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DDR-Shows: TV-Moderatoren lassen Kritik nicht auf sich sitzen

Die Welle von Ostalgie-Shows im deutschen Fernsehen stößt auf heftige Kritik. Doch deren Protagonisten nehmen den Schlagabtausch an.

Die Frage, ob Nudossi besser als Nutella schmeckt oder Radeberger besser als Becks mundet, beschäftigt die Deutschen in diesen Tagen mehr als sonst. Der Grund liegt auf der Hand: Nach dem überraschenden Kassenerfolg des Kinofilms "Good Bye, Lenin!" haben sich einige Fernsehsender die Rückbesinnung auf die alte DDR zu eigen gemacht und fast aus dem Stand die so genannten Retro-Shows aus dem Boden gezaubert. Prompt sind die Kritiker auf dem Parkett und rügen das Vorpreschen der Programmanbieter. Doch deren Protagonisten nehmen den Schlagabtausch an.

Ostalgie verdrängt politische Diskussion

In der vergangenen Woche warnte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus, der Rückblick auf die DDR dürfe nicht nostalgisch erfolgen, er müsse die reale DDR-Wirklichkeit widerspiegeln. Der Leipziger Medienwissenschaftler Hans-Jörg Stiehler meinte, die Ostalgie-Welle verdränge die politische Diskussion ums DDR-Erbe, und der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz prangerte an, dass oberflächlich auf der Nostalgiewelle geritten werde. Die menschenunwürdige Seite des Systems dürfe nicht verharmlost werden.

Beschäftigung mit dem Ossi

Appelle, die jetzt vor allem noch die Privatsender SAT.1 und RTL treffen. SAT.1 startet an diesem Samstag (23. August) um 20.15 Uhr seinen Zweiteiler "Meyer & Schulz - Die ultimative Ost-Show", die sich des Alltagslebens der DDR annehmen soll. Moderator Ulrich Meyer, der von Boxer Axel Schulz unterstützt wird, wehrt sich gegen die Bedenken im Vorfeld seiner Sendung: "Wir wissen sehr viel über die DDR: Wir haben von den Mauertoten erfahren und vom Verrat in den Familien", sagt der "Akte"-Moderator. "Aber mit dem Alltag haben wir uns arrogante Wessis nie befasst. Und der Ossi traute sich bislang nicht, diese Dinge an die Oberfläche zu bringen."

"Mit einem zwinkernden Auge"

Auch Kollege Oliver Geißen, der für RTL ab 3. September gemeinsam mit Eisstar Katarina Witt vier Mal durch die "DDR Show - Vom Ampelmann bis zum Zentralkomitee" führt, sagt: "Ich nehme die Vorbehalte sehr ernst. Nur werden wir nichts verherrlichen. Wir werden in unserer Show Elemente übernehmen, die bereits in der Show 'Die 80er' vorkamen." Der gebürtige Hamburger Geißen meint, "wir wissen alles über die Staatssicherheit und Mielke. Aber wer weiß heute schon, was spanisches Bier ist?" Auch Katarina Witt sagt, sie werde mit "einem zwinkernden Auge" durch die Sendung führen, denn in der DDR sei ja nicht alles schlimm gewesen.

Hartes Ringen um Ost-Prominente

Wenn es um die Kritik an den TV-Shows und am Ostalgie-Sog geht, sind sich die Moderatoren der verschiedenen Sendersysteme einig. Denn mit dem Ost-Hype sollen auch kommerzielle Erfolge erzielt werden, bedingt durch hohe Marktanteile und die damit verbundenen Werbeeinnahmen. Aber ansonsten sind sich die Sender spinnefeind. Denn im Vorfeld des Showreigens, den das ZDF am vergangenen Wochenende mit der "Ost-Show" einläutete, setzte das harte Ringen um die wenigen prominenten Gäste aus dem Osten ein. "Einen heftigen Kampf" konstatierte Ulrich Meyer. Und Geißen und sein Produzent, Günther Jauchs I+U TV GmbH, wollen erst einmal den Start von Meyer am Samstag abwarten, bevor sie am Freitag ihre Auftaktshow produzieren.