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Stern Logo Filmfestival in Cannes

"Fluch der Karibik" die Vierte: Der beste Pirat von allen

Der vierte Teil von "Pirates of the Caribbean" feiert Weltpremiere in Cannes. Johnny Depp verschlägt es zum ersten Mal die Sprache.

Von Sophie Albers, Cannes

Es ist der große Entertainmentkracher des Festivals von Cannes; Ausdruck dessen, was dieses Filmfest so viel besser kann als die anderen: den reinen Spaß neben den hohen Anspruch stellen, ohne mit der Wimper zu zucken - und dabei doch genauso ernst zu nehmen. "Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten" ist das vierte Abenteuer des beliebtesten aller Kinopiraten: Jack Sparrow - und besser als Teil drei.

Schon am Morgen der Premiere belagern Fans den Festivalpalast, in der Hoffnung, Johnny Depp zu sehen, der mit diesem skurrilen Freibeuter ein ganz eigenes Genre geschaffen hat: eine Art James Bond der Meere, nur eben anders cool - Bugs-Bunny-cool. Oder wie Depp es selbst beschreibt: eine Kreuzung aus einem Rockstar des 18. Jahrhunderts und einem romantischen Stinktier.

Romantisches Stinktier

Tatsächlich wird es diesmal zum ersten Mal auch für Jack Sparrow romantisch. Keira Knightley und Orlando Bloom flirten ja nun anderswo. Captain Jack sucht eigentlich nur wieder sein Schiff, die Black Pearl. Doch da das Piratenschicksal eben kein einfaches ist, werfen sich ihm neben den britischen Obrigkeiten auch Zombies, racheblinde Feinde, blutrünstige Meerjungfrauen und spanische Soldaten in den Weg. Vor allem aber die schöne Piratin Angelica (Penélope Cruz). Und ab diesem Augenblick ist es um Sparrows sonst so entspannten Gefühlshaushalt geschehen. Ihm fehlen angesichts dieser Frau aus seiner bewegten Vergangenheit sogar zuweilen die Worte. Das ist wirklich neu im Sparrow-Universum.

Umschlungen von den Ketten der eigenen Gefühle landet er auf dem Schiff des gefürchteten Piraten Blackbeard (Ian McShane). Er muss das Deck schrubben und mit auf Schatzsuche, diesmal nach dem Jungbrunnen. Der Weg ist lang (kurzweilige zwei Stunden und 17 Minuten) und beschwerlich (tödliche Schluchten und Meerjungfrauen, die zwar so hübsch sind wie die "Twilight"-Vampire, aber ihre Opfer mit Vergnügen zerfleischen). Und immer wieder dieses Gefühlschaos, mit dem Sparrow kaum klar kommt.

Großartige Penélope Cruz

"Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten" ist eine "Gutenachtgeschichte, die einen aberwitzigen Traum gebiert", wie ein französischer Kollege es ganz poetisch zusammenfasste. Die Effekte sind atemberaubend (schon die Magie der Schiffe erklärt das Filmbudget von angeblich rund 200 Millionen Dollar), die Bilder sind zuweilen einfach nur wunderschön (Stichwort: gläserner Sarg), und Jack Sparrow ist... Jack Sparrow, wie das Publikum ihn liebt. Und das, ohne auch nur eine Minute zu nerven oder gar zu langweilen - auch nach einem Kinokassenerfolg der Reihe von bisher 2,6 Milliarden Dollar ("Die Zahlen sind hübsch", sagt Produzent Jerry Bruckheimer) und dem gezielten Ausverkauf - von Computerspielen bis Themenparks. Genau genommen ist Jack Sparrow mittlerweile ein ähnlich vertrauter und etablierter Held wie Winnetou.

Für Depp lag die Herausforderung diesmal nicht nur im weiblichen Gegenpart auf Augenhöhe (hier wird noch mal deutlich, WIE schlecht die Chemie zwischen Jolie und Depp in "The Tourist" gewesen sein muss), sondern im kreativen Anteil. Er habe von Anfang an am Drehbuch mitgearbeitet, erzählt er auf der Pressekonferenz. Das Ende von Jack Sparrow sei vorerst nicht geplant: Er habe das Gefühl, dass das Publikum mit Sparrow noch eine Menge Spaß haben könne, so Depp. "So lange die Leute es wollen, bin ich dabei."

"Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten" ist High-End-Unterhaltungskino. Nur was die dritte Dimension angeht, sollten die Macher sich ernsthaft überlegen, ob ihnen ein klares, frisches Bild nicht lieber ist, als die Räumlichkeit im Grauschleier, die auch bei diesem Film kein wirkliches Plus bringt. Ansonsten ist und bleibt Jack Sparrow das wunderbarste Stinktier auf den Weltmeeren!