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"Last Night" neu im Kino Nie wieder so wie letzte Nacht


Zwei Frauen, zwei Männer und das, was sie unter Liebe verstehen. "Last Night" ist genau der richtige Film zum Jahresende, um sich zu fragen: Was ist eigentlich mit meiner Liebe?
Von Sophie Albers

Eigentlich hält sich Michael (Sam Worthington) ziemlich lange ziemlich gut. Welcher Mann, verheiratet oder nicht, würde denn bitte einer breitangelegten Zuneigungsattacke von Laura standhalten, wenn Laura so aussieht und sich so bewegt wie Eva Mendes? Vor allem wenn die Ehefrau daheim so hysterisch und wenig körperlich ist wie Joanna (Keira "Ich bin nicht magersüchtig" Knightley)?

"Last Night" heißt das Regiedebüt der iranisch-amerikanischen Drehbuchautorin Massy Tadjedin ("The Jacket") und erzählt sehr langsam und ehrlich vom Alltag der Treue und Loyalität in einer Beziehung. Michael und Joanna sind eigentlich glücklich verheiratet, haben ihre alltäglichen Rituale und können sich auf das Vertrauen stützen, das jahrelange Intimität mit sich bringt. Doch als Joanna auf einer Party meint, in Michaels Verhalten gegenüber seiner Kollegin Laura (Eva Mendes) die gleiche Vertrautheit zu entdecken, stellt sie ihre Beziehung in Frage. Michael leugnet - männlich stoisch - und der Zuschauer fürchtet schon, dass Joannas plötzliches Misstrauen erst Ideen in seinen Kopf pflanzen könnte. Zumal er am nächsten Morgen mit Laura auf Geschäftsreise geht.

Der Hintern der Eva Mendes

Allein mit sich und ihren Fantasien trifft Joanna am nächsten Tag ausgerechnet ihre verflossene Liebe, ihren französischen Seelenverwandten Alexandre (Guillaume Canet). Nun muss sie vor ihrem inneren Kadi, vor dem gerade noch Michael stand, selbst rechtfertigen, warum sie ihren Körper mit aller weiblichen Raffinesse auf Alexandre vorbereitet, obwohl sie doch eigentlich nur mit ihm essen gehen will.

Sicherlich wird es Menschen geben, die "Last Night" für eine unbedeutende Geschichte halten, mit der Hollywood versucht, ein bisschen französisch zu sein. Ohne emotionale Zuckerwatte und Knalleffekte hat Tadjedin ein sehr konsequentes Bild dieser Beziehungswelt entworfen, in der das Gras auf der anderen Seite immer grüner ist.

Die Knochigkeit der Keira Knightley

Sehr deutlich lässt die Regisseurin Knightley ihre Knochigkeit zeigen, der sie den runden Hintern von Mendes gegenüberstellt. Und so verwirrt und verloren wie Michael, Alexandre und Joanna mit ihren Gefühlen ringen, so abgeklärt und unromantisch kämpft Laura gegen ihre Einsamkeit an. In einem der Protagonisten findet sicher jeder Zuschauer ein Stück seiner Erwartungen, Wunschvorstellungen und Fantasien wieder. Und so gespiegelt kommen die Fragen nach der Beständigkeit des eigenen Glücks.

Es heißt, es gebe Situationen, in denen Männer und Frauen nicht anders können als betrügen. Doch genau für diesen Augenblick der Entscheidung über das Vertrauen eines anderen Menschen passt ein Zitat aus einem anderen großen Film zum Thema Liebe und was davon übrigbleibt: "Hautnah" vom großartigen Regisseur Mike Nichols. Als Alice (gespielt von Natalie Portman) betrogen wird, sagt sie: "Es gibt immer einen Augenblick, in dem man sich entscheiden kann 'Ich kann das tun, ich kann nachgeben, oder ich werde widerstehen'. Ich weiß nicht, wann dein Augenblick war. Aber ich schwöre dir, du hattest einen."


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