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"New Moon"-Premiere: Liebesbisse in New York

Das Warten hat ein Ende. Zumindest in Amerika. Robert Pattinson und Kirsten Stewart schmachten einander wieder auf großer Leinwand an. stern.de hat sich die Mitternachts-Premiere von "New Moon" in New York angesehen.

Von Nicole Krättli, New York

New York ist vielleicht die Stadt, die niemals schläft. Doch sogar hier zeigen sich Passanten sichtlich irritiert, wenn mitten in der Nacht Ansammlungen von Teenagern, Kindern mit ihren Müttern und anderen Erwachsenen, die etwas beschämt zu Boden schauen, vor den Kinotüren der Stadt stehen.

Nach der feierlichen Filmpremiere in Los Angeles ist es in 94 Minuten und 46 Sekunden soweit: Mitternacht, der 20. November 2009. "New Moon", zweiter Teil der "Twilight"-Saga, läuft offiziell in den amerikanischen Kinos an. Die 15 Mitternachtsvorstellungen in sieben New Yorker Kinos sind schon lange ausverkauft. 80 Vorstellungen folgen am ersten Spieltag. Doch bevor es soweit ist, heißt es erst einmal hinten anstellen und zwar rund eineinhalb Stunden vor Vorstellungsbeginn.

Liebes-Masochismus

Dass der melancholische Blick von Vampir Edward Cullen (Robert Pattinson) und der durchtrainierte Eightpack von Jacob Black (Taylor Lautner) nicht nur etwas für Teenies sind, beweist die bunte Mischung von "Twilight"-Fans, die sich an diesem Abend vor einem Kino im Stadtbezirk Murray Hill versammelt haben.

"Ein Teenie-Buch, in dem der Klassen-Schönling die Schule nicht etwa für ein Football-Spiel schwänzt, sondern weil er mal eben ein bisschen Blut saugen gehen muss und der beste Freund zum Werwolf wird - soweit kommt es noch, dass ich mir so etwas reinziehe", dachte sich die 28-jährige Ann Parker, als ihre beste Freundin sie immer und immer wieder dazu überreden wollte, die Bestseller-Romane von Stephenie Meyer zu lesen. Doch dann lag sie diesen Frühling wegen einer Grippe für acht Tage im Bett. Neben einigen Zeitschriften lag "Twilight" auf dem Lektüren-Stapel - ihre Freundin hatte das Buch vorsichtshalber mal da gelassen. Parker begann zu lesen. Und sie las weiter. Und weiter. Und als sie wieder gesund war, kaufte sie sich noch am selben Tag die drei restlichen Bände – über Amazon, versteht sich. "Die Bücher im Laden zu kaufen, wäre mir einfach zu peinlich gewesen", gesteht Parker.

Es fällt ihr trotzdem schwer, in Worte zu fassen, was die Faszination dieser Vampir-Geschichte ausmacht. "Zum einen schreibt Meyer sehr packend und emotional. Zum anderen hat die Beziehung der beiden, die romantisch und masochistisch zugleich ist, auch etwas sehr Anziehendes", fasst Parker schließlich zusammen. Ganz freiwillig geht sie dennoch nicht um Mitternacht ins Kino. "Meine Freundin hat mich quasi gezwungen", behauptet sie und lächelt verlegen.

Platzkampf

Kayla musste niemand zwingen. Die 14-Jährige hat sich gleich am ersten Verkaufstag die Tickets für die Mitternachtsvorstellung gesichert. "Ich bin voll Team Edward. Er ist so süß", schwärmt die Schülerin. Ihre Freundin Kaitlin kann das überhaupt nicht verstehen. Sie gehört zum Team Jacob (Werwolf) und hat für den Blutsauger so gar nichts übrig. In einer Sache sind sich die Beiden allerdings einig: Sie können es kaum erwarten, in 43 Minuten und 14 Sekunden endlich "New Moon" zu sehen.

Ähnlich geht es Kaylas Mutter, wenn auch aus anderen Gründen. Sie hat sich bereit erklärt, die beiden Minderjährigen ins Kino zu begleiten und wartet eigentlich nur darauf, endlich schlafen gehen zu können. "Doch was tut man nicht alles für die Tochter", sagt Tracy Bennett liebevoll.

Genug geplaudert. Die Kinotüren werden geöffnet. Der Kampf um die besten Plätze beginnt. Schließlich beißen den Letzten die Hunde... oder die Werwölfe? Jede Filmvorschau wird ausgebuht. Bis plötzlich ein Aufschrei durch die Menge geht. Der neue Film von Hauptdarsteller Robert Pattinson "Remember me" wird von den Fans mit Applaus goutiert. Allerdings ist das kein Vergleich zu dem Geschrei, das anhebt, als es 00.24 Uhr endlich heißt: "New Moon" - Das nächste Kapitel beginnt.

Bauchmuskelschau

"Twilight"-Fans werden bei der zweiten Verfilmung von Stephenie Meyers vierteiligem Bestseller-Roman definitiv auf ihre Kosten kommen. Die Dreiecksbeziehung zwischen Bella, Vampir Edward und Werwolf Jacob spitzt sich immer mehr zu. Während Edward aus Bellas Leben verschwindet, um sie vor einer unglücklichen Zukunft mit ihm zu bewahren, spendet ihr bester Freund Jacob Trost. Bellas Herz gehört allerdings nach wie vor nur einem.

Regisseur Chris Weitz wusste genau, auf was es den Kinobesucherinnen ankommt. Und haargenau das serviert er ihnen nun auf dem goldenen Tablett: eine leidende Bella, durchdringende Blicke Edwards und fünf junge Werwolfs-Männer, die - weshalb auch immer - pausenlos ohne Shirt herumlaufen und ihre braungebrannten Bauchmuskeln zur Schau stellen.

Wer als Nicht-"Twilight"-Fan auf ein außergewöhnliches Kinoerlebnis hofft, sitzt im falschen Sessel. Für all jene, die das Vampir-Fieber bereits gepackt hat, ist der 130-minütige Streifen ein Muss. Einziger Wehrmutstropfen: Bellas Antwort auf Edwards alles entscheidende Frage am Ende des Films bleibt bis zum dritten Streifen im kommenden Sommer unbeantwortet.