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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Und ewig grüßt der Euro-Austritt

Die Griechen werden den Euro nicht verlassen. Weder Griechen, Deutsche noch der Rest von Europa hätten davon einen Vorteil.

Von Andreas Hoffmann

Sollen die Griechen die Eurozone verlassen? Die Diskussion wird nicht zum ersten Mal geführt.

Sollen die Griechen die Eurozone verlassen? Die Diskussion wird nicht zum ersten Mal geführt.

Es ist wie in diesem Hollywoodfilm über das Murmeltier, als Bill Murray in der Rolle eines TV-Wetteransagers ständig den gleichen Tag erlebt. Immer wacht er um die gleiche Zeit auf, immer hört die gleiche Musik im Radio, immer fallen die gleichen Dialoge. Er steckt in einer Zeitfalle.

Deutschland steckt auch in einer Zeitfalle. Seit Jahren erleben wir die gleiche Debatte: Sollen die Griechen die Euro-Zone verlassen oder nicht? Sollen sie nicht allein klar kommen, statt ständig neue Hilfen zu bekommen? Wäre ein Ende mit Schrecken nicht besser als ein Schrecken ohne Ende?

Diese Debatte ist Quatsch. Griechenland wird niemals den Euro verlassen, jedenfalls nicht, wenn die Politiker in Athen und in Deutschland halbwegs bei Verstand sind.

Ein Austritt Griechenlands ist Quatsch

Was? Die Kanzlerin und ihr Finanzminister liebäugeln doch mit einem Austritt, die Folgen für Europa wären längst nicht so schrecklich wie früher, sagen manche Experten. Es gebe Rettungsinstrumente und eine schlagkräftige Europäische Zentralbank.

Nein, es bleibt dabei. Ein Austritt Griechenlands ist Quatsch. Er nützt keinem. Politik ist die Kunst des Interessensausgleiches. Welche Ziel habe ich, welches der andere, was kann ich durchsetzen, worauf muss ich verzichten. Es geht um Abwägen und Kompromisse. Aber ein Austritt Griechenlands hilft weder den Deutschen, weder den Europäern und schon gar nicht den Griechen.

Die Griechen brauchen Geld

Nehmen wir die Griechen. Sie brauchen Geld und zuletzt bekamen sie es vor allem von der Europäische Union und dem Internationalen Währungsfond (IWF). Private Investoren wie Banken, Versicherer oder Pensionsfonds meiden das Land oder verlangen horrende Zinsen. Sollte Griechenland seinen Schuldendienst einstellen, bekäme es überhaupt kein Geld mehr, weder von der EU, dem IWF oder privaten Investoren. Wer investiert schon, wenn er weiß, dass sein Geld verloren ist. Ein Austritt aus dem Euro wäre ein Eintritt in die Pleite. Athen müsste weiter Renten überweisen und Löhne zahlen, könnte aber nur mit selbst gedruckten Drachmen zahlen, die keiner ernst nimmt. Athen würde dazu auf einem Haufen Auslandsschulden sitzen, von dem die Regierung nicht weiß, wie sie ihn abstottern soll.

Angela Merkel kann ebenfalls kein Interesse an einem Austritt haben. Ein Großteil der Griechenlandhilfen von 240 Milliarden Euro wäre futsch, allein die Deutschen müssten mindestens 40, 50 Milliarden Euro abschreiben. Noch schlimmer wäre die politische Niederlage. Merkel müsste eingestehen, dass die vielen Hilfen umsonst waren und die Kritiker von der Alternative für Deutschland Recht hatten. Warum soll die clevere Machttaktikerin Merkel ein solches Ziel anstreben?

Ein Austritt nutzt keinem, schadet aber allen

Und Europa? Der Kontinent hätte sich völlig blamiert, sagen deren Politiker doch seit Jahren: Der Euro ist unwiderruflich. Doch ein Austritt würde das Gegenteil beweisen, und wer weiß denn, ob nicht bald die Portugiesen, Spanier oder Italiener den Griechen folgen. Am Ende würde der Euro abgewickelt, Europas Stimme nicht mehr gehört.

Nein, an einem Austritt Griechenlands hat keiner ein Interesse. Er nutzt keinen, schadet aber allen. Dass die Debatte dennoch entflammt, hat einen anderen Grund. Angela Merkel will vor der griechischen Neuwahl Ende Januar die Folterwerkzeuge zeigen. Auch die nächste, mutmaßlich linke, griechische Regierung soll wissen: Ihr müsst Euch an Regeln halten, ihr könnt nicht machen, was ihr wollt.

Nach der Wahl werden sie wieder verhandeln, die Griechen mit dem Rest von Europa. Es wird um weitere Hilfen, um Auflagen und Zugeständnisse gehen. Dann heißt es wieder: "Und ewig grüßt der Euro-Austritt".

Andreas Hoffmann hat den Film „Und ewig grüßt das Murmeltier bestimmt fünfmal gesehen und mag ihn immer noch. Er twittert unter AndreasHoffman8.