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"The Ides of March - Tage des Verrats" Clooneys Bankrotterklärung


Müssten Sie nach diesem Film zur Wahl gehen, Sie würden es lassen. Pessimismus beeindruckenden Ausmaßes verbreitet George Clooneys Politdrama "The Ides of March". Das ist unfassbar spannend, aber auch hilflos.
Von Sophie Albers

George Clooney weiß, was eine gute Story ist. Das hat der Sohn eines Journalisten wahrscheinlich schon mitbekommen, als er noch Windeln trug. Und Clooneys vierter Film in eigener Regie, "The Ides of March - Tage des Verrats", ist eine verdammt gute Story.

In Ohio treten zwei Kandidaten der Demokraten zur Vorwahl für die Präsidentschaft an. Einen davon, Mike Morris, spielt Clooney - mit allem Charme, Gutmenschentum und der Standhaftigkeit, für die das Publikum ihn so sehr liebt. Im Filmfokus steht allerdings Morris' Wahlkampfberater Stephen Meyers - gespielt von Ryan Gosling, das derzeit vielversprechendste Milchgesicht Hollywoods. Meyers ist ein Wunderkind der Politszene, ein brillanter Medienkopf, der für das Gute, Wahre und Schöne kämpft. Jedenfalls glaubt er das. Bis ihn die alten Hasen des Geschäfts als Pingpongball benutzen.

Opfer Unschuld

Kern der Story, die Clooney so tief drin in den Hinterzimmern und so nah dran erzählt, dass man Morris' Aftershave zu riechen meint und Meyers manchmal gern den Hemdkragen richten möchte, ist die Binse, dass in diesem Geschäft nichts so ist, wie es scheint. Nach dem Motto: Das erste Opfer der Politik ist die Wahrheit. Aber Clooney hat die schwarz-weiße Losung so brillant inszeniert, dass einem angesichts von Intrige, Vertuschung und Hybris nichtsdestotrotz der Atem stockt.

Anstand, Würde und Loyalität werden ohne mit der Wimper zu zucken an die Wand genagelt, und als wäre das nicht genug, widerfährt dieses Schicksal am Ende auch noch der Unschuld. Das Erschreckende daran ist, dass sich alle Beteiligten dessen völlig bewusst sind. Aber es macht ihnen nichts aus, weil sie sich an der eigenen Macht und ihrer Vorstellung davon besoffen haben. Tragisch, als klar wird, dass sie sogar das durchschauen.

Vorurteile und Verschwörungstheorien

Vielleicht wegen der Guttenbergs und Wulffs trifft diese Adaption von Beau Willimons Theaterstück "Farragut North" auch in Deutschland einen wunden Punkt so groß wie ein Helikopterlandeplatz. Vertraue niemandem, schon gar keinem Politiker, bleibt als Botschaft übrig, wenn der zuweilen liebevoll detailreiche Film mit den Opfern der Macht fertig ist.

Alle Vorurteile, jede Verschwörungstheorie findet sich in der Skrupellosigkeit der Machtmenschen wieder, deren Spiele ganz ohne das Volk auskommen, für dessen Wohl sie doch eigentlich eintreten wollen. Keine Werte, nirgends, außer der eigene Nutzen. Und so sitzt man am Ende da und ist genauso schockiert wie Stephen Meyers.

Der Schock bringt zwar niemanden weiter. Aber wie gesagt: Es ist eine verdammt gute Story.


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