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"The Village": Poesie und Schrecken im Monsterwald

Der neue Horrorthriller von Regisseur Manoj Night Shyamalan spielt mit den Facetten menschlicher Angst vor unheimlichen Begegnungen. Nichts ist so, wie es scheint.

Wer über einen Film des amerikanischen Regisseurs M. Night Shyamalan schreibt, der darf auf keinen Fall etwas über das Ende verraten. Denn das ist die ganz besondere Spezialität Shyamalans seit seinem Sensationsdebüt 1999 mit "The Sixth Sense". Auch in seinem neuen Werk "The Village - Das Dorf" hält der indischstämmige Filmemacher wieder eine Sensation am Schluss bereit. Ob die allerdings Anklang bei der Mehrheit der Besucher finden wird, darf bezweifelt werden.

Enttäuschte Erwartungen in Amerika

In den USA zumindest war das wohl nicht der Fall, fiel doch "The Village" nach grandiosem Start ganz rasch steil ab in der Gunst des Publikums. Das ist ein sicheres Indiz für stark enttäuschte Erwartungen, die natürlich bei diesem Regisseur besonders hoch waren. Es wird allerdings auch Zuschauer geben, denen die poetische Schilderung des amerikanischen Landlebens am Ende des 19. Jahrhunderts besonders gut gefallen dürfte und deshalb Shyamalan den eher überrumpelnden als überraschenden Schlussgag nachsehen.

Die Handlung führt ins Jahr 1897 und ins idyllische Dörfchen Covington im Herzen des Bundesstaates Pennsylvania. Das straff geregelte Leben dort wird seit Jahren Unheil drohend beeinträchtigt von unheimlichen Wesen in dem dunklen Wäldern rings um Covington. Die Bewohner haben sich mit dieser seltsamen Situation eingerichtet nach dem Motto: "Wir meiden den Wald, die Unheimlichen meiden unser Dorf". Für die jungen Leute ist das jedoch eine mehr als beengende Einstellung, besonders für den kräftigen Lucius Hunt, der bei seiner Mutter lebt.

Bryce Dallas Howard als Entdeckung des Films

Lucius übertritt die gefürchtete Waldgrenze zwar nur kurz, aber die Unheimlichen suchen nun Covington heim. Und der in die blinde Ivy Walker verliebte Tabubrecher ringt bald nach einem Mordanschlag um sein Leben. Gerettet werden kann er nur von Medikamenten, die es jenseits der Wälder geben soll. Doch wer will das wagen? Es ist schließlich das hübsche blinde Mädchen, das voll Todesangst durch den Wald stolpert. Ivy Walker wird eine ungeheuerliche Entdeckung machen, denn nichts ist, wie es scheint: weder der Ort noch die Zeit der Handlung. Das klingt rätselhaft und soll es auch sein.

Sehr gut gelingt es dem Regisseur, der auch wieder das Drehbuch verfasste, eine Atmosphäre der Angst, der Unsicherheit und der Ungewissheit in Bilder zu bannen. Verbunden mit der dörflichen Idylle hat das eine ganz eigene Poesie, die durchaus verzaubern kann. Mit Hochkarätern wie Joaquin Phoenix, William Hurt, Adrien Brody und Sigourney Weaver agieren Darsteller, die ihren Figuren Profil geben. Eine Entdeckung ist die junge Bryce Dallas Howard, die Tochter des bekannten Regisseurs Ron Howard, in der Rolle des blinden Mädchens.

Sie ist das menschliche Zentrum des Films und erfüllt diese schwierige Aufgabe hervorragend mit naivem Reiz, vor allem aber glaubwürdig in ihren Emotionen und Reaktionen. Shyamalan hingegen wandelt von Film zu Film auf einem schmäleren Grat. Sein Kalkül, stets darauf zu setzen, die Zuschauer mit einem verblüffenden Schluss zu begeistern, droht zur Masche zu werden. Der Filmemacher, der sein Handwerk zweifellos beherrscht, sollte sich dringend für seinen nächsten Film etwas Neues ausdenken.

Wolfgang Hübner/AP / AP
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