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Anton-Corbijn-Film "Life": Der Fotograf und der Filmstar

Robert Pattinson wurde mit seinen Auftritten als sexy Vampir in den "Twilight"-Filmen zum Teenie-Idol. Nun spielt er eine der Hauptrollen in "Life", ein Drama um den Aufstieg des einst geradezu hysterisch verehrten Hollywood-Stars James Dean.

Robert Pattinson (r.) als Fotograf Dennis Stock und Dane DeHaan als Schauspieler James Dean in einer Szene des Kinofilms "Life"

Robert Pattinson (r.) als Fotograf Dennis Stock und Dane DeHaan als Schauspieler James Dean in einer Szene des Kinofilms "Life"

Nicht nur Filmfans kennen dieses Schwarz-Weiß-Foto: Hollywood-Legende James Dean im Regen in New York, den Mantelkragen hochgeschlagen, die Zigarette lässig im Mundwinkel. Kurz nachdem diese Aufnahme entstand, starb Dean - Ende September ist sein 60. Todestag. Nun erzählt Star-Regisseur Anton Corbijn ("A Most Wanted Man") in seinem neuen Spielfilm "Life" die Geschichte hinter dem Bild, das selbst schon eine Ikone geworden ist.

Entstanden ist das Foto Anfang 1955. Es steigerte die Popularität des damals noch nicht sehr bekannten Schauspielers James Dean (gespielt von dem US-Amerikaner Dane DeHaan). Und es wurde für den Fotografen Dennis Stock (Robert Pattinson) zu einem Meilenstein in seiner grandiosen Karriere. Doch wie kam es dazu? Die Antwort auf diese Frage entpuppt sich als spannende, vielfarbige Geschichte um Freundschaft und Ruhm, Ehrgeiz und Leidenschaft, Treue und Verrat, Schein und Sein.

Das wichtigste Bindeglied ist der Ehrgeiz

Wie so viele gute Geschichten, beginnt auch diese mit einem Zufall: Dennis, der Fuß in der berühmten Fotoagentur Magnum fassen will, lernt auf einer Party in Los Angeles den aufstrebenden Jungschauspieler James kennen. Die Beiden mögen einander auf Anhieb. Doch das wichtigste Bindeglied für sie ist der Ehrgeiz: Beide wollen zu den Besten ihres Fachs gehören. Und sie werden es.

Verbissen schuften James und Dennis für ihre Karrieren. Was auch zu einer Zusammenarbeit führt - die sich im Film "Life" aber nicht einfach gestaltet. Denn James Dean ist ein Exzentriker, ein Typ, der allein für den erhofften Ruhm lebt, der keine wirkliche Liebe kennt, der andere Menschen nur dazu nutzt, sich in ihnen zu spiegeln. Dafür aber ist Dennis Stock der falsche Mann. Selbst überaus ehrgeizig, baut er doch auf schlichte Werte wie Ehrlichkeit, Treue und Verständnis. Kein Wunder, dass es zu extremen Reibungen zwischen den Beiden kommt.

Mit dem Film "Denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955) wurde James Dean über Nacht zum Idol und Sexsymbol

Mit dem Film "Denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955) wurde James Dean über Nacht zum Idol und Sexsymbol

Regisseur Anton Corbijn liebt das Kino und die Kunst der Fotografie gleichermaßen, hat er doch selbst lange als Fotograf, etwa für die Band U2, gearbeitet. Er ist also der ideale Regisseur für diesen Film. Atmosphärisch dicht und dabei überaus elegant, taucht er ein in das Hollywood der 1950er Jahre. Dabei zeigt er klar die Verlogenheit der Traumfabrik-Seligkeit. Die gab es nur in der Werbung. Corbijn schaut gnadenlos auf die Alpträume in den Kulissen und hinter den verlogenen Publicity-Stories.

Pattinson und DeHaan spielen bravourös

Teenie-Idol Robert Pattinson agiert hier in der wohl besten und komplexesten Rolle seiner bisherigen Laufbahn. Anders als in den "Twilight"-Hits kommt es nicht auf äußere Attraktivität an, stattdessen hat Pattinson einen Charakter mit vielen Ecken und Kanten zu gestalten. Und das gelingt ihm bravourös. Neben ihm brilliert der im Vorjahr durch "The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro" auch in Europa bekanntgewordene Dane DeHaan mit einer ebenfalls feinfühligen Darstellung im Part des legendären James Dean.

Die Intensität des Spiels der beiden Jung-Stars gibt dem Drama eine extreme Dichte. Die Zwei ziehen das Publikum unausweichlich in den Strudel einander widersprechender Emotionen. Besonders aufregend ist das immer dann, wenn sie die dunklen Seiten der von ihnen verkörperten Männer erhellen. Da wird man dann als Zuschauer extrem zwischen Gefühlen von Zuneigung bis Ekel hin- und hergeworfen. Und genau das packt und lässt einen den Film lange nach dem Kinobesuch nicht vergessen.

Peter Claus/DPA