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Berlinale: Playgirls und Müsli-Riegel

Wozu braucht Franka Potente Müsli-Riegel? Welches Rezept hat Roland Emmerich? Offiziell wird die Berlinale zwar erst am Abend eröffnet. Doch schon vorher verrieten die Jury-Mitglieder, wie sie den Film-Marathon überstehen wollen.

Von Florian Güßgen

Filme, Filme, Filme - insgesamt 22 Beiträge gehen dieses Jahr auf der Berlinale ins Rennen um den Goldenen Bären. Für die von den schwäbischen Hollywood-Regisseur Roland Emmerich geleitete siebenköpfige Jury ist das ein Mammut-Programm, das Durchhaltevermögen verlangt. Die deutsche Schauspielerin Franka Potente ("Lola rennt", "Die Bourne Identity"), hat sich schon vorab Aufputschmittel besorgt. "Ich habe Müsli-Riegel in der Handtasche", bekannte Potente, die ihr Haar nach einer Blondphase mittlerweile wieder kupferfarben trägt. Auch Traubenzucker habe sie jederzeit griffbereit, "damit man auch schön aufpassen kann bei den Filmen."

Zehn Tage, bis zum Abend des 19. Februar, haben die Experten Zeit, sich ein Bild zu machen von den Wettbewerbsbeiträgen, unter denen "Sophie Scholl" ebenso zu finden ist wie das Forscherdrama "Man to Man", mit dem die Festspiele eröffnet werden.

"Morgens Schwimmen, abends Whiskey"

Allerdings gibt es auch innerhalb der Jury verschiedene Vorbereitungstaktiken. Der ukrainische Schriftsteller Andrei Kurkov ("Picknick auf dem Eis") gab sich schon recht entspannt. "Ich schwimme morgens, abends gibt es ein Glas Whiskey", sagte er. Völlig gelassen bereitet sich das italienische Jury-Mitglied, Modestar Nino Cerrutti, auf die Aufgaben vor. "Ich trinke den ganzen Tag - natürlich nur Wasser", scherzte er. Überdies, so der Italiener, sei für ihn die Zeit der ganzen großen Aufregung vorbei. Das Filmfestival sei insgesamt doch eine sehr vergnügliche Angelegenheit.

Eine eher wetterfühlige Natur ist die Chinesin Bai Ling ("Bautiful Country"), die nicht nur mit einem ebenso pinkfarbenen wie schulterfreien Trägerkleid Blicke anzog. Sie sei in letzter Zeit viel gereist, leide auch noch am Jetlag, gab sie Einblick in ihre Verfassung. Aber Berlin bewirke Wunder: "Der Schnee beruhigt mich und stimmt mich friedlich", sagte sie. Zudem habe sie gerade erst ihrer Mutter gestanden, dass sie sich für eine Fotostrecke vom Playboy habe fotografieren lassen.

Ungeliebter Vergleich mit Hollywood

Einig waren sich alle Jury-Mitglieder, zu denen auch die litauische Schauspielerin Ingeborga Dapkunaite und der niederländische Filmproduzent Wouter Barendrecht gehören, dass sich der ewige Vergleich der Berlinale mit den Oscars Hollywoods verbietet. Das Festival habe seine eigene Note und seine eigene Bedeutung. Für Kritiker, die den Berlinern vorwerfen, dass es ihnen an Glamour fehlt, hatte die quirlige Potente die überzeugendste Antwort: "Viel ist auch den Temperaturunterschieden zwischen hier und Kalifornien geschuldet", sagte sie. Schicke und aufwändige Kleider könne man im warmen Westen der USA bestens im Freien tragen. "Dafür ist es derzeit in Berlin einfach zu kalt."