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"Heimat 3": Edgar Reitz vollendet seine Trilogie

Es gibt ein Wiedersehen mit der Familie Simon und dem Hunsrück-Ort Schabbach. Der Fernsehfilm von Edgar Reitz mit befasst sich mit der deutschen Geschichte der Jahre 1989 bis 2000.

Zehn Jahr lang hat Edgar Reitz am dritten Teil seiner Zeitchronik "Heimat" gearbeitet. Beim Filmfestival in Venedig feierte der Film vor einigen Wochen Premiere. In Deutschland ist der Fernseh-Sechsteiler zunächst in einer Kinofassung zu sehen, ehe er im Dezember auf ARD ausgestrahlt wird.

"Heimat 3" erzählt von der Aufbruchstimmung der Wendezeit und spielt zwischen dem 9. November 1989 und 31. Dezember 1999. Das Drehbuch schrieb der erfolgreiche Schriftsteller Thomas Brussig ("Am kürzeren Ende der Sonnenallee"). Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte zwischen der Cellistin und Sängerin Clarissa Lichtblau (Salome Kammer), die schon im zweiten "Heimat"-Zyklus eine Rolle spielte, und dem aus dem Hunsrückdorf Schabbach stammenden Komponisten Hermann Simon (Henry Arnold). Sie sehen sich in Berlin zurzeit des Mauerfalls zufällig wieder. Hermann Simons Brüder werden von Michael Kausch und Matthias Kniesbeck gespielt.

Ost- und westdeutsche Biografien kreuzen sich

Der zentrale Drehort der Hunsrück-Saga ist ein fiktives Günderrode-Haus, das am Rhein gegenüber der Loreley liegt. Das Haus befinde sich in der Nähe von Oberwesel. Dort kreuzten sich ost- und westdeutsche Biografien, hieß es. Für die Drehzeit sind 18 Monate vorgesehen.

Chronik des 20. Jahrhunderts

Regisseur Edgar Reitz begann schon in den 70er Jahren, das "Heimat"-Projekt zu entwickeln. Mit Lebensgeschichten von 1919 bis zur Gegenwart will er eine Chronik des 20. Jahrhunderts erstellen, gespiegelt in einem Hunsrückdorf. Der erste, 16-stündige "Heimat"-Film - er lief zunächst in zwei Teilen im Kino - war die Filmsensation des Jahres 1984 und wurde unter anderem bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet. Die elfteilige Fernsehfassung wurde im September und Oktober 1984 von der ARD ausgestrahlt. Mit zehn Millionen Zuschauern im Durchschnitt wurde "Heimat" ein großer Erfolg.

In Venedig gefeiert

Vier Jahre schrieb Reitz an den Drehbüchern zur "Zweiten Heimat", die 13 Teile umfasste und in 557 Tagen 1991 abgedreht war. Die 26stündige Fortsetzung der Hunsrücksaga, die 1992 in die Kinos kam, führte in das München der 60er Jahre, wo der nunmehr ganz im Mittelpunkt stehende Hermann Simon, genannt "Herrmännchen", Musik studierte. In Venedig erhielt Reitz für "Die zweite Heimat" einen Ehrenlöwen. Im Fernsehen - die Ausstrahlung begann im April 1993 - konnte er aber nicht an den Erfolg der ersten Staffel anknüpfen. Nur gut eine Million Zuschauer wollten die teilweise in schwarz-weißen und bunten Bildern gedrehte "Zweite Heimat" sehen.

Daraufhin hieß es zunächst, eine dritte Staffel werde es nicht geben. Im September 1994 wurde jedoch bekannt, dass Reitz einen dritten Teil seines "Heimat"-Zyklus' plant. Die neue Staffel geht dem Lebensgefühl in Deutschland nach der Wende auf der Spur. Vom "Verlust unserer kulturellen Identität" handele sein dritter TV-Zyklus, meint Reitz, von einem Verlust von Heimat und Provinz durch zunehmende Mobilität. "Es gibt die Provinz nicht mehr. Provinz ist zur Frage der Mentalität geworden."

DPA/che / DPA