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Deutscher Fernsehpreis 2005: Preise über Preise

Zum siebten Mal wurde der umstrittene Deutsche Fernsehpreis in Köln verliehen und lockte 1600 prominente Gäste an. Aber nach wie vor sucht die mediale Auszeichnung nach einem klaren Profil.

Das deutsche Fernsehen schaute an diesem Wochenende wieder auf Köln. Zum siebten Mal wurde an diesem Samstag im Coloneum der Deutsche Fernsehpreis für herausragende Leistungen im Dienste des Mediums TV verliehen. "Unser Respekt gilt allen Nominierten. Ob ihr gewinnt oder nicht, ihr seid die Größten", sagte Moderatorin Anke Engelke. Für sie ist es der erste Fernsehauftritt nach der Geburt ihres zweiten Babys gewesen.

Kritiker verlangen eine klare Linie

1600 prominente Gäste kamen zur Gala. Die Auszeichnungen wurden in 23 Kategorien verliehen. Außerdem gab es einen Ehrenpreis der Jury sowie zwei mit jeweils 15.000 Euro dotierte Nachwuchspreise. Sat.1 strahlte die von Anke Engelke und Hugo Egon Balder moderierte Gala am Sonntag um 20.15 Uhr aus. Laudatoren der Preisverleihung waren unter anderem Harald Schmidt, Barbara Rudnik, Christoph M. Orth, Helge Schneider und Iris Berben.

Den Deutschen Fernsehpreis sieht die TV-Branche gern auf einer Ebene mit Ehrungen wie Grimme-Preis, Bambi oder Goldene Kamera. Doch nach wie vor sucht der Preis, gestiftet von der vier großen Sendern ARD, ZDF, RTL und Sat.1, nach seinem klaren Profil. Denn jährlich wechselt die Federführung von Kanal zu Kanal - dementsprechend ändern sich auch die Kategorien: Der ausstrahlende Sender darf bei den Auszeichnungen nicht zu kurz kommen. Kritiker haben schon oft verlangt, nicht jedes Jahr die Preis-Sektionen neu zu definieren.

Sieg für Monica Bleibtreu

Auch Randbereiche des Fernsehens, so wurde schon häufig gerügt, kämen zu kurz: Herausragende Leistungen im Kinder- oder Musik-TV blieben bislang ohne Würdigung. Innovationen im Medium TV wie zum Beispiel die Gründung eines neuen Geschäftsmodells (etwa Neun Live) wurden bei der Preisvergabe in den vergangenen Jahren nicht berücksichtigt. Die Nabelschau der Branche beschränke sich fast völlig auf die Leistungen der etablierten Kanäle, hieß es bereits.

Gleich jedoch bleibt von Jahr zu Jahr die Kategorie "Beste Schauspielerin". Dieses Mal wurde Iris Berben für ihre Rolle im quotenstarken ZDF-Dreiteiler "Die Patriarchin" (lief im Januar im TV) nominiert. Sie musste sich gegen Monica Bleibtreu ("Marias letzte Reise") und Johanna Wokalek ("Die Kirschenkönigin") durchsetzen - allerdings erfolglos, denn Bleibtreu kassierte den Preis ein. In der Kategorie "Bester Schauspieler" trat Sebastian Koch ("Speer und Er") gegen seine Berufskollegen Misel Maticevic ("Das Zimmermädchen und der Millionär" und "Hotte im Paradies") und Ulrich Noethen ("Der Boxer und die Friseuse" und "Die Patriarchin") an und siegte.

Sat.1 ganz vorn

Im Sendervergleich führte die ARD mit 27 Nominierungen, das ZDF folgte mit 22, Sat.1 mit 14, RTL mit sieben, die Dritten Programme mit vier, ProSieben mit 3 Nennungen und Premiere mit einer Nennung. Der Ehrenpreis der Jury fürs Lebenswerk ging an Dietmar Schönherr. Sat.1 war mit sechs Auszeichnungen in diesem Jahr der erfolgreichste deutsche Privatsender.

Carsten Rave/DPA / DPA