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"Sharknado" von The Asylum: Sie lassen Haie vom Himmel regnen

Haie fliegen in einem Tornado und beißen Menschen. Klingt dumm? Kann sein, aber die USA sind elektrisiert vom Film "Sharknado" und machen die Macher mit ihren grottenschlechten Filmen zu Millionären.

Von Christoph Fröhlich

Killerpudel, blutrünstige Getränkeautomaten, Frankenfische, Riesen-Alligatoren, Nuklearmutanten-Eichhörnchen - ein Horrorfilmfan, der ab und zu auch die hintersten Ecken der örtlichen Videothek durchstöbert, könnte meinen, bereits alles gesehen zu haben. Wer nur tief genug auf dem DVD-Grabbeltisch wühlt, kann selbst Filme mit menschenfressenden Killernacktschnecken entdecken. Dass das Ende der Trash-Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht ist, zeigte der US-Fernsehsender Syfy am Donnerstagabend mit dem Film "Sharknado", bei dem der Titel im Grunde die gesamte Geschichte erzählt. Es geht um einen Wirbelsturm voller blutrünstiger Haie, der auf feiernde Bikini-Girls und Barkeeper mit Granit-Bauchmuskeln trifft. Klingt dumm? Ist es auch. Und genau deshalb wird der Film schon jetzt von Fans des Trashfilm-Genres geliebt.

Angriff auf den guten Geschmack

Der Film stammt vom Studio "The Asylum", das es perfektioniert hat, aus schlechten Originalfilmen noch schlechtere Remakes zu machen. Mal lassen sie riesige Haie gegen Mega-Kraken antreten, dann greifen schlecht geschminkte Zombiehorden die Menschheit an. Sie schrecken nicht einmal davor zurück, die Titanic wiederauferstehen zu lassen ("Titanic 2 - Die Rückkehr"). Die Devise des Studios ist klar: Egal wie gut das Original ist, mit Monstern ist es garantiert noch besser. Denn was ist noch eindrucksvoller als ein Wirbelsturm? Natürlich ein Wirbelsturm voller tödlicher Haie.

Die Taktik geht auf: Wurden Trashfilme vor Jahren noch belächelt, sind Killertomaten und Monsterfrösche mittlerweile Publikumsmagneten. Der 3D-Horrorfilm "Piranhas 3D" von Alexandre Aja, in dem riesige Monsterfische knapp bekleidete Teenager auffressen, spülte weltweit 83 Millionen US-Dollar in die Kinokassen. Auch das neueste Werk scheint den Fans gefallen zu haben: Im Kurznachrichtendienst Twitter sorgte der Film für - Achtung, Wortspiel - starken Wirbel. "Wenn Sharknado keinen Emmy gewinnt, will ich nicht mehr in diesem Land leben", schreibt ein Nutzer. Die billig produzierten Trash-Filme sind endgültig im Mainstream angekommen.

Der Erfolg der Mockbuster

Gegründet wurde The Asylum im Jahr 1997 von David Rimawi und Sherri Strain und dem Regisseur David Michael Latt, der bis zu diesem Zeitpunkt keinen einzigen Film betreute. Alles begann im Jahr 2005 mit dem Film "Krieg der Welten 3 - Wie alles begann", einer Billigversion von Wells' Roman "Krieg der Welten". Kein Zufall: Im selben Jahr erschien eine aufwändig produzierte Version von Steven Spielberg mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Das Billig-Imitat profitierte vom Hype des Originals, allein die US-Videothekenkette "Blockbuster Inc." orderte 100.000 Filme.

Das Trio war auf den Geschmack gekommen. Es folgten Trash-Remakes von Blockbustern (sogenannte Mockbuster) wie "Snakes on a Train" (statt "Snakes on a Plane"), "Transmorphers" (statt "Transformers") oder "100 Million BC" (statt Roland Emmerichs "10.000 BC"). Selbst vor Kopien von Trashperlen macht das Studio nicht Halt: Im vergangenen Jahr kopierte das Studio den Crowdfunding-Film #link;v;"Iron Sky"# und brachte "Nazi Sky – Die Rückkehr des Bösen!" in die Videotheken.

