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Berlinale-Premiere "Der Ghostwriter": "Polanski ist wie deine Mutter"

Einer der Höhepunkte der Berlinale: die Premiere von Roman Polanskis Film "The Ghostwriter". Während der Regisseur im Hausarrest sitzt, berichteten die Hauptdarsteller Ewan McGregor, Pierce Brosnan und Olivia Williams amüsante Details von den Dreharbeiten für dieses durchaus gelungene Werk.

Von Kathrin Buchner

"Er ist wie deine Mutter, nervig, aber du weißt, sie hat immer Recht", sagt Ewan McGregor über Regisseur Roman Polanski. Der ist nämlich nicht da. McGregor und Pierce Brosnan sind nach Berlin gekommen, um den Film "Der Ghostwriter" vorzustellen. In seiner schwarzen Lederjacke, mit den verwuschelten Haaren und einem verschmitzten Grinsen im Gesicht wirkt der Schauspieler wie ein pubertierender Teenager und amüsierte die Journalisten in der Pressekonferenz mit einer Slapstick-Einlage von Polanskis Temperamentsausbrüchen während der Dreharbeiten. Die sehr direkte Art des preisgekrönten Regie-Genies sei für so empfindliche Charaktere wie es Schauspieler nun mal sind anfangs sehr befremdlich gewesen. Doch habe er von Polanski mehr gelernt als bei allen anderen Regisseuren, sagt McGregor.

Während der Regisseur im Hausarrest in seinem Schweizer Chalet auf die Entscheidung über die Auslieferung in die USA wartet, wo ein Prozess wegen Missbrauchs aussteht. Also bastelt die Crew auf dem Podium am Mythos Polanski. Er sei ein besessener Perfektionist, ein Kontrollfreaks mit überschäumender Leidenschaft, der seinen Schauspieler im Nacken sitzt und ihnen all ihr Können und mehr abverlangt. Trotzdem sei es eine "magische Erfahrung" gewesen, bestätigt Pierce Brosnan. Der ehemalige James-Bond-Darsteller verkörpert den britischen Ex-Premier, der in dunkle Machenschaften im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg verwickelt ist. Ewan McGregor spielt seinen Ghostwriter, der noch ganz andere dunkle Geheimnisse entdeckt.

Spannung auch ohne Actionszenen

Es ist ein sehr klassischer Thriller mit einer knackigen Verschwörungsgeschichte und einer Prise Hitchcock-Flair. Durch die präzise Abstimmung von Bildschnitten und Musik ist der Stoff unglaublich spannend umgesetzt. Und das, obwohl der Film fast ohne Gewalt und Action auskommt. Und das ist schon eine erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, dass der Film fertig geschnitten wurde, indem der Anwalt als Kurier fungierte und Päckchen in die Schweizer Hütte brachte.

Der Film beruht auf einem Buch von Bestsellerautor Robert Harris ("Pompeji"), der zusammen mit Polanski auch das Drehbuch verfasst hat. Der Stoff habe ihn schon immer gereizt, so Harris: Nämlich der moralische Konflikt, in den ein Ghostwriter gerät, wenn er entdeckt, dass sein Kunde ihm Lügen erzählt.

Gedreht wurde der düstere Thriller 2007 auf Sylt und Usedom, völlig irritierend sei es gewesen auf Wolken zu warten, während die Sonne schien, sagt Olivia Williams, die im Film die Ehefrau des Ex-Premiers spielt. Irgendwie ist das auch bezeichnend für den Zustand, in dem sich der Regisseur damals wohl befand. Schließlich musste er ständig damit rechnen, dass sich Düsteres über seinem Kopf zusammenbraut, dass ihn der lange Arm des Gesetzes doch irgendwann greifen wird. Und so könnte man Polanski hellseherische Fähigkeiten attestieren angesichts dieser Szenen: Hauptdarsteller Brosnan verschanzt sich mit seinen engsten Vertrauten in einer Art Edel-Gefängnis auf einer Insel nahe New York, während in Den Haag die Anklage gegen ihn vorbereitet wird und Reporter und Demonstranten gierig vor der Tür auf ihn lauern - die Meute, die ihr Opfer zerfleischen will. Das erinnert schon sehr stark an Polanskis eigenes Schicksal.

Der Film läuft bereits am kommenden Donnerstag in den deutschen Kinos an, es ist sicherlich nicht die Neuerfindung des Kinos, aber ein absolut sehenswerter Thriller, zeitgemäß in der Thematik und zeitlos in der Umsetzung. Den Applaus gab's zu Recht für Ewan McGregors Kino-Mama.

Das stern.de-Reporterteam berichtet täglich im Berlinale-Blog über das Festival.