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Mini-Serie "Stromberg" im Supermarkt: Ist das gut? Ja. Warum "Die Discounter" genau zur richtigen Zeit kommt

Die Produzenten und das Kreativteam von "Die Discounter" stehen am Set inmitten von Supermarkt-Regalen
Am Supermarkt-Set (v.l.): Emil Belton (Regie), Christian Ulmen (Produzent), Oskar Belton (Regie), Carsten Kelber (Produzent), Bruno Alexander (Regie) und Max Mattis (Producer)
© Manju Sawhney / Pyjama Pictures GmbH
"Die Discounter" ist wie "Stromberg", nur im Supermarkt. Trotz der Ähnlichkeiten zu ihren Vorbildern wirkt die Mini-Serie überraschend frisch. Die Mockumentary, die es bei Amazon Prime Video zu sehen gibt, kommt genau zur richtigen Zeit. 

Sex im Kühlraum. Ein Chef, der sich bei der Firmenparty am Mikrofon blamiert. Ein Kurs in gewaltfreier Kommunikation. Sympathieträger, zwischen denen sich sachte etwas anbahnt, von denen aber mindestens einer in einer Beziehung steckt. Dazu Blicke in die Kamera und kurze Einordnungen der Figuren zum Geschehen. Alles schon gesehen. Diesen Vorwurf kann man den Machern von "Die Discounter" durchaus machen. Dass sie sich zu sehr an erfolgreichen Formaten wie "The Office", "Stromberg" oder "Parks and Recreation" orientiert haben. Dass sie sich Setting, Handlungsstränge, Figuren und Witze bei anderen abgeguckt haben. Doch man möchte es nicht. 

Denn trotz der Ähnlichkeiten wirkt "Die Discounter" überraschend frisch und unverbraucht. Das liegt zum einen am Timing. Es ist eine ganze Weile her, dass sich Kolleginnen und Kollegen an der Kaffeemaschine über die neuen "Stromberg"-Folgen ausgetauscht haben. Auch die Freude über die Ankündigung von Netflix, ab Mitte Januar Folgen des US-amerikanischen "The Office" in Deutschland zu zeigen, wäre kaum so groß gewesen, wenn die Serie nicht bereits einen gewissen Nostalgiewert hätte. Es scheint, als wäre die Zeit mal wieder reif gewesen für ein Format dieser Art.

Seit 17. Dezember ist die erste Staffel von "Die Discounter" auf Amazon Prime Video zu sehen. Neun kurzweilige Folgen, die gerade mal rund 15 Minuten dauern. Von Ladenöffnung bis Ladenschluss und auch darüber hinaus verfolgen die Zuschauer das Treiben bei "Feinkost Kolinski" in Hamburg-Altona. Es ist laut und dreckig und der Umgang rau – meistens zumindest. 

Selbst die Promis wirken im Supermarkt unprätentiös

Dass "Die Discounter" so unterhaltsam ist, liegt vor allem am Cast und den Machern. Mit Christian Ulmen und Carsten Kelber hat die Serie zwar zwei erfahrene Produzenten, Regie, Drehbuch und Schnitt lagen aber in der Hand von Jüngeren: die Zwillingsbrüder Emil und Oskar Belton sowie Bruno Alexander, Jahrgang 1999. Im "Making of" in Folge 10 entsteht der Eindruck, dass Ulmen die Jungs einfach mal hat machen lassen. Und dass die richtig Bock darauf hatten. Sie erzählen, dass viele Szenen improvisiert seien. Dieses Spontane, Authentische ist ein Gewinn für die Serie.

Funktionieren kann es nur, weil der Cast großartig ist. Marc Hosemann spielt den nicht gerade empathischen Filialleiter Thorsten, Rapperin Nura spielt Flora, die gerne eine Rapperin wäre, und Merlin Sandmeyer schenkt dem Außenseiter Jonas eine besondere Verletzlichkeit. Die Angestellten in diesem Supermarkt sind verschroben, verschüchtert, fies und cholerisch. Die einen trinken zu viel, die anderen eigentlich nicht mehr. Menschen halt. 

Es gibt auch einige Gastauftritte in der Mini-Serie, die auch ohne gut funktioniert hätte. Doch selbst Promis wie Peter Fox wirken unprätentiös und selbstironisch, wenn sie sich selbst beim Kaufen von Tiefkühlpizza oder beim Klauen im Supermarkt spielen. 

Die Idee, eine Serie über die Angestellten eines Supermarkts zu drehen, ist ebenfalls nicht neu, in den USA in der Sitcom "Superstore" längst durchgespielt. Aber auch was das Setting angeht, kommt "Die Discounter" genau zur richtigen Zeit. Wir alle kennen den Supermarkt. Aber wir kennen ihn inzwischen nur noch als Menschen mit Maske. Es tut gut, für einmal im Supermarkt nicht an Aerosole und Corona denken zu müssen. 

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