HOME

"Liebe mit Risiko": Alberner Mix aus Thriller und Liebesgeschichte

Mit viel Häme wurde in den USA der neue Film von Jennifer Lopez und Ben Affleck, "Gigli - Liebe mit Risiko", aufgenommen. Jetzt ist er auch in Deutschland zu sehen.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Mit geradezu hysterischer Häme wurde in den USA der neue Film des (gewesenen?) Traumpaars Jennifer Lopez und Ben Affleck, "Gigli - Liebe mit Risiko", aufgenommen. Nun läuft der Streifen auch hier zu Lande, und der Mix aus Thriller und Liebesgeschichte erscheint tatsächlich ziemlich verunglückt.

Ben Affleck spielt den Kleinganoven Larry Gigli, der im Dienste der Mafia in Los Angeles den autistischen kleinen Bruder eines Richters entführt, um diesen im kommenden Prozess eines Ober-Mafiosos unter Druck zu setzen. Jennifer Lopez heftet sich als Aufpasserin Ricki an Giglis Fersen und nistet sich in seiner Wohnung ein, wo bereits der autistische Brian a la "Rain Man" lallend sein Unwesen treibt.

Macho mit weichem Herz

Von dem unbedarften Einfaltspinsel Gigli halten seine Auftraggeber offenbar nicht viel; dasselbe lässt sich von den mimischen Qualitäten von Ben Affleck sagen, der zwar ein hervorragender Drehbuchschreiber (immerhin bekam er einen Oscar für "Good Will Hunting") ist, aber die Ausstrahlung einer Topfpflanze besitzt. Wenigstens einer gut aussehenden Topfpflanze. Doch als Macho mit weichem Herz, der mit der Liebe zur schönen Ricki auch seine "weibliche" Seite zulassen muss, ist er klar überfordert.

Verdrehte Rolle

Ob wenigstens der Popstar Jennifer Lopez schauspielern kann, wird auch dieser Film nicht beweisen, denn ihre Rolle ist so verdreht, dass selbst eine Meryl Streep ihr kein Leben einhauchen könnte: Ricki ist eine knackige Lesbe, die esoterisch-altklug daherredet und mit erotisch verschleiertem Blick ähnlich wie die Schlange Kaa aus dem "Dschungelbuch" Gigli zu hypnotisieren trachtet. Jedenfalls interpretiert es so der Zuschauer, da dieses Stieren stets einige Sekunden zu lang dauert.

Und so ist es kein Wunder, dass Gigli, der, wie gesagt, so dumm wie nett ist, meint, dass er Ricki leicht herumkriegt. Und genauso ist es, trotz aller New-Age-Beredsamkeit und ostentativer Coolness von Ricki: Gibt es auch nur einen Big-Budget-Hollywoodfilm, wo eine bekennende Lesbe nicht "umgedreht" wird? Und war der Wechsel ans andere Ufer jemals so unglaubwürdig wie bei dieser zen-buddhistisch inspirierten Jüngerin Sapphos angesichts dieses plumpen Buben?

Hilfloses Grimassieren

Wie gewollt und nicht gekonnt versucht das Drehbuch, die vom Publikum erwarteten Liebes- und Sexszenen mit viel Gelaber und pseudo-nonkonformistischen Posen aufzumotzen und konzentriert sich meist auf die kammerspielartige Situation in Giglis Wohnung, wo überdies der minderbemittelte Brian, der für die "Baywatch"-Girls schwärmt, den klischeehaften Haustierpart des ungezogenen, aber liebenswerten Behinderten übernimmt.

Auftritte von Christopher Walken als bedrohlich flüsternder Polizist und von Al Pacino als tobender Mafioso verstärken noch das Gefühl, sich im falschen Film zu befinden. Die ebenso ambitionierten wie anbiedernden Ausflüge ins Schräge, die Regisseur und Drehbuchautor Martin Brest ("Der Duft der Frauen") mit diesem filmischen Spagat wagt, wären mit einem weniger prominenten, kantigeren Pärchen vielleicht eher geglückt. Doch Brests lobenswerter Kunstwille kollidiert mit der Vorgabe, ein Mainstream-Publikum zu bedienen, was hier meist Murks ergibt.

G-Punkt der Peinlichkeit ist Rickis albernes Hohelied der Vagina, bei dem sie das Für und Wider männlicher und weiblicher Geschlechtsteile erörtert und dabei Yoga-Übungen macht. Angesichts der sich redenden, windenden, starrenden Lopez verlegt sich Affleck meist auf hilfloses Grimassieren - was sollte er, und der Zuschauer, auch sonst tun?

Birgit Roschy, AP