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Eva Mendes und Scarlett Johansson: Gipfeltreffen der Sexbomben

Sie sind Hollywoods angesagteste Sexbomben: Die lolitahafte Blondine Scarlett Johansson und die glutäugige, brünette Versuchung Eva Mendes. Beide auf einmal sind allerdings ein bisschen viel. Im Film "The Spirit" wie in der Hotelsuite.

Von Sophie Albers

Die Leinwand ist kurz davor zu platzen. In Frank Millers "The Spirit" lauern, stolzieren und schlängeln sich in fast jeder Szene überdimensionale Ikonen der weiblichen Schönheit. Die Adaption von Will Eisners Comic aus den 40er Jahren ist ein Fest der Kurven, glitzernder Edelsteine, Wasser auf praller Haut und gehauchten Drohungen auf Lippen so sinnlich wie frisch gepflückte Kirschen. Männer, auch wenn der Held einer ist, spielen in dieser holzschnittartigen Fabel von Liebe, Tod und Bestimmung eher eine Nebenrolle. Und das liegt vor allem an Scarlett Johansson und Eva Mendes.

Wie Schneeweißchen und Rosenrot - nachdem die Prinzen sie mit dem Poolboy und der Schwiegermutter gleichzeitig betrogen haben - beherrschen diese schönen Rächerinnen des so gar nicht schwachen Geschlechts die für Miller typischen schwarz-weiß-roten Stadtansichten und Gefühlslandschaften. Johansson ist Silken Floss, die rechte Hand des Bösewichts Oktopus (Samuel L. Jackson), die mal aussieht wie die Pin-Up-Version einer 50er-Jahre-Sekretärin, um dann im nächsten Bild als Über-Geisha gefeiert zu werden. Intelligent, durchtrieben und machtgeil zieht sie die Fäden im Hintergrund.

Tödliche Weiblichkeit

Das Gegenstück zu ihrer erotischen Kälte ist die wallende Hitze von Sand Saref, gespielt von Mendes. Ob in der zweiten Haut eines Taucheranzugs oder einem Abendkleid, das hauptsächlich aus Schlitz und Ausschnitt besteht, atmet die Großkriminelle mit jeder unbedeckten wie bedeckten Pore Weiblichkeit. Allerdings tödliche Weiblichkeit. Schließlich ist sie eine Art menschliche Elster auf der Jagd nach Geschmeide, Freiheit und Anerkennung. Dabei geht sie über Leichen. 14 Ehemänner hat sie bereits auf dem Gewissen.

So atemberaubend schön inszeniert die Frauen in diesem Film sind, so sehr leidet darunter die Geschichte. Eigentlich ist es nämlich egal, dass ein untoter Ex-Cop mit einer Schwäche für Katzen nachts durch die Stadt streift, um das Böse zu bekämpfen. Dass er lieber "seine Stadt" beschützt, als seine große Liebe (Saref) zu retten. Einer Schlacht folgt die nächste, bis zum Showdown. Aber auch der wäre nichts ohne die Frauenkörper, die sich immer wieder lasziv ins Bild schieben. Um es kurz zu machen: Der Comic-Künstler und Regisseur Miller, der sich 2005 mit "Sin City" ins Kino vorwagte, hat mit "The Spirit" den aktuellen Sexsymbolen der Traumwerkstatt Hollywood ein Denkmal gesetzt. Problematisch wird es allerdings, wenn Denkmäler anfangen, ohne Regieanweisungen zu sprechen.

Ganz real und ungeschminkt

Eva Mendes besitzt die natürliche Eleganz, das Bild von Sand Saref sehr schnell aus dem Kopf zu verscheuchen. "Hey, da stecken stundenlanges Haarestylen und Make-Up drin", sagt die Kubanerin im Gespräch mit stern.de und lacht laut und voll. "Sand Saref ist eine Kombination aus tödlichem Sexappeal, triefendem Glamour und Härte. Ich musste sicher sein, dass ich gut aussehe." Die 34-jährige Mendes, die bereits Will Smith in "Hitch" betörte, sitzt ganz real und ungeschminkt mit strubbeligem Pferdeschwanz in einer Berliner Hotelsuite und wirkt unglaublich entspannt.

Wird es eigentlich irgendwann langweilig, immer sexy sein zu müssen? "Gucken Sie mich doch an. Ich habe heute eine Decke an." Wieder dieses raumfüllende Lachen. Die "Decke" ist ein langes, graues Wollkleid mit Rollkragen, um den sie noch einen Schal gewickelt hat. "Du musst aufdrehen, wenn es ums Aufdrehen geht. Aber ich bin nicht besessen davon. Wenn ich für einen Film werbe, muss ich auf dem roten Teppich gut aussehen. Dann trage ich ein tolles Kleid und drehe auf, weil es für den Film ist. Aber jetzt geht es nicht ums Schauspielern, und ich muss auch nicht meinen Körper zeigen." Sie hat das Wort "Körper" gehaucht und grinst sofort wieder breit. Warum "The Spirit"? Auch darauf hat sie eine zufriedenstellende Antwort: "Weil Frauen in Comics normalerweise immer nur das Fräulein in Not sind. Hier sind sie aber das Rückgrat des Films. Sie haben die Kontrolle. Egal ob gutes Mädchen oder böses Mädchen."

Die Lust am bösen Mädchen

Offenbar immer noch ein böses Mädchen mit Kontrollwahn ist an diesem Tag Scarlett Johansson. Nichts scheint den voluminösen Lippen des Stars aus Filmen wie "Lost In Translation" und "The Island" in diesem Moment ferner zu liegen als ein Lächeln. Dafür zeigt die 24-Jährige immer noch, was sie hat: Ihre Taille ist eingeschnürt zwischen einem Cashmere-Pulli und einem dunkel-glänzenden Rock. Dazu trägt sie High-Heels und ein Dekolletee, das man beim besten Willen nicht übersehen kann, während man mit ihr spricht. Egal wie höflich man sich bemüht, der Blick fällt immer wieder runter. Das quittiert sie wiederum mit einem Blick, als wolle sie sagen, "Wage es bloß nicht, mich sexy zu finden." Ihre schlecht gelaunten Antworten erledigen den Rest. "Klar sind starke Frauencharaktere gut, was denken Sie denn", schmollt sie. "Reines Sexappeal ist so langweilig wie ein sexy Kerl ohne T-Shirt am Strand." "Warum stehen Frauen auf böse Männer", sei übrigens eine sexistische Frage, sagt sie und schaut ins Nichts. "Denken Sie an Eva Braun." Nein, Scarlett Johansson hat heute keine Lust.

Während dieser ultimative Männertraum stocksteif auf seinem Stuhlrand sitzt und einen Großteil der Vorstellungen zerschlägt, die Hollywood mühsam zusammengezimmert hat, wird klar, dass diese Suite für zwei Sexbomben offenbar zu klein ist. Und Eva war ja schließlich zuerst da.