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"Metro": Mit Mikroskop, Mundschutz und Pistole

Sars, Vogelgrippe und HIV sind aktuell, gefährlich und bislang kein Thema einer Krimi-Serie: Guter Stoff, dachten sich Produzenten beim ZDF und bastelten eine Mischung aus Krankenhausserie und "Tatort".

Von Hauke Friederichs

Sie sind winzig, emotionslos und tödlich. Wer mit ihnen in Berührung kommt leidet, siecht dahin, stirbt. Krimi-Gegner wie aus dem schlimmsten Alptraum und für das Vorabendprogramm des ZDF nur bedingt geeignet. Dennoch lässt der Sender aus Mainz ab Mitte Januar ein ganz besonderes Ermittlerteam gegen Viren, Keime und Sporen antreten: Die attraktive und energische Ärztin Katharina Hansen (Ursula Karven) vom Hamburger Tropeninstitut am Hafen und der Polizist Markus Witt (Michael Roll), der Draufgänger von der Spezialeinheit, bilden den Kern der Mobilen Eingreiftruppe Tropenmedizin (Metro).

Mediziner und Gesetzeshüter die gemeinsam gegen Seuchen vorgehen - die Idee ist neu. "Diese Serie ist ein Versuch, die Wirklichkeit, die uns im Moment schneller einholt als uns lieb sein kann, zu packen", sagt ZDF-Unterhaltungschef Claus Beling und spielt auf die Vogelgrippe an, die in der ersten Staffel aber keine Rolle spielt. Die Produzenten haben Mut bewiesen und erprobtes Unterhaltungsterrain verlassen.

Der schlimme Virus "Liebe"

Ganz neu sind jedoch nicht alle Elemente, vor allem die Nabelschau im Privatleben der Helden wirkt altbekannt. Was bei der Schwarzwaldklinik und Emergency Room funktionierte, soll auch bei Metro die Zuschauer halten. In der Tropenklinik spielt das Liebesleben eine große Rolle. Zwischen der Schönen und dem Raubein knistert es gewaltig, trotz der Gegensätze. "Wir sind the brain and the body", sagt Roll. "Sie ist die Ärztin aus Überzeugung, hat auch ein Herz für Kriminelle. Er ist der harte Cop." Und nicht nur die Hauptrollen dürfen ihr Liebesleben vor den Zuschauern ausbreiten. Der Krankenhausleiter Lorenz Baumann (Volker Lechtenbrink) hat die Trennung von Ehefrau und Kollegin Tatjana Stahl (Stefanie Japp) noch nicht wirklich überwunden. Und Serien-Clown Oliver Clemens, der einen Technik-Freak spielt, ist auf permanenter Partnerpirsch.

Neben allem Herz-Schmerz-Beiwerk legen Produzenten und Schauspieler viel Wert auf die richtige Einbettung der Sachthemen: "Für uns war Authentizität sehr wichtig", verrät Michael Roll. Und so diente das Tropenklinikum nicht nur als Kulisse. Die Seuchen-Experten haben die Dreharbeiten beratend begleitet und die Schauspieler geschult. Dass war nicht immer einfach, erzählt der leitende Arzt am "Bernhard-Nocht-Institut" für Tropenmedizin, Hinrich Sudeck, da im Fernsehen das Spiel mit der Angst zur Dramaturgie gehöre. Die Dialoge geben ihm recht: "Der Mann ist eine wandelnde Zeitbombe", sagt die Ärztin Hansen in der ersten Folge. "Es genügt ein Husten in der U-Bahn und wir haben hier eine Sars-Epidemie." Dass die Serie so die Furcht vor Seuchen steigern könnte, sieht Sudeck dennoch nicht. "Hinter jedem Fieberkranken, der aus einer Tropenregion kommt, kann eine Gefahr stecken", erklärt der Mediziner. Die Fälle seien nicht unseriös. "Es gibt in keiner Folge einen medizinischen Fehler", sagt Sudeck. Außerdem behandle die Serie Themen, mit denen man sonst niemanden vor den Fernseher locken könne.

Spannung wichtiger als Realität

Um Einschaltquoten geht es den Machern aber sehr wohl. Deswegen darf der Alltag der Ärzte nicht zu langweilig geraten. "Unsere Zuschauer sollen unterhalten werden, Spannung erleben und etwas Wissen mitnehmen", erläutert Produzent Matthias Esche und legt so die Prioritäten fest. Spannung geht vor Genauigkeit. Beim Ensemble hat die gespielte Seuchen-Angst schon Wirkung gezeigt: "Wenn ein Mitreisender auf Langstreckenflügen hustet, dann drehe ich mich schon sorgenvoll um", sagt Karven. Trotz Paranoia habe der Dreh Spaß gemacht. Eine Fortsetzung können sich Karven und Roll gut vorstellen. "Wir haben noch richtig viel Stoff für eine zweite Staffel", verrät Roll. "Das Thema Bioterrorismus schreit geradezu nach uns." Beim ZDF will man den Zuschauer über eine Fortsetzung entscheiden lassen. Wenn die Einschaltquote beim Pilotfilm und den zehn Folgen stimmt, wird Metro weitere Fälle bekommen. Getreu dem Motto aus dem Vorspann: "Wir jagen den sicheren Tod. Wenn wir ihn nicht finden, findet er uns."