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Zehn Jahre nach Erstausstrahlung: "Breaking Bad"-Macher verrät: Diese Hauptfigur sollte eigentlich ganz früh sterben

"Breaking Bad" ist für viele Menschen eine der besten Serien aller Zeiten. Vor zehn Jahren wurde die erste Episode ausgestrahlt. In einem großen Interview verrieten die Serienmacher und Schauspieler nun einige bislang unbekannte Fakten. So sollte die Serie eigentlich ganz woanders spielen - und eine Figur sehr früh sterben.

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Wer hätte gedacht, dass Millionen Menschen Freude daran haben, einen Mann scheitern zu sehen. Dass sie sehen wollen, wie jemand in den Drogensumpf abrutscht und sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Wie er andere belügt, selbst seinen behinderten Sohn, nur um die eigene Haut zu retten. Aber genau das macht die Faszination der US-Serie "Breaking Bad" aus. Sie ist das Porträt eines durchschnittlichen Amerikaners, der alles verliert und als einzigen Ausweg die Kriminalität sieht.

Doch nicht nur der Wandel des Walter White vom spießigen Vorstadt-Lehrer zum wahnwitzigen Drogen-Genie ist eine der faszinierendsten Geschichten der letzten Jahre. Sondern auch die Geschichte der Serie an sich. Denn als vor knapp zehn Jahren am 20. Januar 2008 die erste Folge von "Breaking Bad" ausgestrahlt wurde, ahnte niemand, dass die TV-Geschichte gerade ein neues Kapitel schreibt. Es war der Beginn einer "goldenen Ära des Fernsehens", wie das US-Magazin "Esquire" in einem großen Feature anlässlich des Jahrestags schreibt.

"Breaking Bad" änderte die Sehgewohnheiten

Bryan Cranston, der Hauptdarsteller der Serie, sah den Erfolg der Serie in der Veränderung des Walter White: "Ich wusste, dass Vince Gilligan etwas machen wollte, was es im Fernsehen so noch nie zuvor gegeben hatte - einen Charakter von Anfang bis zum Ende komplett zu drehen", sagte er "Esquire". "Im Fernsehen ging es immer um Stillstand, um Charaktere, auf die man sich verlassen konnte. Die man gut kennt, und die man im Großen und Ganzen schätzt. Und er war dabei, den Spieß umzudrehen."

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Dennoch war allen Beteiligten klar, dass die Serie auch ein Flop werden könnte. Betsy Brandt, die Marie Schrader spielt, sagt: "Wenn du für eine Serie unterschreibst, in der ein Highschool-Lehrer am Ende Meth kocht, gehst du nicht raus und kaufst dir ein neues Haus." Doch nachdem sie das Skript gelesen hat, war ihr klar: "Das ist meine Serie, und ich werde jede Rolle spielen, die sie mir geben."

Ein Fan-Liebling sollte ursprünglich am Anfang sterben

In dem Artikel plaudern die "Breaking Bad"-Macher auch einige bislang nicht bekannte Anekdoten aus. So verriet Produzentin Melissa Bernstein, dass die Serie ursprünglich in Kalifornien spielen sollte. Man habe sich aus Kostengründen aber für New Mexico entschieden - und dabei einen guten Riecher bewiesen. Viele Fans können sich nicht mehr vorstellen, dass die Serie an einem anderen Ort als Albuquerque spielen könnte.

Aaron Paul, der Jesse Pinkman spielte, hat einen weiteren Hammer parat: "Ich erinnere mich, das Skript für eine der letzten Folgen der ersten Staffel gelesen zu haben, die aber nie gedreht wurden. Es sollte so viel Zeug in der Episode passieren, von dem ich froh bin, das es nie gemacht wurde. Es gab den Tod einer Hauptfigur, und beim Lesen sprang ich aus dem Sitz und sagte 'Nein, auf keinen Fall!'."

