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Tori Amos: Welcome to Sunny Florida

Sieben Alben und unzählige Konzerte hat es gedauert, bis es endlich eine Live-DVD von Tori Amos gibt: "Welcome to Sunny Florida", voller guter Musik - und leichter handwerklicher Schwächen.

Sie spielt auch mal zwei Klaviere gleichzeitig, singt dabei eigenwillig und doch präzise und verströmt eine ungeheure Leidenschaft für Musik - live ist Tori Amos immer etwas Besonderes. Sieben Alben und unzählige Konzerte hat es gedauert, bis es endlich eine Live-DVD der amerikanischen Songwriterin gibt. "Welcome to Sunny Florida" heißt der Mitschnitt ihres Tournee-Abschlusskonzerts, das sie im September 2003 in Palm Beach/Florida gegeben hat.

Viel zu filmen gibt es nicht, wenn Amos auftritt: Da sind ihre altgedienten Mitstreiter Matt Chamberlain am Schlagzeug und Jon Evans am Bass, eine mit dezentem Lichtdesign gestaltete Bühne. Und eingepfercht zwischen Bösendorfer Flügel, Rhodes E-Piano und Wurlitzer-Orgel, zierlich und doch die Bühne beherrschend: Tori. Kein Tanzen, keine choreographierte Show - alles steht und fällt mit ihrer Performance und ihrem Charisma. Genau das musste Regisseur Loren Haynes einfangen.

Ist es ihm gelungen?

Häufig.

"Welcome to Sunny Florida" ist eine gute, aber keine herausragende Konzert-DVD geworden. In seinen besten Momenten transportiert der mehr als zweistündige Mitschnitt - der 18 Songs umfasst - tatsächlich etwas von der einzigartigen Atmosphäre, von Amos' fast erotischem Verhältnis zu ihren Instrumenten. Es gibt faszinierende Nahaufnahmen ihres Gesichts und einige interessante Sequenzen, die das Geschehen hinter der Bühne zeigen. Sehr amüsant sind Amos' Improvisationen, während sie von der Maskenbildnerin (wegen der Filmaufnahmen) auf der Bühne nachgeschminkt wird.

Handwerkliche Schwächen

Frau Amos' Souveränität hat sich leider nicht auf Regisseur Haynes und seine Kameracrew übertragen. Die Aufnahmen kranken häufig an überhasteten Zooms und holprigen Kamerabewegungen. Vom Publikum gibt es gar nichts zu sehen, die Bühne in der Totalen blitzt nur ganz selten auf - und auch Toris ausgezeichnete Musiker werden nur selten gezeigt. Optisch hätte man vieles besser machen können. Die Bildqualität der DVD ist in Ordnung, aber dennoch verbesserungsfähig. Besser zum Glück: der Ton. Stereo- und auch 5.1-Surround-Abmischung (beide durchgeführt von Amos' Ehemann Mark Hawley) sind gelungen

Extrawürste, die schmecken

Das Angebot an Extras auf der DVD ist übersichtlich, aber von guter Qualität. Es gibt ein tief gehendes und sehr interessantes Interview mit der Meisterin selbst, in dem sie unter anderem erzählt, dass eine Plattenfirma zu ihrem Album "Little Earthquakes" (1992) allen Ernstes den Vorschlag gemacht hat, das Piano durch Gitarren zu ersetzen. Vor Anekdoten sprüht auch das Interview mit Mutter Amos, das in Toris Garderobe aufgenommen wurde - während die Tochter im Hintergrund die Haare gemacht bekommt und sich bei Bedarf ins Gespräch einmischt. Auch schön: Ein Tour-Jahrbuch mit vielen Bildern, dargeboten in Form einer selbst ablaufenden Diashow und unterlegt mit einer auszeichneten Live-Version von "Past the Mission".

Und dann war da noch…

Anstatt weiterer Extras auf der DVD bietet "Welcome to Sunny Florida" ein Schmankerl anderer Art: Eine CD mit sechs bisher unveröffentlichten Songs aus der Zeit von Amos' letztem Studioalbum "Scarlet's Walk" (2002). Passenderweise trägt die Scheibe den Titel "Scarlet's Hidden Treasures" und bietet durchweg schöne, ja sogar einige wunderbare Songs ("Ruby through the Looking Glass", "Indian Summer")

Sony Music, 179 Minuten (plus Audio-CD), Stereo & Dolby Digital 5.1, ca. 25 Euro

Ralf Sander