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Deutscher Filmpreis: "Gegen die Wand" ist der große Gewinner

Der Film "Gegen die Wand" des türkischstämmigen Regisseurs Fatih Akin hat nach dem Goldenen Bären der Berlinale auch den Deutschen Filmpreis in Gold 2004 gewonnen.

Das deutsch-türkische Liebesdrama "Gegen die Wand" ist der große Sieger beim 54. Deutschen Filmpreis 2004: Der Film des türkischstämmigen Filmemachers Fatih Akin wurde mit der goldenen Lola als bester Spielfilm und vier weiteren Preisen ausgezeichnet. Er hatte bereits im Februar den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen. Den Filmpreis in Silber vergab Kulturstaatsministerin Christina Weiss am Freitag bei der Gala im Berliner Tempodrom an das Fußballdrama "Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann und an "Kroko" von Sylke Enders. Der Deutsche Filmpreis ist mit insgesamt fast drei Millionen Euro der höchstdotierte deutsche Kulturpreis.

Der Hauptpreis für Akin, die goldene Lola als bester Spielfilm, ist mit 500 000 Euro verbunden. Für seinen Film über Probleme der deutschen Türken der zweiten Einwandergeneration wurde der in Hamburg lebende 30-jährige Akin auch als bester Regisseur des Jahres ausgezeichnet. Wortmann meinte, "Gegen die Wand" sei ein "sehr, sehr guter Film, gegen den kann man auch verlieren".

Akins Hauptdarsteller Sibel Kekilli und Biro Ünel gewannen für ihre schauspielerische Leistung ebenfalls jeder eine Lola in Gold, ebenso wie Kameramann Rainer Klausmann. Kekilli hatte am Tag zuvor in Berlin auch den "new faces award" der Zeitschrift "Bunte" als beste Nachwuchsdarstellerin erhalten. Die gelernte Heilbronner Verwaltungsfachangestellte Kekilli (24) stand für den Film zum ersten vor einer Kinokamera. Nach der Berlinale war sie in die Schlagzeilen geraten, als bekannt wurde, dass sie früher in Pornos mitgespielt hat, was ihr auch großen Ärger mit ihrer Familie brachte.

Passend zur derzeit laufenden Fußball-Europameisterschaft gewann "Das Wunder von Bern" über den legendären deutschen Sieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern neben der Lola in Silber auch die beiden (undotierten) Publikumspreise als "Deutscher Kinofilm des Jahres" und - für Peter Lohmeyer - als Schauspieler des Jahres. Der Helmut-Rahn-Darsteller in dem Film, Sascha Göpel, hatte zuvor ebenfalls einen "new faces award" der Zeitschrift "Bunte" als bester Nachwuchsschauspieler gewonnen.

Eine goldene Lola erhielten am Freitag für die besten Nebenrollen Fritzi Haberlandt ("Liegen lernen") und Detlev Buck ("Herr Lehmann"), Sarah Clara Weber für den Schnitt in dem Film "Muxmäuschenstill", Natascha E. Tagwerk für das Szenenbild in "Schultze gets the Blues" sowie Max Berghaus, Dirk Reichhardt und Stefan Hansen für die Musik zu "Erbsen auf halb 6". Der Berliner Autor Sven Regener wurde für sein Drehbuch zu "Herr Lehmann" mit einer goldenen Lola ausgezeichnet.

Als Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film wurde der Schauspieler Mario Adorf mit dem Deutschen Filmpreis in Gold geehrt. Bester ausländischer Film wurde "Lost in Translation" von Sofia Coppola.

Zu der festlichen Gala, die erstmals live im Bezahlsender Premiere ausgestrahlt wurde (die ARD sendet am Samstag um 23.55 Uhr eine Aufzeichnung), waren rund 2000 Gäste aus Kultur und Politik geladen, darunter der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die Schauspieler Senta Berger, Maximilian Schell, Daniel Brühl und Uwe Ochsenknecht, die Regisseure Tom Tykwer, Doris Dörrie und Caroline Link sowie Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus. Durch den Abend führten die Schauspielerin Jessica Schwarz und "Tagesthemen"- Moderator Ulrich Wickert.

Der Deutsche Filmpreis soll im nächsten Jahr erstmals von der neu gegründeten Deutschen Filmakademie verliehen, aber weiterhin vom Bund finanziert werden.