Dabei handelte es sich um niemand Geringeren als Fan-Liebling Hank, verriet Vince Gilligan. "Ich hatte ursprünglich vor, Jesse zu töten. Ich habe meine Meinung aber schnell geändert, als ich merkte, wie großartig Aaron Paul war." Natürlich spielte auch Dean Norris (der Darsteller von Hank) großartig, "aber ich dachte, ich musste am Ende der ersten Staffel eine Hauptfigur opfern, weil das die mutigen Shows nun mal so machen." Durch den damals heiß brennenden Autorenstreik in Hollywood musste die erste Staffel aber von neun auf sieben Episoden gekürzt werden. Hank blieb so am Leben und lieferte sich noch mehrere Staffeln ein Duell mit seinem Schwager.

Jason Bateman und Laura Linney in "Ozark"

Die Sache mit der Fliege

"Breaking Bad" war nicht von Anfang an ein Hit. Die Serie flog lange unter dem Radar des Massenpublikums, auch viele Kritiker wurden erst mit den Emmy-Nominierungen darauf aufmerksam. Doch die Einschaltquoten legten beständig zu, entgegen dem üblichen Trend, bei dem Serien im Laufe der Zeit ihr Publikum verlieren.

Der große Boom kam jedoch erst 2011, als AMC "Breaking Bad" für Netflix freigab. "Es war eine der ersten Serien, die Menschen am Stück geschaut haben (Bingewatching), weil die ersten drei Staffeln alle gleichzeitig auf Netflix kamen", sagt Aaron Paul. "Ich glaube, erst dann nahm es richtig Fahrt auf." Vince Gilligan formuliert es deftiger: "Der Boom von Streamingdiensten wie Netflix hat uns den Arsch gerettet."

Denn zuvor hatte das Team nur ein geringes Budget. Gilligan stand unter gewaltigem Kostenspardruck seitens Sony. Das beste Beispiel dafür sei die Produktion der Episode "Die Fliege" (Staffel drei, Folge 10): "Wir hatten das Budget bereits um Millionen überzogen und mussten uns etwas einfallen lassen. In so einer Situation hat es sich bewährt, eine ganze Episode an nur einem Ort zu drehen, in diesem Fall dem Labor. Aus der wirtschaftlichen Not entstand eine der polarisierendsten Episoden überhaupt, sie ist einer meiner Favoriten."

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Walter White, das geliebte Ekel

Die Macher lernten auch viel über ihr Publikum. Walter White wird anfangs als sympathische Person aufgebaut, doch mit jeder Episode wird er rücksichtloser und verachtenswerter. "Einige Menschen bleiben bis zum Schluss an meiner Seite", sagt Bryan Cranston. Die meisten hätten die Sympathien irgendwann verloren und mit einer anderen Figur mitgefiebert, etwa Jesse. "Wir haben mit der Sendung immer ausgereizt, wie weit wir beim Publikum gehen können."

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Auch Produzentin Melissa Bernstein war überrascht, wie lange die Zuschauer Walter die Treue hielten: "In jeder Staffel gab es Momente, in denen man neu überprüfen musste, wie man zu Walter steht, nachdem er schreckliche, unmoralische Dinge getan hat, er verletzte Menschen und schließlich tötete er sogar. Trotzdem konnten die Zuschauer nicht loslassen und fanden alle möglichen Gründen, seine Taten zu rechtfertigen. "

Wie beendet man ein Meisterwerk?

Jede Serie ist nur so gut wie ihr Finale, davon können Fans von "Dexter", "True Blood", "Alf" oder "How i Met Your Mother" ein Lied singen. Dementsprechend hoch lagen die Erwartungen an "Breaking Bad". "Ich glaube, die Drehbuchschreiber und ich haben nie wieder in unserem Leben so gelitten wie beim Finale", sagt Vince Gilligan. "Uns fiel ein Stein vom Herzen, als wir eines Tages realisierten: Das muss kein Happy End werden. Im Rückblick scheint das offensichtlich, aber wir mussten nur das Ende schreiben, das uns zufriedenstellt, auch wenn es kein glückliches Ende ist." Das Ende kam bei den Fans gut an, auch wenn es abzusehen war. Doch das sei kein Drama, findet Gilligan. "Manchmal ist die größte Überraschung, dass es keine gibt."