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"Hangover 2" neu im Kino: Der Alan-Effekt

"Hangover 2" ereilt das Schicksal vieler Sequels: Es kommt nicht heran an das Original. Aber diese Blackout-Reihe, die uns wohl noch lange erhalten bleiben wird, hat dem Kino Alan geschenkt. Und dafür sollten wir dankbar sein.

Von Sophie Albers

Das erste Mal den ersten "Hangover" zu sehen, ist wie ein glücklicher Rausch ohne Drogen. Alles ist bunt, wild, gefährlich und unfassbar komisch. Diese Geschichte über drei Typen, die am Morgen nach dem Junggesellenabschied in einem komplett zertrümmerten Hotelzimmer in Las Vegas aufwachen und keine Ahnung haben, wie der Tiger ins Badezimmer gekommen ist, das Baby in den Schrank, der Ehering an den Finger der Stripperin, der Zahn in die Hosentasche. Das war wirklich neu! Regisseur Todd Phillips hat seinem Publikum vor zwei Jahren den perfekten Trip geschenkt. Zum Dank ließen Männer wie Frauen fast 470 Millionen Dollar an den Kinokassen der Welt - bei Produktionskosten von 35 Millionen. Und dann ging es schief.

Denn natürlich kann man in Hollywood nicht Erfolg haben, ohne dass noch größerer Erfolg erwartet wird. Also hat Phillips "Hangover 2" gedreht - für 80 Millionen Dollar.

Sie wissen ja, wie es geht

Diesmal will der eigentlich brave Stu heiraten. Der Zahn ist wieder drin. Die Braut ist ein nettes, hübsches Ding mit Familie in Thailand. Da geht es hin. Und weil Stu weiß, wie ein Junggesellenabschied enden kann, muss er erst zu einem Bier unter Freunden am Strand überredet werden. Aber auch das kann es in sich haben, und so landen wir auf einem Hoteldach in Bangkok. Stu ist gesichtstätowiert, Alan hat eine rasierte Glatze, und Phil ruft seine Frau an: "Schatz, es ist wieder passiert."

Leider verlässt sich "Hangover 2" komplett auf dieses "wieder". Weil das Original eben so neu, so großartig, so originell war, kommt Teil zwei als Abklatsch daher - sei es der irre Mister Chow oder Phil-Collins-Fan Mike Tyson, der Tiger ist diesmal ein Affe, aus dem verschollenen Doug wurde Teddy. Es bleibt ein Spaß, aber diesmal gibt es hinterher tatsächlich einen Kater.

Die Kritik könnte hiermit enden. Tut sie aber nicht, denn "Hangover 2" hat auch Alan. Und diese renitente Nervensäge vollbringt ein Wunder, das zu betrachten eine Kinokarte wert ist.

Renitenter Irrer

Alan ist der retardierte Schwager von Doug (verschollener Bräutigam Nummer eins), der im Original für den drogenbedingten Blackout verantwortlich war. Ein trotziges Kind im Körper eines Erwachsenen an der Schwelle zum Wahnsinn, das sich über die seltsame Welt wundert, in der alle anderen seltsam sind - mit gutem, aber auch gut verstecktem Herzen. Ohne zuviel zu verraten: Alan ist und bleibt ein unfassbar anstrengender Albtraum, den man am Anfang des Films einfach nur loswerden will, den man am Ende des Films jedoch geradezu liebt. Nennen wir es den Alan-Effekt. Und der macht den Film sehenswert.

Der Alan-Effekt ist vor allem Darsteller Zach Galifianakis zu verdanken, der eine Figur ganz in der Tradition der ultimativen Nervensägen Jerry Lewis und Peter Sellers' erschaffen hat. So wie die Grimassen von Lewis und der zum in Tischkanten beißen trockene Humor eines Sellers ist auch Galifianakis bewegungslose Unverfrorenheit bereits in die Kinokomikergeschichte eingegangen. Und das, obwohl der 41-Jährige nie große Filme machen wollte. Galifianakis war auf anarchische Anti-Komik abonniert, brachte die Menschen jahrelang unter dem Radar der Massenöffentlichkeit zum Lachen. Aber nun ist er eben der Typ, der Hollywoodfilme rettet. Das hat auch beim "Dinner für Spinner" funktioniert.

Alans Verhandeln mit der Welt, die irgendwie nicht zu ihm passt, macht mehr aus "Hangover 2" als Hollywoods sichere Bank des kotzenden, rülpsenden, penisverrückten Pennäler-Humors. Und dafür müssen Phil, Doug, Stu und vor allem Todd echt dankbar sein. Wir sind nicht mehr in Las Vegas oder Bangkok, wir sind in Alan-Town. Stu kann ein Lied davon singen.

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