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Deutscher Fernsehpreis: "Stauffenberg" als Bester Fernsehfilm ausgezeichnet

Beim Deutschen Fernsehpreis hatten diesmal die öffentlich-rechtlichen Sender die Nase vorn. ARD und ZDF gewannen 15 Preise, die Privaten nur acht. Der Ehrenpreis ging an Udo Jürgens.

Er war der am meisten bejubelte und gelobte Preisträger des Abends: Sänger Udo Jürgens, kürzlich 70 Jahre alt geworden, erhielt bei der sechsten Verleihung des Deutschen Fernsehpreises den Ehrenpreis der Stifter aus den Händen von Joachim Fuchsberger - und viel Applaus und Anerkennung von den Gästen. "Das ist ein großer Augenblick in meinem Leben", sagte Jürgens, der vor und nach der Verleihung alle Fragen nach Ruhestand und Rente weit von sich wies. Er werde weitermachen "weil es mir Spaß macht".

Weitere Preisträger waren am Samstag im Kölner Coloneum das vielfach favorisierte ARD-Drama "Stauffenberg", die Moderatoren Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen mit ihrer Show "Genial daneben" und Komiker Olli Dittrich für "Dittsche". ZDF-Showmaster Thomas Gottschalk führte ganz in weiß durch den festlichen Abend und stimmte die rund 1.400 Gäste gleich zu Beginn auf eine harmonische Veranstaltung ein. "Moderatoren, die sich sonst die niedrigsten Quoten und schlechtesten Marktanteile an den Hals wünschen, liegen sich heute in den Armen", sagte Gottschalk - und begrüßte an dieser Stelle lächelnd seinen Kollegen Günter Jauch.

"Es geht nur um Qualität"

ZDF-Intendant Markus Schächter, Gastgeber der Verleihung, betonte die Wichtigkeit des "Fernseh-Oscars": "Einmal im Jahr ist es unser Bestreben, die Besten unseres Faches zu ehren." Dabei komme es nur auf einen Punkt an: "Qualität".

Bester Fernsehfilm: "Stauffenberg"

Vergeben wurden die begehrten Trophäen in 22 Kategorien, dazu kamen zwei Förderpreise und der Ehrenpreis. Erfolgreichster Sender war dabei die ARD mit neun Auszeichnungen. Das Drama "Stauffenberg" des dreifachen Grimme-Preisträgers Jo Baier über das gescheiterte Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gewann in der Königskategorie "Bester Fernsehfilm" - bis zum Schluss der Verleihung mussten die Gewinner zittern, bis Schauspieler Joachim KrOl ihre Auszeichnung bekannt gab. "Es gibt viele Filme, die man machen kann, und einige, die man machen muss", sagte Autor und Regisseur Baier: "Und 'Stauffenberg' war einer, den man machen musste."

Tukur und Gedeck beste Darsteller

Bester Schauspieler wurde Ulrich Tukur, der in "Tatort: Das Böse" einen Massenmörder spielt; den Preis für die beste Schauspielerin erhielt die als "unglaublich wandlungsfähig" bezeichnete Martina Gedeck für ihre Darstellung der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann in "Hunger auf Leben". Die RTL-Produktion "Abschnitt 40" wurde zum zweiten Mal hintereinander Beste Serie, die ARD-Sendung "Berlin, Berlin" Beste Sitcom. Das Team von "Genial daneben" durfte in der Kategorie "Beste Unterhaltungssendung" jubeln - die im knallroten Rosen-Overall auftretende Hella von Sinnen hatte extra eine Einkaufstüte mit dem Werbe-Aufdruck "Die kleinen Preise" mitgebracht, um die Trophäe einzusammeln. Team-Kollege Bernhard Hoecker freute sich auf der anschließenden Party weiter: "Alle sagen einem: Ihr werdet den auf jeden Fall bekommen. Aber jetzt kann ihn mir keiner mehr nehmen."

"Ditsche" war überwältigt

Komiker Olli Dittrich legte sein offensichtliches Erstaunen über die Auszeichnung für seine in einer Imbissbude spielende Improvisations-Sendung "Dittsche - das wirklich wahre Leben" ebenfalls nicht so schnell ab. "Ich bin begeistert und im wahrsten Sinne des Wortes überwältigt."

