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"Sag, dass du mich liebst" im Kino: Nur sich selbst kann Mélina nicht helfen

Im Radio ist sie ein Star, doch privat epressiv: Mélina, die Hauptfigur aus dem einfühlsamen Film "Sag, dass du mich liebst". Regisseur Pinaud gelingt der Spagat zwischen Drama und Komödie.

Sie gibt anderen Ratschläge. Nur sich selbst weiß sie nicht zu helfen: Mélina ist Radiomoderatorin in Paris. Allabendlich geht sie auf Sendung und gibt Tipps, was bei Beziehungskrisen und sexuellen Problemen zu tun ist. Sie ist gut gelaunt und humorvoll. Doch nur solange das Mikrofon an ist. Privat verwandelt sich die charmante Radio-Vertraute in eine freudlose, depressive Frau, die in ihrer schicken Dachwohnung völlig zurückgezogen lebt.

Mit seinem Erstlingsfilm "Sag, dass du mich liebst", zeichnet der Franzose Pierre Pinaud das einfühlsame Porträt einer Frau, die auf der Suche nach ihrer Mutter sich selbst findet. Es ist der erste Langfilm des französischen Regisseurs und Drehbuchautors, der nicht zuletzt von dem hervorragenden Spiel der Hauptdarstellerin Karin Viard ("Delicatessen") lebt.

Mehr als nur eine Karikatur

Claire, wie die bekannteste Radiostimme Frankreichs im zivilen Leben heißt, könnte ein glückliches Leben führen, wäre nicht ihre Vergangenheit. Sie hat ihre Kindheit im Heim verbracht. Unter den wenigen Erinnerungen, die sie wie einen Schatz aufbewahrt, befindet sich die Abschieds-Postkarte ihrer Mutter, die sie stundenlang eingeschlossen in einem Schrank anstarrt.

Da Neurosen immer auch Ersatz für das eigentliche Leiden sind, hat Claire mittlerweile viele Macken entwickelt. Sie ist fanatisch ordnungsliebend und hat einen Schuh-Tick. Fremde Sachen fasst sie nur mit Handschuhen an und nur ihr Hund darf sich ihr nähern. Alles ändert sich jedoch schlagartig, als sie erfährt, dass ihre Mutter lebt.

Mit "Sag, dass du mich liebst" hat Pinaud einen Film gedreht, der zwischen Neurosenkomödie und Drama schwankt. Von einigen überflüssigen Slapsticks abgesehen, die Claire zu einer Karikatur degradieren, ist dem Regisseur jedoch ein respektvolles Porträt einer traumatisierten Frau gelungen.

Sabine Glaubitz, DPA / DPA
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