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"Superman Returns": Der "Mann aus Stahl" hebt nicht ab

Der Urvater aller amerikanischen Superhelden feiert seine Rückkehr auf die Kinoleinwand. Ernsthaft, erwachsen und dramatisch soll "Superman Returns" sein. Doch der "Mann aus Stahl" ist einfach nur schal.

Von Ralf Sander

Was fliegt denn da? Ein Vogel? Ein Flugzeug? Superman? Doch es ist nur ein Zuschauer, der schlafend vom Kinosessel fällt. 153 Minuten dauert "Superman Returns". Man spürt jede einzelne Minute seiner Leinwand-Rückkehr.

Das ganz große Bild hatte Regisseur Bryan Singer vor Augen, eine Art "Vom Winde verweht" unter den Comicverfilmungen sollte "Superman Returns" offensichtlich werden. Die Chancen standen nicht schlecht. Mit seinen beiden "X-Men"-Filmen hatte der 41-Jährige gezeigt, dass er alte Superhelden verjüngen, Comic-Charaktere mit Leben erfüllen und außerdem mit Spezialeffekten umgehen kann. Dazu ein Riesenbudget von 260 Millionen Dollar und eine Geschichte, die durchaus Potenzial zu einem gelungenen Drama-Action-Mix hat.

Wer braucht Superman?

Fünf Jahre war Superman von der Erde verschwunden. Hatte seine Angebetete Lois Lane und Ziehmutter Martha Kent einfach im Stich gelassen. War ins All gesaust, um Gerüchten nachzugehen, dass Trümmer seines zerstörten Heimatplaneten Krypton entdeckt worden seien. Unverrichteter Dinge kehrt er zurück, und schon an seinem ersten Arbeitstag als Reporter Clark Kent bei der Zeitung "Daily Planet" muss er feststellen, dass sich die Welt weitergedreht hat, während er auf dem Selbstfindungstrip war. Ex-Flamme Lois ist inzwischen verlobt mit einem netten Kerl, hat einen Sohn und wird in wenigen Tagen den Pulitzerpreis erhalten. Titel des ausgezeichneten Artikels: "Warum die Welt Superman nicht braucht". Und als wäre das nicht genug privater Ärger: Erzfeind Lex Luthor ist gerade dabei, eine riesige Insel aus dem Atlantischen Ozean emporsteigen zu lassen. Gut für Grundstücksmakler, schlecht für die USA, deren Landmasse dabei zu großen Teilen unterzugehen droht.

Das klingt nach einem Drama um supermenschliche Gefühle, lässt auf Actionkino zum Staunen zumindest hoffen. Was ist "Superman Returns" stattdessen? Eine riesige Seifenoper. Die Beziehungsgespräche zwischen Lois Lane und Superman gleichen einem Flug von Planet Pathos zum Kitsch-Kometen. Lex Luthor und seine Schergen wirken nicht böse, sondern liefern nur die wenigen witzigen Szenen. Und die erste wirklich beeindruckende Actionszene kommt nach mehr als 130 Minuten - da hätte man vorher bequem im Kino nebenan noch einmal "Fluch der Karibik 2" gucken können. Wenn wenigstens die Darsteller einiges herausreißen würden. Doch Fehlanzeige: Newcomer Brandon Routh füllt zwar den blauen Spandexanzug, aber nicht die Rolle aus. Kate Bosworth als Lois Lane und sogar der bewährte Edelmime Kevin Spacey als Oberbösewicht Lex Luthor spielen auf Autopilot. Der fast heilige Ernst des Films und die ständigen Verweise auf und Verbeugungen vor den "Superman"-Filmen aus den 70ern und 80ern lähmen den Erzählfluss, das Ensemble - und den Zuschauer.

Zu alt für diese Welt?

Vielleicht ist aber auch Superman selbst das Problem. 1938 war er der erste Superheld mit eigenem Comicheft. Er vernichtete das Böse, rettete die USA und bei Bedarf auch die Welt und blieb dabei unschuldig. So einfach war das. Das Magazin der "Süddeutschen Zeitung" erneuerte gerade die bekannte These, dass der "Man of Steel" inzwischen der größte Langweiler aller Superhelden sei. Dann wäre Singers Film ein präzises Porträt und Routh eine beeindruckende Besetzung des konservativen Kraftprotzes. Für den Zuschauer änderte sich allerdings nichts. Er benötigt etwas, das nur Superman hat: einen Hintern aus Stahl.

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