Keinen Preis gab es für den diesmal doppelt nominierten Günther Jauch, der das aber mit Fassung trug: "Zwei Mal nominiert - das war schon Ehre genug." Er habe ja bereits mehrfach gewonnen, so Jauch: "Jetzt waren mal die Kollegen dran." Sein "Stern TV" hatte in der Kategorie "Beste Informationssendung" gegen Maybrit Illners Polit-Talkshow "Berlin Mitte" den Kürzeren gezogen. Bei der besten Sportsendung setzte sich statt Jauchs Moderation der Vierschanzentournee der bereits Kult gewordene Kommentar des olympischen Wettbewerbs im Dressurreiten von ARD-Reitsportexperte Carsten Sostmeier durch.

"Kurz vorm Heulen"

Jüngste Preisträgerin des Abends war die erst 13 Jahre alte Schauspielerin Henriette Confurius, die im vergangenen Jahr gleich in drei Filmen zu sehen war. "Ich bin wirklich kurz vorm Heulen", kommentierte die völlig überraschte Nachwuchsmimin, die einen der beiden mit 15.000 Euro dotierten Förderpreise erhielt, die Auszeichnung - und feierte mit den "Großen" noch einige Zeit mit.

Alle Preisträger

KategoriePreisträger
Bester Fernsehfilm/Mehrteiler"Stauffenberg" (ARD)
Beste Serie"Abschnitt 40" (RTL)
Beste Sitcom"Berlin, Berlin" (ARD)
Beste Comedy"Dittsche - Das wirklich wahre Leben" mit Olli Dittrich (ARD)
Beste Dokumentation"Das Wunder von Bern - Die wahre Geschichte" von Sebastian Dehnhardt, Prof. Dr. Guido Knopp, Manfred Oldenburg (ZDF)
Beste Reportage"In Gottes Namen - Die Rekruten des Heiligen Krieges" von Dan Setton, Helmar Büchel, Kerstin Mommsen (RTL)
Beste Informationssendung/ Beste Moderation Information"Berlin Mitte" mit Maybrit Illner (ZDF)
Beste Unterhaltungssendung/ Beste Moderation Unterhaltung"Genial daneben - Die Comedy Arena" mit Hugo Egon Balder, Hella von Sinnen und Bernhard Hoecker (Sat.1)
Beste Tägliche Sendung (Service)"Einsatz in 4 Wänden" (RTL)
Beste SportsendungOlympia 2004: Dressurreiten mit Carsten Sostmeier
Beste Regie FernsehfilmDominik Graf für "Kalter Frühling" (ZDF)
Bestes Buch FernsehfilmDetlef Michel für "Die Quittung" (ZDF)
Bester Schauspieler FernsehfilmUlrich Tukur für "Tatort: Das Böse" (ARD)
Beste Schauspielerin FernsehfilmMartina Gedeck für "Hunger auf Leben" (ARD)
Bester Schauspieler SerieHenning Baum für "Mit Herz und Handschellen" (Sat.1)
Beste Schauspielerin SerieIris Böhm für "Die Sitte" (RTL)
Bester Schauspieler Nebenrolle Jürgen Hentsch für "Im Schatten der Macht" (ARD)
Beste Schauspielerin Nebenrolle Gabriela Maria Schmeide für "Leben wäre schön" (ARD)
Beste KameraHolly Fink für "Die Ärztin" (ZDF), Carola Stern - "Doppelleben" (ARD) und "Leben wäre schön" (ARD)
Bester SchnittDagmar Lichius für "Mein erstes Wunder" (ARD)
Beste MusikOliver Biehler für "Mein erster Freund, Mutter und ich" (ProSieben) und "Das siebte Foto" (ProSieben)
Beste AusstattungAnne Schlaich (Szenenbild) und Bettina Marx (Kostümbild) für "Mein erster Freund, Mutter und ich" (ProSieben)
Die FörderpreiseHenriette Confurius für "Bella Block: Das Gegenteil von Liebe" (ZDF), "Mein erstes Wunder" (ARD) und "Polizeiruf 110: Verloren" (ARD). Stefan Suchalla für "Maison de France" (ARD)
Ehrenpreis der Stifter
Nicole Lange, AP / AP