VG-Wort Pixel

"Oma & Bella" im Kino Jüdische Berlinerinnen erinnern sich


Kochen bedeutet für "Oma & Bella" ein Stück Zuhause und Erinnerung an eine glückliche Kindheit. Ein Film erzählt die Geschichte der Berliner Jüdinnen und Holocaust-Überlebenden.

Sie schnippeln ausdauernd Gemüse, entfernen mit dem Einwegrasierer die letzten Federstoppeln von Hühnerbeinen und rühren den Plätzchen-Teig natürlich ohne einen einzigen Blick ins Kochbuch zusammen. Schon bald zieht der Duft typisch osteuropäischer, jüdischer Küche durch die Wohnung. Wenn "Oma & Bella" gemeinsam kochen, dann kommen auch die Erinnerungen zurück. Es sind Erinnerungen an eine glückliche Kindheit, die mit der Gewaltherrschaft der Nazis jäh endete.

Filmemacherin Alexa Karolinski hat "Oma & Bella", ihre inzwischen 85-jährige Berliner Großmutter und deren 89-jährige beste Freundin, mit der Kamera begleitet. Herausgekommen ist ein berührender Dokumentarfilm über zwei hinreißende Damen - zwei Überlebende des Holocausts, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Land der Täter leben.

Bei der diesjährigen Berlinale wurde Karolinskis an der New Yorker School of Visual Arts als Abschlussarbeit entstandener Film in der Reihe "Kulinarische Kino" uraufgeführt. Seit dieser Woche läuft "Oma & Bella" in den Berliner Kinos, vom 23. August an ist der Film bundesweit zu sehen.

Vorsichtige Frage nach der unfassbaren Vergangenheit

Oma Regina Karolinski und ihre Freundin Bella Katz kochen die Gerichte, die sie seit ihrer Kindheit kennen. Dadurch werde ein Stück Zuhause wieder lebendig, sagt Bella, die als Einzige ihrer großen, aus Litauen stammenden Familie den Holocaust überlebt hat. Bei den Küchenarbeiten machen Bellas Hände manchmal nicht mehr so gut mit. Als sie im Konzentrationslager war, musste sie mithelfen, eine Eisenbahnlinie zu bauen.

Mit ihrer Oma habe sie immer relativ offen über deren schreckliche Erlebnisse während der Nazi-Diktatur gesprochen, sagt Filmregisseurin Alexa Karolinski im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Schon mit 14 Jahren wurde die aus Polen stammende Regina Karolinski in ein Konzentrationslager verschleppt.

"Über Bella wusste ich viel weniger. Bevor sie sich in diesem Film geöffnet hat, hat sie sich eigentlich fast keinem geöffnet. Ich durfte den Film auch nur unter der Bedingung machen, dass ich nicht nach der Vergangenheit frage", erzählt die 28-jährige Filmemacherin. Doch Alexa Karolinski hat dann doch vorsichtig gefragt - und viele erschütternde Antworten bekommen.

Einblick in die Frauen-WG

Doch "Oma & Bella" ist auch ein heiterer Film, in dem viel gelacht wird. Alexa Karolinski folgt ihrer Oma und Bella mit der Kamera zum Friseur, Einkaufen, Kartenspielen und in den Biergarten. In ihren fröhlichen, großgemusterten Blusen und Kostümen machen die Damen immer eine gute Figur.

Herzstück des Films sind aber die Szenen in der Frauen-Wohngemeinschaft - denn seit Oma Karolinski nicht mehr so gut laufen kann, lebt Freundin Bella bei ihr. In der Küche muss "Alexale" probieren und abschmecken helfen. Das Lieblingsgericht der inzwischen in New York arbeitenden Regisseurin ist die Hühnerbrühe der Beiden - das "jüdische Penicillin", wie sie sie nennen. "Jedes Mal, wenn ich hier in Berlin lande, fahre ich nach Hause, dusche mich und fahre sofort weiter zu Oma und Bella und rieche die Hühnersuppe schon, wenn ich durch die Tür gehe."

Herzstück des Films sind aber die Szenen in der Frauen-Wohngemeinschaft - denn seit Oma Karolinski nicht mehr so gut laufen kann, lebt Freundin Bella bei ihr. In der Küche muss «Alexale» probieren und abschmecken helfen. Das Lieblingsgericht der inzwischen in New York arbeitenden Regisseurin ist die Hühnerbrühe der Beiden - das «jüdische Penicillin», wie sie sie nennen. «Jedes Mal, wenn ich hier in Berlin lande, fahre ich nach Hause, dusche mich und fahre sofort weiter zu Oma und Bella und rieche die Hühnersuppe schon, wenn ich durch die Tür gehe.»

dpa

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker