HOME

Dritter Teil der Twilight-Saga "Eclipse": Ein Vorspiel ohne Ende

Ein süßes Mädchen steht vor der Qual der Wahl zwischen zwei Jungs, die - egal wie spröde oder dämlich sich die Kleine anstellt - sie bis in alle Ewigkeit lieben. Dies ist in Kürze die Handlung von "Eclipse - Biss zum Abendrot", der dritten Verfilmung des Twilight-Liebesepos von Bestsellerautorin Stephenie Meyer.

Ein süßes Mädchen steht vor der Qual der Wahl zwischen zwei Jungs, die - egal wie spröde oder dämlich sich die Kleine anstellt - sie bis in alle Ewigkeit lieben. Dies ist in Kürze die Handlung von "Eclipse - Biss zum Abendrot", der dritten Verfilmung des Twilight-Liebesepos von Bestsellerautorin Stephenie Meyer. Ihren Charme bekommt die Geschichte durch den speziellen Charakter der Verehrer: Der eine ist ein Vampir, der andere ein Werwolf. Und beide sehen wahnsinnig gut aus.

Bis jetzt spielten die Blutsauger-Romanzen weltweit 1,1 Milliarden Dollar ein. Zum Filmstart am 15. Juli setzen WM-geschädigte Kinobetreiber auch hierzulande ihre Hoffnungen auf die sonst vernachlässigte Jungmädchen-Klientel. Denn so verächtlich die Literaturkritik mit den puritanischen Romanen umspringt, so hat Mormonin Meyer mit ihrem Plädoyer für Enthaltsamkeit doch einen Nerv getroffen. Schon steht fest, dass das Finale, der geplante vierte Film, à la "Harry Potter" zweigeteilt wird. Und wie seine Vorgänger nimmt David Slade - die Regisseure wechseln wie bei "Potter" pro Fortsetzung - den Schmonzes bitterernst.

Die Heldin Bella also ist mehr denn je dem ritterlichen Edel-Vampir Edward Cullen zugetan, der 109 Jahre alt ist und aussieht wie 18. Er soll sie endlich beißen, damit sie Teil seiner Welt wird; Edward aber, Kavalier alter Schule, will sie zuvor heiraten. Ihr verliebter Disput wird überschattet von den Umtrieben einer besonders blutgierigen Jungvampirspezies unter der Fuchtel von Victoria, die mit dem Paar noch eine Rechnung offen hat. Um Bella zu schützen, paktiert Familie Cullen mit ihren Todfeinden, einem Indianerclan von "Formwandlern", die als Werwölfe durch die Wälder streifen. Darunter befindet sich Bellas Freund Jacob Black, der ihr seine Liebe gesteht.

Die Computeranimation ist diesmal sorgfältiger, was besonders der Werwolf-Optik zugute kommt. Doch obwohl Slade durch den Vampirhorrorfilm "30 Days of Night" bekannt wurde, erhöht er die Dosis an Action und Brutalität nur schwach. Stattdessen wird innig gekuschelt und das ABC der Verliebtheitsgefühle durchbuchstabiert. Und hier reden vor allem die Jungs. Wenn Edward, wieder mal, Bella erklären muss, warum er nicht mit ihr schlafen will, ruft dies zumindest bei älteren Zuschauern (sofern diese inmitten des ausufernden Schmachtens nicht schon sanft entschlummert sind) unromantische Mutmaßungen hervor.

Vom Küssen abgesehen, ist Sex auch diesmal tabu. Selten aber war Keuschheit so erotisch wie in diesen total auf die weibliche Zielgruppe geeichten Fantasy-Tändeleien. So bekommt der blasse britische Mädchenschwarm Robert Pattinson als leicht dandyhafter Edward mit Taylor Lautner als Naturbursche Jacob einen animalisch-sinnlichen Rivalen, was in Fankreisen prompt zu "Team Edward" und "Team Jacob"-Bildungen führte. "Hat der kein Hemd", zischt Edward angesichts Lautners sensationellem, weidlich vorgeführtem bloßen Oberkörper. Und wenn Bella friert, sticht Jacob den coolen Untoten mit den Worten "ich bin heißer als du" aus und darf sie wärmen.

Die Jungs, die hier - selten genug im Kino - als Objekt der Begierde präsentiert werden, beharken sich mit geradezu weiblicher Zickigkeit. Angesichts so viel männliche Pracht wirkt Bella (Kristen Stewart) wie eine graue Maus, deren Hauptaktivität waidwunde Blicke sind und in der niemand eine Geschlechtgenossin etwa der munteren "Sex and the City"-Crew vermuten würde. Als perfekte Identifikationsfigur für Pubertierende glänzt die zierliche Trauerweide stattdessen in allen Stadien des Weltschmerzes. "Beißt sie doch endlich oder unternimmt sonst was!" möchte man ihren Galanen zurufen. Mal sehen, wie lange ihre Anhängerinnen dieses ewige Vorspiel noch spannend finden.

Birgit Roschy, APN / APN
Themen in diesem Artikel