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61. Filmfest Locarno: Fellparka und Badelatschen

Vor so schöner Kulisse kann man nirgendwo sonst Filme gucken: Mehr als 8000 Menschen drängen sich zur Festivalzeit Abend für Abend auf der Piazza Grande in Locarno. Regisseure kreuzen in Badelatschen auf, und die Berge leuchten majestätisch. Nur Michel Houellebecq erscheint im Fellparka und raucht Kette.

Von Oliver Fuchs

Als der liebe Gott die Schönheit über den Erdball verteilte, muss ihm über Locarno seine Schöpferkelle ausgeglitten sein. Majestätisch thronen die Berge, in der Morgensonne funkeln sie dschungelgrün, in der Abenddämmerung eher dunkelviolett, ins Purpurne spielend. Der See glitzert ganztägig in Karibiktürkis. Gegen diesen Natur-Flash kann eigentlich kein Kulturerzeugnis ankommen. Und so sahen auch beim 61. Locarno-Festival die Filme wieder ein bisschen ärmlich aus im Vergleich mit der berauschenden Landschaft. Selbst dann, wenn sie auf der größten Freiluftleinwand der Welt (24 x 14 Meter!) gezeigt wurden - bei den abendlichen Vorstellungen auf der Piazza Grande, wo sich oft erheblich mehr Zuschauer drängen als die feuerpolizeilich erlaubten 8000.

"Nordwand" entfaltet eine unerklärliche Überrumpelungswucht

Die Piazza-Leinwand ist ungerecht und gnadenlos. Sie lässt schlechte Filme grottenschlecht erscheinen und gute Filme supertoll. Hannes Stöhrs Techno-Drama "Berlin Calling" zum Beispiel würde einen in einem normalen Kinosaal vermutlich nicht weiter stören, na gut, ein Berlin-Techno-Drogen-Film, der zehn Jahre zu spät kommt und irgendwie nach "Kleinem Fernsehspiel" müffelt, was soll's. Aber auf der Piazza Grande nervt er richtig. Dasselbe gilt unter umgekehrten Vorzeichen für Philipp Stölzls Bergfilm "Nordwand", der den missglückten Erstbesteigungsversuch der Schweizer Eiger-Nordwand (1936) als Rohmasse für eine spannende Schicksals-Doku-Fiction verwendet. Lawinen rollen, Schneestürme toben, grausam und existenziell und archaisch soll es zugehen, dabei wirkt das alles, streng genommen, stellenweise doch sehr ausgedacht: Die aufgepropfte Lovestory: lächerlich! Ulrich Tukur als Nazi-Reporterschwein: Schmierentheater! Doch man kommt kaum dazu, solche Einwände gegen Stölzls ansonsten gelungenen Film zu formulieren, weil er auf der überdimensionierten Leinwand eine unerklärliche Überrumpelungswucht, eine dunkel lockende Magie entfaltet. Die umliegenden Berge (schwarzviolett dräuend, wolkenverhangen) tun sicher ein Übriges.

Zwischen Tretboot-Terror und Seilbahnausflügen

Als das "kleinste der großen Filmfestivals" wird Locarno gern beschrieben oder auch als das größte Filmfest unter den Kleinen. Bei der Hatz nach Stars jedenfalls können und wollen die Schweizer mit Cannes, Venedig und Berlin nicht mithalten. Die Grundstimmung ist durchwegs entspannt. Journalisten befreien sich in Locarno vom Filmabhaken, Produzenten und Verleiher schlurfen gemeinsam in Badelatschen zum Lago Maggiore oder springen in den nächsten Bergfluss. Touristen emanzipieren sich vom Freizeitstress und legen zwischen Tretboot-Terror und Seilbahnausflügen regelmäßig Kinopausen ein. Schnell noch ein Spaghetti-Eis, dann geht's in den südkoreanischen Experimentalfilm oder den sozialkritischen Schweige-Dreistünder aus Iran. Auf der Piazza wird zumeist dem popcornaffinen Spektakelkino gefrönt, aber davon darf man sich nicht täuschen lassen. Im Wettbewerb und den zahlreichen Nebenreihen zelebriert Locarno Filmkunst, und die tendiert ja immer ein wenig zur Schwermut. Cineasten sind halt doch Masochisten, auch im Urlaub.

Deutsch-polnische Koproduktion mit Julia Jentsch gewinnt Spezialpreis

Im mexikanischen Wettbewerbsbeitrag "Parque Via", der mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet wurde, passiert 86 Minuten lang so gut wie nichts. Ein alter Hausmeister hütet zum letzten Mal eine zum Verkauf stehende Villa in Mexico City, die Kamera beobachtet ihn teilnahmslos beim Staubwischen, Hemdenbügeln sowie Zähneputzen. "Beklemmendes, dringliches Kino", meint dazu der "Tagesspiegel". "Ein Film von minutiös komponierter Einfachheit", urteilt die "Frankfurter Rundschau". Na denn. Begeistert waren Kritik und Jury auch von der deutsch-polnischen Koproduktion "33 Szenen aus dem Leben", die am Ende als zweitbester Film mit dem "Spezialpreis" bedacht wurde. Julia Jentsch spielt eine "junge Frau auf Identitätssuche", wieder mal, und die Bilder sind so entschieden trist und leer, dass man sich bisweilen an die bleiernen Betroffenheitsorgien einer Margarethe von Trotta erinnert fühlt.

Im trostlosesten Winkel der Stadt sitzt Houellebecq und raucht Kette

Der schönste Moment in Locarno hatte diesmal mit dem Kino nur mittelbar zu tun. Im trostlosesten Winkel der Stadt sitzt der Schriftsteller Michel Houellebecq und raucht. War ja klar, dass er sich für die Interviews zu seiner hervorragenden Eigenroman-Verfilmung "Die Möglichkeit einer Insel" keine idyllische Pension an der Strandpromenade aussuchen würde, sondern diesen Hotelklotz mit piazza-grande-großem Parkplatz. Dort sitzt er hinter einem Trafohäuschen und macht zwischen den spärlichen Worten lange Denkpausen, und wenn er dann etwas sagt, hört man ihn kaum, weil seine Einlassungen zu Nietzsche, Sommerurlaub und Lesben-Sex von einem beknackten Springbrunnen übertönt werden. Er trägt einen Armeeparka mit Fellkragen. In unregelmäßigen Abständen fängt er an zu kichern.

Erst hatte es geheißen: Houellebecq kommt nicht. Dann hieß es: Er verspätet sich, steckt im Stau, gibt aber keine Interviews. Später hieß es: Houellebecq bringt Iggy Pop mit, beide geben ein Konzert und stehen hinterher an der Bar für Fragen zur Verfügung.

Im Saal milde beschmunzelt, anderntags rüde verrissen

Es ist dann wieder ganz anders gekommen: Houellebecq war pünktlich zur Premiere im vollbesetzten Kino, allerdings ohne Iggy Pop. Sein Film wurde im Saal milde beschmunzelt, anderntags rüde verrissen. Dabei muss man sagen, dass er von allen Kunstanstrengungen in Locarno die heiterste und lässigste war. 90 Minuten Meditations-Kino. Man hätte gern noch weitere fünf Stunden zugeguckt, so wie man ja auch Berge und See endlos anstarren kann.

Eine interessante Kollision: Das System "Filmfestival" trifft auf das System "Houellebecq". Der kettenrauchende, magenkrank fahle Mann mit dem Fell-Parka und der Badelatschenspirit von Locarno. Still ruht der See, einsam glimmt die Zigarette.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(