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COLLATERAL DAMAGE: Ein Feuerwehrmann räumt auf

Arnold Schwarzenegger spielt in »Collateral Damage« einen Feuerwehrmann im Kampf gegen einen kolumbianischen Guerillero, der in den USA Anschläge verübt.

Der Ausdruck »Kollateralschaden« gehört seit den Kriegen am Golf und in Jugoslawien zu den zynischen Unwörtern, hinter denen Tod und Leid verborgen bleiben sollen. Früher hieß das volkstümlicher »Wo gehobelt wird, da fallen Späne«. Und wenn das im Kino der Fall ist, kann Hollywoods bekanntester Steiermärker Arnold Schwarzenegger nicht weit sein. Da dieser bekanntlich weit reichende politische Ambitionen hegt, kann es nicht verwundern, dass der Titel seines neuen Films mit dem Reizwort versehen »Collateral Damage - Zeit der Vergeltung« lautet.

Schwarzenegger spielt darin den braven Feuerwehrmann Gordy in Los Angeles, der Frau und Kind bei einem Bombenanschlag auf die kolumbianische Gesandtschaft verliert. Für die Täter wie für die Ermittlungsbehörden sind die beiden Toten lediglich ein bedauerlicher »Kollateralschaden«, doch für Gordy wird das zum Anlass eines einsamen Rachefeldzugs, der ihn bald ins blutige Chaos des vom Bürgerkrieg zerrütteten Landes führt. Natürlich kommt der tapfere Amerikaner zwischen alle Fronten. Aber ein Idol wie Schwarzenegger setzt sich halt überall durch, auch wenn er die ohnehin schon beängstigende Todesrate in Kolumbien in weitere Höhen treibt.

Andrew Davis, der sich als Regisseur von erfolgreichen Action-Filmen wie »Auf der Flucht« in Hollywood einen guten Namen gemacht hat, ist mit seinen Drehbuchautoren auf der Hut, sich umstandslos auf eine der Seiten im kolumbianischen Verwirrspiel zu schlagen. Auch die CIA-Aktivitäten werden durchaus kritisch betrachtet. Aber es ist doch unverzeihlich, wie dreist und raffiniert der Begriff »Kollateralschaden« in diesem Film eine ganz neue Bedeutung erhält und auch noch als Rechtfertigung für amerikanische Selbstjustiz in einem fremden Lande herhalten muss.

Die Handlung ist sehr simpel gestrickt. Alles ist ohnehin nur ein Vorwand, um den Helden in immer neue Gefahrensituationen zu verstricken, aus denen er sich selbstredend auch immer wieder rettet. Das ist Popcorn-Kino in Reinkultur, einzig mit dem Ziel voller Kassen produziert. Schwarzenegger, inzwischen auch schon 54 Jahre alt, wirkt manchmal bereits wie seine eigene Karikatur, besonders wenn er in Nahaufnahmen den Zornigen mimt.

In schlechten Filmen wie diesem wird klar, wie bescheiden die mimischen Qualitäten des früheren Muskelprotzes sind. Einen Oscar wird er damit gewiss nie gewinnen, aber für die Politik könnte es reichen. Nach »Collateral Damage« könnte der Wunsch aufkommen, Schwarzenegger möge künftig seine Energien und seinen Ehrgeiz allein in diese Richtung hin konzentrieren. Aber was wird dann aus dem ohnehin schon so brüchigen Weltfrieden? Denn der Steiermärker war schon auf der Leinwand für jede Menge »Kollateralschaden« gut.