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Bundesvision Song Contest 2013: Bosse holt sich den Sieg - so oder so

Die Tanzstunden haben sich ausgezahlt. Bosse aus Niedersachsen gewinnt mit "So oder so" den Bundesvision Song Contest 2013. Die Konkurrenz hat trotz Brautkleid, Bart und Blinkanzug keine Chance.

Von Katharina Gipp

Bundesvision Song Contest: So klingt Bosses Siegersong "So oder so"

In Begleitung von ein paar Tänzerinnen stakst Bosse über die Bühne. Seine Bewegungen sind rhythmisch, wenn auch etwas unbeholfen. Für seinen Auftritt beim Bundesvision Song Contest hat er extra Tanzstunden genommen. Jetzt wirkt alles ein wenig zu einstudiert.

Trotz des vollen Körpereinsatzes singt der 33-jährige Niedersachse seinen Song "So oder so" sehr gefühlvoll und lächelt dabei unentwegt ins Publikum. Er ist nicht der Mann für den großen, exzentrischen Auftritt. Das erledigen andere für ihn.

An diesem Donnerstagabend geht der Bundesvision Song Contest in seine neunte Runde. Als nationales Pendant zum Grand Prix d’Eurovision de la Chanson bietet der Wettbewerb seit 2005 Musikern aus ganz Deutschland eine Plattform. Unabhängig von ihrem Bekanntheitsgrad können sich auch Newcomer mit den großen Fischen der deutschen Musikindustrie messen. Dabei setzen einige Teilnehmer nicht nur auf ihr musikalisches Talent.

Provokation ist alles

Guaia Guaia treten für Mecklenburg-Vorpommern an. Das Duo beginnt seinen Auftritt mit dem Ausruf "Wir freuen uns, euch heute Abend ins Gehirn scheißen zu dürfen". Dann singen sie über den Plan "Terrorist" zu werden. Nach Geschimpfe auf das System wird halbherzig ein bisschen Bühnendeko demoliert.

Auch The Toten Crackhuren im Kofferraum ziehen alle Register – tragen sie die Provokation schon in ihrem Bandnamen. In "Ich brauche keine Wohnung" kreischt die achtköpfige Girly-Kombo in alter Tic-Tac-Toe-Manier Sätze wie "Ich leg mich mit dem Schutzmann an" oder "Ich brech alle Regeln, sonst kann ich nicht glücklich sein". Gesanglich ist die Darbietung keine Offenbarung, aber dennoch unterhaltsam. Vor allem weil die Damen so viel Arbeit in ihr crackhuriges Bühnenoutfit gesteckt haben.

Im Laufe des Abends laufen noch ein paar andere absonderliche Gestalten über die Bühne: eine Band in blinkenden Anzügen, eine Braut mit Brusthaaren, eine goldlockige Bayerin, die gerne einen auf Miley Cyrus machen möchte, sich aber nicht traut. Und das, obwohl im Publikum ausreichend überdimensionierte Schaumstoffhände geschwungen werden.

Auf Xavier Naidoo folgt Max Herre

Ganz ohne prominentere Zugpferde mit einschlägigen Charterfolgen und etwas größeren Fanlagern kommt die Show dann aber doch nicht aus. Nach dem Erfolg von Xavier Naidoo und Kool Savas im vergangenen Jahr geht nun Max Herre für Baden-Württemberg ins Rennen. Während er in erster Reihe von seinem "Heimweh nach der Fremde" rappt, schmettert Sophie Hunger im Refrain einen Gruß ans Universum.

Und auch Youtube-Berühmtheit MC Fitti darf nicht fehlen. Der Berliner Rapper macht aus seinem Auftritt eine riesen Party – und feiert dabei vor allem sich selbst. Zu seinem Song "MC Fitti mit'm Bart" rieselt Konfetti, es gibt "Berlin"-Geschrei und Videoprojektionen auf die Anzüge von MC Fitti und seinem Gefolge.

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Zeitschinden leichtgemacht

Um 22.30 Uhr schließlich haben alle Musiker ihre Darbietungen hinter sich gebracht. Stefan Raab und seine Co-Moderatorin Sandra Rieß, die vorher höchstens durch langweilige und geistlose Zwischenkommentare und Überleitungen aufgefallen sind, haben ihren großen Auftritt: Sie dürfen für ProSieben Zeit schinden. Schließlich soll die Sendung bis Mitternacht laufen.

Also werden die Regeln für das SMS- und Telefon-Voting in so ziemlich allen erdenklichen Wahlkombinationen erklärt, ein Autogewinn angepriesen, der Teilnehmer-Schnelldurchlauf immer wieder gestartet. Als dann schließlich der Gong für das Ende des Votings ertönt, wird noch ein Werbeblock von über zehn Minuten eingeschoben.

Dann - endlich - werden die Wahlergebnisse verkündet. Es gibt Liveschalten in jedes Bundesland zu übereuphorischen Radiomoderatoren. Wenige Minuten vor Mitternacht steht das Ergebnis fest: Bosse gewinnt den Bundesvision Song Contest 2013. Mit Textzeilen wie "Das Leben beißt, das Leben küsst" und "Aber was Gutes wird passier'n und wenn's gut ist, bleibt's bei dir" konnte er sich gegen seine 15 Kontrahenten durchsetzen. Für den strahlenden Gewinner gibt es ein Küsschen von MC Fitti. Der landet auf dem dritten Platz.

Platz zwei geht an den Hamburger Johannes Oerding – mit seinem "Nichts geht mehr" auch einer von der nachdenklichen Sorte. Max Herre hingegen landet mit Platz acht im Mittelfeld.