HOME

"So finster die Nacht": Frisches Blut für den Vampirfilm

Das Genre Vampirfilm gibt es ungefähr so lange wie den Film selbst. In "So finster die Nacht" wird das Bild der edlen Blutsauger jedoch endlich einmal neu gezeichnet. Zwölfjährige Kinder erzählen von Liebe, Hass und Blutdurst.

Von Sophie Albers

Oskar ist ein Außenseiter, einer der sich nicht wehrt, wenn eine Gang an seiner Schule ihn an die Wand drückt, schlägt, demütigt. Der schmalbrüstige, schüchterne Junge lebt damit, nimmt die Verletzungen hin, immer wieder, jeden Tag. Oskar ist auch einsam. Allein mit seiner Mutter lebt er in einem tristen Häuserblock in einem Vorort von Stockholm. Manchmal geht er raus in den Schnee und spielt mit seinem Zauberwürfel. An so einem Abend trifft er Eli.

"Wir können keine Freunde sein", sind mit die ersten Worte, die das dunkelhaarige Mädchen zu ihm sagt. Sie werden es dann aber doch. Und noch viel mehr, denn Eli ist der erste Mensch, dem Oskar die Wahrheit sagt, woher seine Wunden kommen. Und sie sagt ihm, dass er sich wehren muss, "weil es sonst nie aufhört". Schon mit diesem Plot wäre "So finster die Nacht" ein netter Jugendfilm über das Heranwachsen und Bestehen in der Gesellschaft. Doch fängt Regisseur Tomas Alfredson gerade erst an. Eli ist nämlich anders als die anderen Kinder.

Weniger ist mehr in der Darstellung, wenn Oskar herausfindet, dass seine neue Freundin ein Vampir ist: Anstatt Fangzähne und Fratze gibt es einen großen Liebesbeweis, als Eli versucht, Bonbons zu essen, die Oskar ihr geschenkt hat. Sie erbricht sich hinterher jämmerlich, weil sie eben nur Blut verträgt. Überhaupt lebt dieser schlichte Film mit zuweilen meditativ-schönen Bildern von kleinen Beobachtungen. Menschen, die in ihrem Alltag wesentlich skurriler sind als jeder Blutsauger. Und immer wieder plötzliche Ausbrüche von Gewalt, wenn Oskar mal wieder seinen Peinigern ausgeliefert ist oder Elis Durst zu groß wird.

"So finster die Nacht" ist romantisch und brutal zugleich, unaufdringlich, doch nennt er die Dinge beim Namen. Und jede Nacht deckt neuer Schnee die Spuren von Gewalt und Angst wieder zu. Noch nie war ein Vampir so unschuldig.

Themen in diesem Artikel