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"Bundesvision Song Contest" Klaas holt den Lichtenhagen-Nazi auf die Bühne

Klaas Heufer-Umlauf
Klaas Heufer-Umlauf mit seiner Band Gloria beim Bundesvision Song Contest
© Screenshot ProSieben
Anfang der Woche zeigte Klaas Heufer-Umlauf in einem Video Flagge gegen Rassismus. Beim Bundesvision Song Contest legte er mit seiner Band Gloria nach: Er erinnerte an den berühmten Lichtenhagen-Nazi mit bepisster Hose.

Für den Sieg hat es dann doch nicht gereicht: Beim Bundesvision Song Contest landete Klaas Heufer-Umlauf mit seiner Band Gloria am Samstag nur auf dem neunten Platz. Dafür darf der Entertainer für sich reklamieren, den lustigsten Auftritt des Abends hingelegt zu haben. Und gleichzeitig einen politisch relevanten.

Bei Raabs Gesangswettbewerb traten Heufer-Umlauf und sein Partner Mark Tavassol mit ihrem gemeinsamen Projekt Gloria an und gaben den Song "Geister" zum Besten. Zunächst blieb der Bühnenhintergrund im Dunkeln, doch nach zwei Minuten gingen die Scheinwerfer an, und sechs Blasmusiker kamen ins Bild. 

Die waren jedoch alles andere als gewöhnlich gekleidet: Sie waren im Outfit des legendären Lichtenhagen-Nazis erschienen: Im 1990er-Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft und mit eingenässter Jogging-Hose. Der Rostocker Harald Ewert wurde in genau dieser Kleidung im August 1992 vor dem brennenden Plattenbau in Rostock-Lichtenhagen abgelichtet, wo er gegen die darin untergebrachten Asylbewerber protestierte. Als der Fotograf Martin Langer den Auslöser drückte, erhob er gerade den Arm zum Hitler-Gruß. Das Foto ist seither zur Ikone für die Rückständigkeit und Primitivität der rechten Szene geworden.

Lichtenhagen-Nazi
Vor 23 Jahren wurde im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen bei fremdenfeindlichen Krawallen ein Ausländerwohnheim angezündet. Damals entstand das Foto von Harald Ewert, der mit eingenässter Hose den Hitlergruß macht.
© Jens Bittner/DPA

Zeichen gegen ewig gestrige Nazis

Dass Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol in einer Zeit daran erinnern, in der in Deutschland erneut der rechte Mob auf die Straßen geht und gegen Flüchtlinge protestiert, ist deswegen durchaus auch als politische Botschaft zu deuten: Ihr wart gestern armselig und dumpf - und Ihr seid es immer noch!

Es war nicht das einzige Statement gegen Fremdenfeindlichkeit an dem Abend: Die Donots kündigten ihren Beitrag "Dann ohne mich" als "Fuck You!" an "die so genannten besorgten Bürger und rechtsradikalen Wichser" an. Textlich ist der Song eine klare Absage an Rassismus und Nationalstolz. Auch Ferris MC und die Band Madsen zeigten Flagge - sie trugen "Refugees Welcome"-T-Shirts.

che

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