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"Shooter": Auf Rambos Spuren

Ein Elitescharfschütze soll ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten verhindern und wird dabei selbst zum Spielball einer politischen Verschwörung. Nach einem schnulzigen Kino-Frühling bringt Hauptdarsteller Mark Wahlberg in "Shooter" den harten Einzelkämpfer in bester Rambo-Manier auf die Leinwand zurück.

Von Felix Disselhoff

Wenn Rambo diesen Film sehen könnte, würde er wahrscheinlich vor Stolz in Tränen ausbrechen: Das ehemalige Unterwäschemodel Mark Wahlberg ("Planet der Affen", "Departed - Unter Feinden") präsentiert sich in Antoine Fuquas neuem Actionfilm so, wie es sich für einen anständigen Actionheld gehört: Grimmig, wortkarg und zu allem bereit.

So prescht die Story auch von Minute eins nach vorn. Der Elitescharfschütze Bob Lee Swagger (Mark Wahlberg) verliert bei einem Einsatz in Äthiopien seinen besten Freund und wird von seiner Einheit im Stich gelassen. Sein von Ehre geprägtes Wertegerüst bricht zusammen. Auch hier hat er viel mit dem Urvater des modernen Actionfilms gemein. Beide sind perfekt ausgebildete Kampfmaschinen und die Besten auf ihrem Gebiet. Das System hat sie für niedere Zwecke missbraucht und zu Einzelgängern gemacht.

So verlässt Swagger desillusioniert die Army und lebt als langhaariger Eremit in den Bergen. Bis der undurchsichtige Colonel Johnson (Danny Glover) an seinen Patriotismus appelliert und ihn überredet, ein Scharfschützenattentat auf den Präsidenten zu verhindern. Als Swagger zusagt, sitzt er auch schon in der Falle. Die dreiteilige Namenswahl – Bob Lee Swagger - scheint kein Zufall sein, wenn man sich an Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald erinnert.

Kurzum: Das Attentat wird ausgeführt, und er als Verdächtiger von sämtlichen Bundesbehörden gnadenlos gejagt. Die einzige Person, der er außerhalb der heilen Bergwelt noch trauen kann, ist Sarah (Kate Mara), die wunderschöne Witwe seines ermordeten Kollegen. Zusammen mit ihr und dem FBI-Rookie Memphis (Michael Pena), der als einziger Agent an Swaggers Unschuld glaubt und aus Loyalität seine Karriere riskiert, planen sie einen Rachefeldzug gegen die Strippenzieher dieser Verschwörung. Auf der Abschussliste stehen hochrangige Politiker.

Rambo wäre stolz

Spätestens seit Jack Bauer sich im 24-Stunden-Takt in die Herzen des Publikums geschossen und gefoltert hat, wurde in Hollywood die Liebe zu resoluten Einzelgängern wiederentdeckt. Während Filme wie "X-Men" oder "Armageddon" den Teamgeist zelebrieren und der Bösewicht nur mit vereinten Kräften besiegt werden kann, setzt "Shooter" auf die stahlharte Ein-Mann-Kampfmaschine. Ohne Pferd, wie einst John Wayne, und ohne Rambomesser, aber mit reichlich Sprengstoff, einem wütenden Elitesoldaten und seinem Präzisionsgewehr. Selbst Produzent Lorenzo di Bonaventura ist sich sicher: "Bob Lee Swagger lässt uns an große klassische Westernhelden denken. Er verfügt über die gleiche Tugend wie John Wayne, nämlich niemals an der falschen Stelle Kompromisse zu machen."

Mit Filmen wie "Training Day" hat Regisseur Antoine Fuqua gezeigt, dass knallharte Action auch gut durchdacht sein kann. In "Shooter" zeichnet er das Bild des einsamen Scharfschützen perfekt. So wurde Hauptdarsteller Mark Wahlberg zu Vorbereitungen in ein Bootcamp für Scharfschützen geschickt und einem Spezialtraining unterzogen: "Irgendwann war ich mit einer 75 Kilo schweren Ausrüstung unterwegs, trug dieses riesige Scharfschützen-Gewehr und musste dann in voller Montur auf diesem dünnen Balken gehen, der in vielen Metern Höhe in die Luft ragte. Noch vor einigen Jahren hätte ich so was wahnsinnig gern getan - jetzt aber bin ich Vater und habe vieles, wofür es sich zu leben lohnt", erinnert sich der 36-Jährige.

Harte Kerle unter sich

Viel Liebe zum Detail, dennoch wird nach altbekanntem Muster gestrickte Story erzählt: Der einsame Held, der sich mit zwei Kugeln im Leib auf die Suche nach Gerechtigkeit begibt. Auch wenn Swagger lieber aus der Ferne schießt, kann ein Hollywoodstreifen von 120 Minuten nicht ganz auf einen ordentlichen Nahkampf verzichten. Auch selbst gebastelte Rohrbomben und eine extra Portion Napalm fehlen nicht.

Wahlberg, der mit der Boyband "New Kids on the Block" und als "Marky Mark" berühmt wurde, macht dabei das, was er am besten kann: Mit Muskeln und Mimik aus Stein nicht viel Worte verlieren und den knallharten Helden mimen. Und das macht er gut. Bei der Umsetzung hat er sich an alten Leinwandgrößen orientiert: "Ich habe schon in den 70er-Jahren all diese typischen Genre-Filme gesehen, die genau die gleiche inhaltliche Ausrichtung hatten. Doch war ich immer in Begleitung meines Vaters und genoss es einfach nur, mit ihm im Kino zu sitzen. Ich war noch viel zu jung, um mir mit dieser Mentalität selbst Probleme aufzuhalsen", teilte Wahlberg, der mit 16 Jahren im Gefängnis saß, neulich in einem Interview mit. Die amerikanische Wochenzeitung Publishers Weekly ging sogar soweit, die Figur des Swagger in Stephen Hunters Roman "Point of Impact" als "Rambo für Intellektuelle" zu bezeichnen.

Trotzdem erlaubt sich Regisseur Fuqua in der Umsetzung des Buchs einige Logikfehler. Für einen lupenreinen Politthriller stehen die rar gesäten Dialoge zu sehr im Schatten der zahlreichen Schießereien, Verfolgsjagden und Explosionen. Wer sich aber nicht ständig fragt, ob das Gezeigte auch so möglich ist und sich von der rasant erzählten Geschichte mitreißen lässt, findet in "Shooter" ein bildgewaltiges Stück Popcornkino. Eben ein Film mit harten Jungs für harte Jungs, die die guten alten Zeiten und ihre muskelbepackten Helden vermissen.