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"Rhythm is it!": Philharmonische Tanzstunden

Der Dokumentarfilm bezeugt ein einzigartiges, erfolgreiches Experiment: 250 Schüler erarbeiten mit dem Stardirigenten Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern ein berühmtes Ballett.

Es ist der erste Film über die Berliner Philharmoniker. Dokumentiert wird, wie das Starensemble unter Leitung von Sir Simon Rattle zusammen mit 250 Berliner Kindern und Jugendlichen Igor Strawinskys berühmtes Ballett "Le Sacre du Printemps" erarbeitet. Herausgekommen ist nicht nur ein Musikfilm in bestechender Tonqualität, sondern ein brillantes Porträt über Rattle und Jugendliche. "Rhythm is it!" nannten die Regisseure Thomas Grube und Enrique Sanchez Lanz ihr Werk, das bereits auf der Berlinale im Februar eine umjubelte Premiere erlebte.

Rattle bestaunte die Tanzkünste

"Das ist ja völlig unglaublich", flüstert Rattle dem Choreografen Royston Maldoom ins Ohr, nachdem er bei der Generalprobe die Tanzkünste der Schüler bestaunt hatte. Schließlich hatten die meisten von ihnen vor den Proben mit klassischer Musik und Tanzen nichts am Hut. Innerhalb von weniger als drei Monaten studierten die aus 25 Nationen stammenden Schüler im Alter von acht bis 20 Jahren das Ballett ein. Im Februar 2003 gab es dann den Höhepunkt mit der Aufführung in der Arena im Berliner Stadtteil Treptow.

Wie lang der Weg bis dahin ist, wird anhand von Aufnahmen der mühseligen Probenarbeit von Beginn an dokumentiert. Da sind Pubertierende, die das Tanzen nur komisch finden und darüber lachen. Nach und nach werden sie jedoch von den anderen ausgegrenzt, die mit Ernst und Spaß an die Herausforderung herangehen. Gezeigt wird: Die Jugendlichen werden häufig unterschätzt, sie wollen gefordert und gefördert werden.

"Wir können auf jeden Fall mehr leisten"

Eine Hauptschullehrerin sagt: "Die Schüler sind an ihrer Grenze angelangt." Eine Schülerin sagt: "Wir können auf jeden Fall mehr leisten." Denn: Das Tanzen gibt eine Aufgabe, die fordert und das Selbstbewusstsein wachsen lässt. Und da kann dann sogar akzeptiert werden, dass eine Autorität wie der Choreograf absolute Disziplin einfordert.

Der Film zeichnet aber auch ein Bild Rattles. Die Energie, die er bei der Probenarbeit mit seinen Philharmonikern ausstrahlt, die Intensität, mit der er das Äußerste aus seinen Musikern herausholt, wird auch im Kino spürbar. Er ist trotz allem Künstlertum einer, der sich nicht zu schade ist, auch mit Laien zusammenzuarbeiten. Und er denkt an die Zukunft: "Die Künste müssen die kommenden Jahre um ihre Existenz kämpfen, und wir müssen die Menschen daran erinnern, dass Kultur kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit zum Leben, die man braucht wie Luft zum Atmen."

Holger Mehlig/AP / AP