Deutscher Filmpreis Lola ähnelt Oscar immer mehr


Erstmals küren am Freitag die 600 Mitglieder der neu gegründeten Deutschen Filmakademie die Sieger des Deutschen Filmpreises. Ähnlichkeiten mit dem Academy Award sind ausdrücklich erwünscht.

Für die Lola brechen neue Zeiten an: Vor drei Jahren schlug Filmproduzent Bernd Eichinger ("Der Untergang") vor, eine Filmakademie mit Vertretern der gesamten Filmbranche zu gründen, die die Filmpreise nach dem Vorbild der alljährlich die Oscars vergebenden American Academy verleiht. Jetzt ist es soweit. Michael "Bully" Herbig führt an diesem Freitag in der Berliner Philharmonie durch die Filmpreis-Gala mit 2000 Gästen.

"Wenn man die Entscheidungen der Akademie für die Nominierungen sieht, dann weiß man, dass man jetzt alle anfänglichen Bedenken über Bord werfen kann", sagt Kulturstaatsministerin Christina Weiss, von der weiter das Geld für den mit insgesamt rund 2,9 Millionen Euro höchst dotierten nationalen Kulturpreis kommt. Kritiker hatten im Vorfeld befürchtet, der Einfluss der Produzenten könne zu groß sein und kleinere Filme keine Chance mehr haben.

Filme über die Nazi-Vergangenheit dominieren

Tatsächlich finden sich in den 16 Nominierungskategorien große Produktionen wie Eichingers monumentaler Hitler-Film "Der Untergang" neben kleinen Filmen wie Maren Ades Lehrerinnen-Drama "Der Wald vor lauter Bäumen." Im Gedenkjahr zum 60. Jahrestag des Kriegsendes sind in der Kategorie "Bester Spielfilm" zwei Regiearbeiten nominiert, die vom Leben in der Nazi-Diktatur erzählen: Volker Schlöndorffs "Der neunte Tag" mit Ulrich Matthes und Marc Rothemunds "Sophie Scholl - Die letzten Tage" mit Julia Jentsch.

"Der Untergang" ist nicht als bester Film nominiert, erhielt aber drei Nominierungen für seine hervorragenden Schauspieler: Hitler-Darsteller Bruno Ganz tritt in der Kategorie Beste männliche Hauptrolle gegen Ulrich Matthes und August Diehl (beide "Der neunte Tag") sowie Henry Hübchen ("Alles auf Zucker") an. Die "Untergang"-Darstellerinnen Corinna Harfouch und Juliane Köhler sind in der Kategorie Beste weibliche Nebenrolle nominiert.

"Alles auf Zucker" zehn Mal nominiert

Mit gleich zehn Nominierungen geht die deutsch-jüdische Familiengeschichte "Alles auf Zucker" von Dani Levy als großer Favorit in das Rennen - die einzige klassische Komödie in der Kategorie Bester Spielfilm. Das Holocaust-Drama "Der neunte Tag" folgt mit acht Nominierungen. Um den Hauptpreis konkurrieren außerdem "Der Wald vor lauter Bäumen" von Maren Ade sowie "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner und "Agnes und seine Brüder" von Oskar Roehler.

"Ich hoffe, dass man sich jetzt mit bestimmten Entscheidungen auseinander setzt und sich fragt, welche Qualitätsmaßstäbe gelten", so Akademie-Vorstand Stefan Arndt in der Fachzeitschrift "Filmecho". Der Filmakademie gehören alle bisherigen Filmpreis-Gewinner sowie weitere Schauspieler, Regisseure und Produzenten an. Akademie-Präsidenten sind die Schauspielerin Senta Berger und der Produzent Günter Rohrbach. Im Vorstand sitzen unter anderem der deutsche Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus, Regisseur Tom Tykwer und die Schauspielerinnen Meret Becker und Jasmin Tabatabai.

che, mit Material von DPA


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