Jahr fünf Lieder als Bester Song nominiert. Doch dann wurde "Alone Yet Alone" aus dem gleichnamigen christlichen Rührstück, von dem selbst Hollywood-Insider vorher nie gehört hatten, disqualifiziert. Der Grund: Songwriter Bruce Broughton, selbst Mitglied der Musikabteilung innerhalb der Academy, schickte eifrig Emails an die übrigen Stimmberechtigten, um für sich selbst die Werbetrommel zu rühren. Was nicht erlaubt ist.

Gleichstand

Ein Unentschieden? Auch das kann es beim Oscar geben, wenn denn tatsächlich Stimmengleichheit herrscht. Vorgekommen ist das bislang sechsmal. Der prominenteste Fall war die Kategorie Beste Hauptdarstellerin 1968, als sich Katharine Hepburn und Barbra Streisand den Oscar teilen mussten. Zum letzten Mal vorgekommen ist es letztes Jahr, als beim Besten Tonschnitt sowohl "Skyfall" als auch "Zero Dark Thirty" gewannen.

Erfolgreicher als Teil 1

Mit "Ich - Einfach unverbesserlich 2" ist in der 2002 geschaffenen Kategorie Bester Animationsfilm zum ersten Mal eine Fortsetzung nominiert, deren Vorgänger noch leer ausgegangen war. Leer ausgegangen ist in diesem Jahr übrigens Pixar, deren "Die Monster Uni" nach "Cars 2" überhaupt erst der zweite Film der Firma ist, der in dieser Kategorie nicht berücksichtigt wurde.

Von Kambodscha bis Palästina

Für Kambodscha bedeutet die Nominierung des Dokumentarfilms "The Missing Picture" in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film die erste Oscar-Ehrung überhaupt. Palästina, in der gleichen Kategorie mit "Omar" vertreten und von den Oscars noch vor der UNO als eigenes Land anerkannt, ist sogar schon zum zweiten Mal nominiert. Als Favorit gilt allerdings "La grande bellezza", was für Italien den 13. Sieg und damit das Einholen von Frankreichs Rekordmarke bedeuten würde.

Der Nominierte, den es gar nicht gibt

Schon gewusst? John Mac McMurphy, der in diesem Jahr als Cutter für den Schnitt von "Dallas Buyers Club" nominiert ist, existiert gar nicht. Tatsächlich ist das nur das Pseudonym des Regisseurs Jean-Marc Vallée. Die erste fiktive Person mit Oscar-Nominierung ist McMurphy allerdings nicht. Roderick Jaynes, das Cutter-Pseudonym der Coen-Brüder, war sogar schon zweimal nominiert.

Einer der Beste ist auch einer der Schlechtesten

Eigentlich sollte man meinen, dass es zwischen den Oscars und den Goldenen Himbeeren, mit denen seit 1981 die schlechtesten Filme des Jahres bedacht werden, keinerlei Überschneidungen gibt. Doch das ist in diesem Jahr anders, denn tatsächlich ist ein Film für beides nominiert: Johnny Depps Flop "The Lone Ranger" darf bei den Oscars in den Kategorien Bestes Make-up und Beste Spezialeffekte hoffen, gilt aber mit fünf Nominierungen vor allem als Himbeer-Favorit. Unvergessen übrigens das Jahr, in dem Sandra Bullock tatsächlich beide Preise gewann. Wenn auch nicht für den gleichen Film, sondern den Oscar für "Blind Side - Die große Chance" und die Goldene Himbeere für "Verrückt nach Steve".

Die Gastgeberin

Ellen DeGeneres ist die erste weibliche Oscar-Moderatorin seit... sie selbst 2007 zum ersten Mal auf die große Bühne durfte. Die erste Frau, die ganz allein und nicht bloß als Ko-Moderatorin durch den Abend führen durfte, war übrigens 1994 Whoopi Goldberg, die danach noch zwei weitere Male den Job übernahm. Häufigster Gastgeber in der Academy-Geschichte ist übrigens Bob Hope, der ganze 14 Mal moderierte.

Kuriose Luxus-Geschenke

Als sei eine Oscar-Nominierung nicht Geschenk genug, bekommen alle Nominierten jedes Jahr auch noch prall gefüllte Goodie-Bags mit auf den Weg. Deren Inhalt ist in diesem Jahr rund 80.000 $ wert (mehr als etwas Jonah Hill für seine Rolle in "Wolf of Wall Street" als Lohn bekommen hat) und umfasst unter anderem Reisen nach Japan und Hawaii, edlen Wodka, Tierpflegeprodukte, Schuhe, Schmuck und sogar Pfefferspray. Das kurioseste Geschenk dürfte allerdings der fast 3000 Dollar teure Gutschein für eine so genannte "vaginal rejuvenation" sein, bei der frau mittels Spritzen ihr Genitalgewebe auf Vordermann bringen kann. Und falls die nominierten Männer damit nichts anfangen können: eine Haartransplantation findet sich in der Geschenktüte auch!

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Patrick Heidmann