Aerodynamic Modification Kit (AMK) heißt das Programm, mit dem die Eurofighter – oder Typhoon, wie die Briten ihn nennen – deutlich verbessert werden sollen. Einen entsprechenden Vertrag haben die NATO-Managementagentur NETMA und die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH geschlossen, teilten die beteiligten Firmen mit.
Der Eurofighter ist – wie zuvor schon der Panavia Tornado – ein multinationales Projekt. Damit Neuerungen kompatibel bleiben, wird die Entwicklung von eigens gegründeten Firmen betreut. Für den Tornado ist das die Panavia Aircraft GmbH, für den Eurofighter die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH. Beiden Firmen gemein ist der Standort Hallbergmoos bei München. Von Seiten der NATO vertritt die 1995 gegründete NETMA die Betreiberländer des Eurofighters bei der Produktion sowie der technisch-logistischen Unterstützung.
Kleine Veränderungen mit großer Wirkung
Das Aerodynamic Modification Kit verbessert die Flugeigenschaften des Eurofighters. So wird die Tragflächenwurzel beziehungsweise die Tragflächenvorderkante am Übergang zum Rumpf verlängert – eine kleine Veränderung mit großen Auswirkungen. Bei hohen Anstellwinkeln, etwa im aggressiven Kurvenflug, liegt die Strömung über der Tragfläche länger an, wodurch der Jet enger kurven kann, ohne ins Trudeln zu geraten.
Dazu passend werden die Flügelklappen modifiziert und vergrößert. Diese sogenannten Flaperons sind Querruder und Wölbklappen in einem. Mit dem Querruder "rollt" das Flugzeug um seine Längsachse, mit den Wölbklappen kann die Flügelgeometrie so verändert werden, dass auch bei niedrigen Geschwindigkeiten ausreichend Auftrieb erzeugt wird.
Die dritte Verbesserung betrifft die sogenannten Strakes, kleine Leitflächen am Rumpf oberhalb des Lufteinlasses. Sie werden künftig dreieckig statt rechteckig sein, was sich ebenfalls positiv auf die Luftströmung und damit auf den Auftrieb auswirkt.
Doppelt so schnelle Rollrate
Alle drei Verbesserungen kombiniert lassen den Eurofighter deutlich agiler durch die Kurven jagen. Er kann schneller Richtungswechsel einleiten und enger kurven. Laut Testpilot Raffaele Beltrame habe man in den Testflügen Anstellwinkel fliegen können, die rund 45 Prozent größer gewesen seien als beim Standardflugzeug, sowie Rollraten, die sogar bis zu 100 Prozent höher gelegen hätten.
Beim Eurofighter fliegt der Pilot nicht mehr selbst. Er gibt zwar noch über Steuerknüppel und Seitenruder die Richtungsbefehle ein, umgesetzt werden sie jedoch durch einen mehrfach redundanten Computer, der sämtliche Steuerflächen für die geforderten Flugmanöver optimal aufeinander abstimmt. Ohne den Rechner fiele der Eurofighter Typhoon wie ein Stein vom Himmel. Die baulichen Veränderungen erfordern daher auch eine Anpassung der Programmierung.
Eurofighter-Pläne seit zehn Jahren in der Schublade
Beltrames Testflüge fanden 2014/2015 statt. So lange liegt das AMK bereits in der Schublade der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH. Bisher sahen weder Deutschland, Großbritannien noch Spanien einen Grund für diese Kampfwertsteigerung ihres gemeinsam entwickelten Kampfflugzeugs. Erst der russische Angriff auf die Ukraine und generell verschärfte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen in Europa haben den Druck zur Weiterentwicklung erhöht.
Zweiter Baustein des AMK ist die schnelle Integration künftiger Waffensysteme in den Waffenmix des Eurofighters. Dazu gehören Stand-off-Waffen wie der Taurus sowie künftige Luft-Boden- und Luft-Luft-Waffensysteme, etwa neue Anti-Radar-Raketen oder weiterentwickelte Marschflugkörper.
Ein neues Cockpit für den Typhoon?
Der Eurofighter wurde in den frühen 2000er-Jahren eingeführt und seither kontinuierlich verbessert. Jede neue Version wird als Tranche bezeichnet. So war die Tranche 1 zunächst vor allem auf Luftüberlegenheit ausgelegt; die ersten Muster dieser Tranche stehen bereits im Museum oder als Gate Guard vor den Luftwaffenstützpunkten. Die Tranchen 2 und 3 erhielten modernisierte Avionik, ein besseres Radar und können neben Luftzielen auch Bodenziele angreifen. Aktuell ist die Tranche 4 "Quadriga" für Deutschland in Beschaffung, und mit der geplanten Tranche 5 wird der Eurofighter voraussichtlich auch ein umfangreich modernisiertes Cockpit mit großformatigen Displays bekommen.