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»GENUG«: Der Filmtitel ist Warnung genug

Mit dem Slogan »Notwehr ist kein Mord« wirbt dieser Film für ein simples Racheprinzip. In dem Thriller »Genug« von Michael Apted übt Jennifer Lopez als Frau, die rot sieht, Vergeltung für erlittene Gewalt in der Ehe.

»Genug« ist eigentlich der Filmtitel. Aber bereits vor dem blutigen Finale dieses vom Verleih dreist als »Psycho-Thriller« klassifizierten Streifens ist das mit mehrfachen Ausrufezeichen versehene »Genug« auch der gequälte Stoßseufzer des Betrachters. Denn was der durchaus renommierte britische, in Hollywood arbeitende Regisseur Michael Apted und seine populäre Hauptdarstellerin Jennifer Lopez da auf der Leinwand zeigen, ist schlicht unglaubwürdiger Murks.

Flucht in ein neues Leben

Erzählt wird die Geschichte der hübschen Kellnerin Slim, die sich den ebenso wohlhabenden wie gut aussehenden Mitch angelt und mit ihm bald ein süßes Töchterchen namens Gracie aufzieht. Doch Mitch ist nur nach außen hin der liebende Ehemann und treusorgende Vater. In Wahrheit hat er unzählige Affären mit anderen Frauen, in seinem Firmenimperium herrscht er mit unverfrorener Korruption. Slim kommt ihm auf die Schliche, Mitch reagiert brutal, schlägt und schikaniert sie. Um dieser demütigenden Behandlung zu entkommen, organisiert Slim mit Hilfe von Freunden die Flucht in einen anderen Bundesstaat, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Kraftvoller Widerstand

Aber das ist nicht nur mit den üblichen Schwierigkeiten für eine allein erziehende Mutter verbunden, sondern stößt auch auf den erbitterten Widerstand des verlassenen Machos Mitch. Für den ist es undenkbar, sich mit dem Verlust von Frau und erst recht der kleinen Tochter abzufinden. Also setzt er mit gewohnter Skrupellosigkeit alle Hebel in Bewegung, um beide wieder in seine Gewalt zu zwingen. Slim indessen hat ihren leiblichen Vater, einen zum Multimillionär mutierten Ex-Hippie, finanziell angezapft und wehrt sich nach Kräften.

Doch ist sie schließlich so zermürbt von den Nachstellungen ihres ehelichen Peinigers, dass sie einen folgenreichen Entschluss fasst: Einer von beiden muss weg, - und an Selbstmord denkt sie keineswegs. Sie rüstet sich also ebenso allseitig wie umsichtig für das letzte Gefecht, dessen Zeuge der Kinobesucher selbstredend wird. Wenn Jennifer Lopez in diesem Duell mitmischt, dürfte der Ausgang nicht schwer zu raten sein. Überhaupt ist fast alles sehr absehbar in diesem Film, dessen Handlung mit kalter Mechanik, ohne jede Inspiration abgespult wird.

Abstoßend brutal

Auch das abstoßend brutale Finale, das durchaus als Plädoyer für notfalls auch todbringende Selbstjustiz gewertet werden kann, macht »Genug« nicht interessanter, sondern gibt einem ohnehin überflüssigen Machwerk den Rest. Es ist unbegreiflich, wie Apted, der einst einen so schönen Film wie »Gorillas im Nebel« gedreht hat, sich in solchen Niederungen Hollywoods verirren konnte. Und für Jennifer Lopez reiht sich diese Pleite leider ein in die falsche Rollenwahl ihrer letzten Filme »The Cell« und »The Wedding Planner«.

Eindimensionale Charaktere

Wenn die Latino-Ikone nicht ihre Sinnlichkeit und träge Laszivität ausspielen kann, sondern nun in »Genug« gar noch die gequälte brave Ehefrau und Mutter mimen soll, ist sie gleichzeitig unter- wie überfordert. Wenig zu beneiden ist auch Billy Campbell, der den Ekel-Gatten Mitch spielt. Nicht nur sein vom Drehbuch befohlenes Ende ist schrecklich, sondern die ganze Figur, die alles Böse vereinigen soll. Campbell bemüht sich, ihr Leben einzuhauchen, aber daran wären wohl auch begabtere Darsteller gescheitert. Doch damit auch genug von diesem völlig überflüssigen Film »Genug«.

Wolfgang Hübner, AP