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"Der Bernd": Eichinger-Doku feiert in München Weltpremiere

Eine Hommage für einen der bedeutendsten deutschen Filmemacher: Beim Filmfest München ist die Dokumentation "Der Bernd" über den verstorbenen Bernd Eichinger uraufgeführt worden. Ein persönlicher und berührender Premierenabend.

Er lebte für den Film - und jetzt ist auch aus seinem Leben einer geworden: Rund anderthalb Jahre nach dem plötzlichen Tod des Filmemachers Bernd Eichinger hat eine berührende Dokumentation über ihn Weltpremiere gefeiert. Der Dokumentarfilm "Der Bernd" wurde am Mittwochabend beim Filmfest München gezeigt - und vom Publikum bejubelt. Die Constantin, die Eichinger als Vorstand einst an die Spitze der deutschen Kinolandschaft führte, hat den Film in Auftrag gegeben.

"Die Constantin war der Mittelpunkt im größten Teils des Lebens von Bernd Eichinger", sagte Constantin-Vorstand Martin Moszkowicz am Premierenabend. Die Dokumentation sei ein Film von den "Leuten, mit denen er zusammen gearbeitet hat". Einige dieser Mitarbeiter hatten nach der Vorführung Tränen in den Augen.

Im Film berichten Freunde und Weggefährten Eichingers wie Doris Dörrie, Bruno Ganz, Michael "Bully" Herbig, Moritz Bleibtreu, #link;www.stern.de/kultur/film/til-schweiger-90279536t.html;Til Schweiger# oder Hollywood-Diva Milla Jovovic von ihren Erlebnisse mit Eichinger - auch viele von ihnen mit Tränen in den Augen. "Er war cool", sagt Schweiger schlicht zu Beginn. Schauspielerin Nina Hoss wird immer einen Satz mit Eichinger verbinden: "Das ist der Hammer." Und Bleibtreu hat ihn gerne mit Komplimenten verlegen gemacht. "Ich hab' ihm immer gesagt, dass er der Größte ist." Eichingers Tochter Nina und seine Witwe Katja geben einen Eindruck von dem Privatmann Eichinger, für den ein Einkauf im Supermarkt etwas ungemein Exotisches war.

Boxen bis die Hand gebrochen war

Der Film erzählt von der einmaligen Karriere Eichingers, die an der Münchner Filmhochschule startete und ihn schließlich nach Hollywood führte. Stationen sind dabei Eichingers Zeit in einem Deggendorfer Internat, die er bis zuletzt als die schlimmste seines Lebens bezeichnete, und natürlich seine Filme: "Der Name der Rose", "Christiane F." oder "Der Baader Meinhof Komplex".

Die Dokumentation von Carlos Gerstenhauer würdigt Eichinger als den letzten seiner Art. Als Filmmogul, als Lebemann. "Er war einer der letzen, der im Alleingang Sachen gemacht hat", heißt es im Film. Die Doku ist eine Verbeugung vor Eichinger geworden - ohne in eine Lobhudelei auszuarten. Ein persönlicher und berührender Film, der eine Ahnung davon gibt, was Eichingers Kollegen, Freunde und seine Familie - und auch die deutsche Kinowelt - mit ihm verloren haben.

Der Film beginnt mit Eichingers Lachen, das die, die ihn kannten, immer in Erinnerung behalten werden, und er endet auch damit. Die Bilder von der großen Trauerfeier in München sind nicht die, mit denen der Film seine Zuschauer entlässt. Die letzte Erinnerung gebührt Til Schweiger. Er berichtet von einer durchzechten Nacht. Er und Eichinger seien völlig betrunken gewesen und hätten immer wieder gegen die Wand geboxt. Danach gingen sie noch feiern. Am nächsten Tag saß Eichinger mit gebrochener Hand im Büro. Feiern konnte er gut, sagen die, die ihn kannten. Und er hatte nie einen Kater.

Zur Premiere kam neben Dörrie und Moszkowicz auch Eichingers frühere Lebensgefährtin Hannelore Elsner. Eichinger und die Frauen - auch das ist ein Kapitel des Doku-Films. Eichingers Witwe Katja, die im Herbst eine Biografie über ihren Mann veröffentlichen will und auch beim Film mitgewirkt hat, kam zwar zur Premiere, wollte sich den Film aber noch nicht ansehen. "Wenn die Zeit gekommen ist, werde ich den Film sehen - aber nicht auf der Premiere", sagte sie dem Fernsehsender Tele5.

Britta Schultejans, DPA / DPA