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"My Blueberry Nights": Liebeskummer und Blaubeerkuchen

Kaum ein anderer Regisseur setzt Frauen so schön in Szene wie Wong Kar-Wai. In "My Blueberry Nights", dem ersten amerikanischen Film des chinesischen Filmregisseurs, konnten Natalie Portman, Rachel Weisz und die Sängerin Norah Jones dies am eigenen Leib erfahren.

"Es ist die Geschichte einer Frau, die den langen statt den kurzen Weg wählt, um den Mann ihres Lebens zu finden." So beschreibt der chinesische Filmregisseur Wong Kar-Wai selbst die Handlung seines ersten amerikanischen Films "My Blueberry Nights", der am 24. Januar in die Kinos kommt. Der international gefeierte Künstler aus Hongkong hat mit Filmen wie "In the Mood for Love" (2000) und "2046" (2004) Kultstatus erlangt. Und kaum ein anderer Regisseur setzt Frauen so schön in Szene wie Wong Kar-Wai.

Das ist auch in seinem US-Debüt nicht anders: Mit der weltweit erfolgreichen Sängerin Norah Jones in ihrer ersten Kinorolle, Natalie Portman und Rachel Weisz präsentiert der Filmemacher gleich drei attraktive Schauspielerinnen. Dabei hat Norah Jones, die hoch begabte und sympathische Tochter von Ravi Shankar, die Hauptrolle der liebeskranken Elizabeth inne, die in dem gut aussehenden New Yorker Café-Besitzer Jeremy nicht nur einen verständnisvollen Zuhörer, sondern nach langem Umweg auch den Herzensbuben findet. Dieser Jeremy wird vom britischen Frauenschwarm Jude Law gespielt.

Melancholische Töne und schöne Bilder

Nicht nur wegen Jones, die einige Songs beisteuert, hat die Musik in diesem wie in jedem anderen Film des Regisseurs aus Hongkong eine besonders wichtige Funktion: "Alle Szenen sind getragen von der Stimmung der Musik. Die Musik ist normalerweise mein Ausgangspunkt: Sie gibt das Tempo und den Rhythmus vor." Wer Freude an diesem Film, dessen Handlung nicht allzu aufregend ist, haben will, muss sich also bedingungslos auf die melancholische Stimmung, auf die Töne und auf die ausgesucht schönen Bilder einlassen. Für diese ist Wong ebenso verantwortlich wie der iranisch-französische Kameramann Darius Khondji.

Die süchtig machende Magie früherer Wong-Filme fehlt

Wenn sich Elizabeth und Jeremy das erste Mal begegnen, ist die junge Frau, die von Norah Jones sehr sanft und mädchenhaft verkörpert wird, nach einer gescheiterten Beziehung von tiefem Schmerz über den Verlust erfüllt. Sie ist noch nicht reif für eine neue Liebe und bricht auf zu einem Trip in die Weite des Landes. Der führt sie nach Memphis, Las Vegas und in die Wüste Nevadas. Dort erlebt sie die Tragödie eines zerstrittenen Paares und macht die Bekanntschaft einer jungen Spielerin, die immer alles riskiert. Am Schluss aber kehrt Elizabeth zurück nach New York, zurück zu Jeremy und zur Liebe.

Die süchtig machende Magie seiner besten Filme kann Wong in seinem ersten amerikanischen Film nur teilweise dem Betrachter vermitteln. Jude Law hat nicht entfernt die geheimnisvoll erotisch-melancholische Aura von Wongs chinesischem Lieblingsdarsteller Tony Leung. Und Norah Jones ist als Schauspielerin gewiss zu harmlos, um diese Magie erneut auf der Leinwand entfachen zu können.

Der Zauber jener Augenblicke, die so schnell vergehen

In Erinnerung von "My Blueberry Nights" wird aber wahrscheinlich eine Szene aus dem Anfangsteil bleiben, an der Wong tagelang mit seinen Darstellern gearbeitet hat. Dass Jeremy der schlafenden Elizabeth einen zarten Kuss auf die Lippen mit Krümeln vom Blaubeerkuchen drückt, ist wenig aufregend. Doch wie das gedreht wurde, nämlich in ganz verschiedenen Geschwindigkeiten und Perspektiven, ist spektakulär. Filme machen ist nicht zuletzt ein Kampf gegen die Vergänglichkeit. Wong inszeniert unvergleichlich den Zauber jener Augenblicke, die so schnell vergehen und die nur die Kamera zu verewigen vermag. Wer dafür Sinn hat, wird auch mit diesem Film recht glücklich werden. Ob Amerika allerdings der richtige Ort für einen Künstler wie Wong Kar-Wai ist, steht nach "My Blueberry Nights" noch keinesfalls fest.