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Neues Videospiel Deathloop im Test: Sterben war noch nie so schön

Und du bist tot. Das Sterben gehört bei "Deathloop" zum Spielprinzip – und kann auch nützlich sein
Und du bist tot. Das Sterben gehört bei "Deathloop" zum Spielprinzip – und kann auch nützlich sein
In Deathloop grüßt nicht das Murmeltier in der Kleinstadt, sondern eine waffenstrotzende Horde Maskierter auf einer mysteriösen Insel. Das Ziel ist das gleiche wie im Kultfilm: entkommen. Das Ergebnis ist eine der spannendsten Spieleerfahrungen der letzten Jahre.

Zur falschen Zeit am falschen. Ort – so fühlt sich die Hauptfigur, als sie an einem verlassenen Strand aufwacht. Die letzte Erinnerung: Wie sie von einer Frau brutal mit einer Machete ermordet wurde. Dass dahinter gar kein Traum steckt, sondern eine Zeitschleife des immer gleichen Tages, das finden Hauptfigur Colt und mit ihr der Spieler sehr schnell heraus. Doch was steckt hinter der Insel voller Maskierter, die Colt gnadenlos jagen? Und wie kann er entkommen? Das zu beantworten, ist das Ziel des großartigen neuen Action-Mystery-Games "Deathloop".

Die an sich bekannte Idee des Zeitloops wird darin geschickt umgedreht: Statt die Hauptfigur zum einzigen Wissenden in einer sich wiederholenden Welt zu machen, wie es etwa die Neunziger-Komödie "und täglich grüßt das Murmeltier" so großartig tat, dreht "Deathloop" das Prinzip um: Alle wissen Bescheid - nur Hauptfigur und Spieler müssen erst langsam herausfinden, was zur Hölle es mit der Insel Blackreef und dem Zeitloop auf sich hat. Und wie man ihm endlich entkommen kann.

Die im Kampf und außerhalb nützlichen Superkräfte müssen erst verdient werden
Die im Kampf und außerhalb nützlichen Superkräfte müssen erst verdient werden
© Bethesda / PR

Wo - und vor allem wann?

Trotz der ungewöhnlichen Spielidee fühlen sich Gameplay und Optik schnell vertraut an. Das verwundert nicht: Entwickler Arcane Studios ist für Spiele wie die "Dishonored"-Serie und "Bioshock 2" bekannt, wer die Spiele gezockt hat, fühlt sich schnell zuhause. Um der Übermacht Herr zu werden, schleicht, schießt und hackt sich Spieler mit einem Arsenal von Waffen, Werkzeugen und erspielbaren Super-Fähigkeiten durch die Level, um immer neue Hinweise zu finden, was eigentlich um ihn herum eigentlich passiert.

Dabei spielt der Zeitloop eine entscheidende Rolle. Jedes der vier Spielgebiete, wie die Stadt Updaam oder ein verschneiter Militärkomplex, können zu verschiedenen Tageszeiten besucht werden - mit teils völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Auf dem Morgens leeren Platz können sich Abends Menschentrauben aufhalten, das Waffendepot wird im Laufe des Tages geräumt. Und das am Morgen auffindbare Clipboard mit dem Passwort für den Safe kann nachmittags schon wieder verschwunden sein. Und mit ihm der wertvolle Inhalt desselbigen. Als Spieler muss man also genau überlegen, welchen Teil man wann besucht. 

Je nach Tageszeit stellen sich die Level höchst unterschiedlich dar
Je nach Tageszeit stellen sich die Level höchst unterschiedlich dar
© Screenshot / stern-online

Nach dem Tod kommt ein neuer Morgen

Auch der Tod verliert durch die Zeitschleife seinen Schrecken, zumindest ein bisschen: Um einen Zeitabschnitt abzuschließen, darf man nicht mehr als zweimal das Zeitliche segnen - sonst fängt der Tag wieder von vorne an. Zumindest am Anfang bedeutet das auch, dass man die ganzen tollen Waffen und Verbesserungen wieder verliert. Nur das Wissen um Geheimnisse und manche Passwörter darf man zunächst behalten. Erst später lernt man Möglichkeiten kennen, die besten Waffen und Erweiterungen vielleicht doch noch behalten zu dürfen. 

