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"Unsere Erde": Hommage an den Planeten

Die Hauptdarsteller der Naturdokumentation "Unsere Erde" sind Eisbären, Elefanten und Buckelwale. Mit atemberaubenden Tierszenen huldigen die Regisseure Fothergill und Linfield unserem einzigartigen Planeten.

Unter dem Vorzeichen des Klimawandels haben es Eisbären zu einer beispiellosen, wenngleich sehr fragwürdigen Popularität gebracht. Die Naturdokumentation "Unsere Erde", die am 7. Februar in den deutschen Kinos gestartet ist, konfrontiert die Zuschauer in einer bewegenden Weise mit der Tragödie des mächtigen Raubtiers, dessen Lebenswelt buchstäblich dahinschmilzt. Doch es gibt noch sehr viel mehr Gründe, sich einen Film anzuschauen, der in 99 Minuten atemberaubende Tierszenen, nie gesehene Pflanzenbeobachtung und grandiose Landschaftsaufnahmen zeigt.

"Unsere Erde" ist eine britische Produktion der Superlative: 40 Kamerateams waren in den fünf Jahren Produktionszeit an über 200 Orten in 26 Ländern unterwegs, um 1.000 Stunden Filmmaterial, davon vieles aus der Luft gedreht, zu liefern, die von den erfahrenen Regisseuren Alastair Fothergill und Mark Linfield zu einer Huldigung für unseren Planeten gestaltet wurden. Menschen spielen in dieser Dokumentation nur unsichtbar hinter der Kamera, aber auch durch die Folgen ihrer Eingriffe in die Natur eine Rolle. Die Hauptdarsteller sind Eisbären, Elefanten, Buckelwale, Amurleoparden, Kragenparadiesvögel, Löwen, Wölfe und viele andere.

Auch die Schauplätze des Films, oft mit Luftaufnahmen von berückender Schönheit festgehalten, beeindrucken tief: Sie führen von unmittelbarer Nähe zum Nordpol über die Taiga mit dem größten Nadelwald der Erde hin zu den Laubwäldern unserer Lebenszone, weiter geht die Reise zum Äquator, zur afrikanischen Kalahari-Wüste. Schließlich führt die 6.000 Kilometer weite Seereise einer Buckelwalmutter mit ihrem in warmen tropischen Gewässern geborenen Jungen bis zur Antarktis, also dem südlichsten Punkt unseres so erstaunlichen Planeten. Und immer wird der Zuschauer mit der Macht des Sonnenlichts konfrontiert, das meist Segen, aber auch Fluch sein kann.

Frostbeulen für einmalige Filmdokumente

"Ich möchte, dass die Menschen Naturereignisse miterleben, die nur wenige von uns jemals selbst erfahren können." Dieses Arbeitsziel von Regisseur Fothergill ist in seltener Perfektion realisiert worden. Er bringt zusammen mit Linfield eine erstaunliche Tatsache ins Bewusstsein der Zuschauer: "Die meisten Tiere verbringen ihr ganzes Leben, ohne einen Menschen zu Gesicht zu bekommen. Obwohl wir fast sieben Milliarden sind, gibt es immer noch verdammt viel Wildnis dort draußen. Sie können zwölf Stunden lang über den Taiga-Wald in Sibirien fliegen, ohne ein Auto zu sehen, eine Straße, ein Licht."

Welchen Strapazen die Filmemacher ausgesetzt waren, schildert sehr anschaulich Jason Roberts, Logistikexperte Arktis bei der Produktion: "Unser größtes Problem waren die Frostbeulen im Gesicht. Um sich warm zu halten, müsste man ständig in Bewegung bleiben. Allerdings erfordert das Filmen enorme Konzentration: Die Kameraleute mussten hierbei fast unbeweglich hinter der Kamera stehen, immer mit einem Auge am Sucher. Dabei kann die Augenhöhle am Sucher festfrieren, so dass auch dort gefährliche Frostbeulen entstehen können." All das bleibt dem Betrachter natürlich verborgen. Er sieht nur Bilder aus der Eiswüste, wie sie noch nie zuvor auf der Leinwand zu sehen waren. "Unsere Erde" ist im besten Sinne ein spektakulärer Film, ein Kinoereignis von Rang.

Daran ändert auch nichts die manchmal ein wenig zu bombastische Filmmusik von George Fenton, eingespielt unter Fentons Leitung von den Berliner Philharmonikern. Den Titelsong bietet die in Indonesien geborene Sängerin Anggun dar. Deutscher Sprecher des Films ist der bekannte Schauspieler Ulrich Tukur. In Frankreich und Spanien ist "Unsere Erde" schon mit großem Erfolg in den Kinos gezeigt worden, das wird aller Voraussicht nach in Deutschland nicht anders sein. Und es wird vielen Besuchern so gehen wie Mark Linfield, den die Arbeit an dem Film nach eigenem bekenntnis verändert hat. "Weil mir klar wurde, wie einzigartig unsere Heimat ist."

Wolfgang Hübner/AP

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