Im Schnitt wirft das Studio zwei Filme pro Monat auf den Markt, die meisten kosten nicht mehr als 200.000 US-Dollar. Ins Kino gelangt selbstverständlich keiner der Filme, alle werden direkt auf DVD vermarktet. Werbung sucht man ebenfalls vergebens, The Asylum setzt voll und ganz auf Mundpropaganda. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch: Laut "Variety" macht das Unternehmen pro Jahr rund fünf Millionen Dollar Gewinn.

Zwölf Tage für einen Film

"Wir machen keinen Film, bis wir wissen, dass wir ihn auch verkauft kriegen", sagte Paul Bales, ein Vertriebspartner von The Asylum, dem Nachrichtensender CNN. "Wenn eine Idee von einem unserer Kunden kommt, haben wir ein gutes Gefühl dabei". Der wohl größte Blockbuster der Firmengeschichte "Mega Shark vs. Giant Octopus" entstand auf diesem Weg.

Ein japanischer Vertriebspartner fragte, ob man nicht einen Film machen könnte, indem ein riesiger Hai gegen einen ebenso großen Kraken kämpft. "Sie gaben uns einen Titel, ein Poster, einen Cast und ein fertiges Filmschema, und dann filmten wir es in zwölf Tagen", sagte Jack Perez, der Regisseur von "Mega Shark vs. Giant Octopus", dem britischen "Guardian". Ist das die Regel oder die Ausnahme? "Oh, das ist jedes Mal so", sagt Bales. "Ich glaube, die besten Filme sind die, bei denen man die Handlung schon am Titel erkennt."

Während aufwändige Hollywood-Blockbuster Hunderte von Millionen Dollar kosten, ist es bei Asylum-Filmen nur ein Bruchteil. "Dein Film kostet 200 Millionen Dollar", scherzt Michael Latt im Gespräch mit dem "Pacific Standard". "Ich mache ihn für 20 Dollar."

Streit um den Hobbit

"99 Prozent unserer Filme kosten weniger als eine Million Dollar", sagt Asylum-Vertriebspartner Bales. Die 200.000-Dollar-Spanne sei für "sexy Komödien und Horrorfilme", nicht einmal 100.000 Dollar kosten Found-Footage-Horrorfilme. Damit sind Filme wie "The Blair Witch Project" oder "Paranormal Activity" gemeint, die aus angeblichen Amateur-Aufnahmen oder Archivbildern bestehen. Ginge es nach Bales, würde es deutlich mehr Sex-Komödien geben, sie kosten fast nichts und bringen ein Vermögen ein. Kostspieliger sind TV-Filme, sie haben ein Budget von bis zu einer Million Dollar - darin enthalten sind sämtliche Spezialeffekte, Gagen (selbst für bekanntere Schauspielerinnen wie Tara Reid, die in "Sharknado" mitspielt) und die gesamte Postproduktion.

Im vergangenen Dezember wollten die Asylum-Produzenten zeitgleich zum Kinostart einen Fake des "Hobbits" in die Videotheken bringen, der "Age of Hobbits" heißt. Das Release wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, weil Warner Bros. das Studio verklagt hatte. Für das Filmtrio ein Rückschlag, doch grundsätzlich hat sich nichts geändert. In den USA ist vergangene Woche der nächste Sommer-Blockbuster gestartet: Guillermo del Toros "Pacific Rim" handelt von riesigen Maschinen, die im Meer gegen ebenso riesige Monster kämpfen. Ein Stoff, wie gemacht für The Asylum. Die Billig-Version "Atlantic Rim" steht bereits in den Startlöchern.

Update: In der ursprünglichen Version des Artikles hieß es, dass Mia Farrow und Philipp Roth ein Foto verbreitet hätten, auf dem sie beide "Sharknado" schauen. Das via Twitter verbreitete Bild war ein Scherz.

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