Das sorgt für eine faszinierende Spiele-Erfahrung: Mit immer neuem Wissen ausgerüstet, öffnen sich in den Leveln immer mehr verschlossene Türen, die dann wieder neue Geheimnisse preisgeben. Wer gerne durch Level streicht, um Geheimnisse zu finden, wird immer wieder neue entdecken. Weil man nur begrenzt sterben darf, bleiben auch die zahlreichen Kämpfe spannend. Durch die neu entdeckten Hinweise fühlen sich auch gescheiterte Loops trotzdem selten als verschwendet an. Und sei es nur, dass man die Level gut genug kennenlernt, um die Gegner beim nächsten Mal einfach geschickt vermeiden zu können. Um das Spiel zu gewinnen, muss dem Spieler am Ende der perfekte Loop gelingen. Was das genau bedeutet und welche Geheimnisse ihn davon abhalten, sei hier nicht verraten. Einfach ist es aber nicht.

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Reicht das nicht an Spannung aus, schaltet man einfach das Online-Spiel ein. Dann wird das eigene Spiel plötzlich zum Spielfeld für andere - und man selbst zum Ziel. In der Rolle der Spielfigur Julianna können dann andere Spieler ins eigene Spiel eindringen. Ihr Ziel: Colt zu töten. Weil der weiter mit den gewöhnlichen Gegnern alle Hände voll zu tun hat, steigt die Herausforderung erheblich. Vor allem, wenn man später sehr gut ausgestattet durch die Standard-Gegner nur noch wenig Gefahr fürchten muss, kann das die Spannung hoch halten. Oder man schaltet den Online-Modus eben ab, dann erscheint zwar weiter Julianna, die Computer-gesteuerte Version ist aber weniger kreativ als die menschlichen Gegner.

Der Frontalangriff ist selten eine gute Idee
Der Frontalangriff ist selten eine gute Idee
© Screenshot / stern-online

Komplex, aber frisch

Wenn das nun sehr kompliziert wirkt: Das ist es durchaus auch. Allerdings gibt sich der Entwickler sehr viel Mühe, die Abläufe, Mechaniken und Ideen dahinter zu erklären. Sie werden langsam eingeführt, in den Menüs werden immer wieder Hinweise eingeblendet, die dabei helfen, die zunehmende Komplexität zu erklären. Mit kleinen Hilfen, wie dem automatischen Einfügen bereits entdeckter Passwörter, wird zudem dafür gesorgt, dass die Flut an Hinweisen nicht überfordert. Weil das Gameplay selbst grundsätzlich bekannt ist, wirkt die Komplexität aber eher als willkommene Abwechslung und Bereicherung, denn als Hürde.

Die Vertrautheit liegt auch darin, dass Deathloop erfolgreich beliebte Genres und Spielprinzipien mixt. Optisch, beim sehr offenen und detailverliebten Leveldesign und vom gelungenen Gameplay erinnert es stark an die "Dishonored"-Serie, das Zurücksetzen an den Anfang kennt man von Rogue-likes, der auf Invasionen beruhende Multiplayer-Mechanik und das später mögliche Retten von Ressourcen von der eigenen Leiche sind klar von "Dark Souls" und Co. inspiriert. Und die Idee, zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten sein zu müssen, hatte schon "Legend of Zelda: Majoras Mask" vor über 20 Jahren wunderbar umgesetzt. Das alles zu einer sehr runden, spaßigen und trotzdem fordernden Mischung zu vereinen, ist aber tatsächlich eine Leistung.

Der Look erinnert an Science-Fiction aus den 70er Jahren
Der Look erinnert an Science-Fiction aus den 70er Jahren
© Bethesda / PR

Fazit: Ambitioniert und sehr gelungen

Mit der Formel der frei erkundbaren Zeitschleife hat Arcane ein sehr spannendes, aber auch sehr kompliziertes Spiel auf die Beine gestellt, das gekonnt verschiedenste Genres zu einem sehr gelungenen Cocktail zusammen mischt. Dabei hilft, dass die bekannten Elemente wie Schleichen und Schießen toll umgesetzt wurden, das Weltdesign mit viel Liebe zum Detail begeistert und zum Erkunden einlädt - und das immer wieder. 

Für jeden ist "Deathloop" aber trotzdem nicht geeignet. Zum einen, weil der Gewaltgrad wirklich hoch ist – die USK-Bewertung "Ab 18" hat der Titel nicht zu Unrecht. Zum anderen aber, weil das komplexe Spielprinzip, das bei uns für Begeisterung sorgte, andere eher abschrecken dürfte. Wer nur nur unkompliziert an wechselnden Schauplätzen herumballern will, wird an "Deathloop" wenig Freude haben. Aber es gibt ja auch genug andere Alternativen.

Deathloop

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