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2. Staffel von "Westworld": Wie Evan Rachel Wood ihre Rolle hilft, mit dem eigenen Trauma umzugehen

In der Science-Fiction-Western-Serie "Westworld" spielt sie eine Roboter-Dame, der von zahlender Kundschaft zur Befriedigung ihrer Triebe geschändet wird. Warum das eine besondere Rolle für Schauspielerin Evan Rachel Wood ist.

Von Christine Kruttschnitt

Evan Rachel Wood – "Westworld"-Star auf Rachefeldzug

"'Westworld' war mein Exorzismus", sagt Evan Rachel Wood über ihren Serienpart

Für einen intelligenten Menschen, sagt Evan Rachel Wood, ist die Serie "Westworld" eine Zumutung. So viele Rätsel, so viele offene Fragen! Was ist Wirklichkeit, wann beginnt das Bewusstsein? Und müssen Roboter eigentlich blinzeln, wenn sie in die Sonne schauen?

Letzteres schoss der Schauspielerin durch den Kopf, als sie in der Wüste von Utah stand in ihrem himmelblauen Bauernkleid und bei sengender Hitze ihren Text als Dolores Abernathy sprach – der Heldin von "Westworld", einer unschuldigen Farmerstochter, die über Dekaden angehimmelt, geschändet und gern auch mal ermordet wird. Was Dolores, wie alle Fans der ersten Serienstaffel wissen, nur peripher etwas ausmacht: Denn sie ist eine täuschend menschlich aussehende Androidin in einem Vergnügungspark der Zukunft, geschaffen einzig zur Triebabfuhr der zahlenden Gäste.

Evan Rachel Wood erzählt von Vergewaltigung

Die zweite Staffel der 2016 mit viel Tamtam gestarteten Science-Fiction-Western-Serie ist gerade im deutschen Fernsehen angelaufen (zehn Folgen jeweils montags, 20.15 Uhr auf Sky Atlantic). Sie erzählt vom Aufstand der Roboter gegen ihre Ausbeuter: Die süße Dolores hat gerade ihrem Schöpfer (gespielt von Anthony Hopkins) in den Kopf geschossen und reitet fortan an der Spitze einer interspeziären #MeToo-Bewegung – künstliche Intelligenz gegen menschliche Schweine; philosophischer Tiefgang mit profanem Krawumm.

Dolores, sagt Evan Rachel Wood, sei die beste Figur in ihrer Karriere. Die 30-Jährige hat im Fernsehen schon eine 500 Jahre alte Vampirkönigin (in der Serie "True Blood" von Alan Ball) und im Kino erschreckend zynische Lolitas gespielt. Als Tochter zweier Schauspieler aus North Carolina gab sie ihr Bühnendebüt bereits in Windeln, seit ihrem elften Lebensjahr steht sie vor der Kamera. Wood hat schnell erkannt, dass Dolores, der missbrauchte Engel, der über den programmierten Code hinaus zu sich selbst findet und einen eigenen Willen entwickelt, mehr als nur eine perfekte Rolle ist – weil sie in gewisser Weise auch ihr eigenes Leben widerspiegelt.

Denn die Pein ihrer Serienfigur ist Wood vertraut: Im Februar dieses Jahres reiste die in Nashville lebende Schauspielerin und Sängerin nach Washington, um dort vor dem US-Kongress von ihren Misshandlungen zu berichten. Eingeladen von der Organisation "Rise", die Opfern sexueller Gewalt zur Seite steht, erzählte Evan Rachel Wood, wie sie vergewaltigt worden war: einmal von dem Mann, mit dem sie damals zusammenlebte, später von jemandem, den sie in einer Bar kennenlernte. In ruhigem Ton schilderte sie, wie sie Schläge und Folter ertrug; wie sie jahrelang an Schlaflosigkeit und Depressionen litt und sich mit 22 Jahren das Leben nehmen wollte. Während ihrer Anhörung trug sie an einer Kette ein Medaillon um den Hals: mit einem Bild von Dolores.

"Ich zitterte tagelang vor Nervosität", sagt Wood beim Interview in Los Angeles. Sie ist eine schmale Frau mit makelloser weißer Haut und akkuratem Kurzhaarschnitt, der ein wenig an die Frisur von Barbies Freund Ken erinnert. Über all die Jahre hatte sie sich gesagt: Maul halten, vergessen, weitermachen, erzählt Wood. Aber als sie sich für die Dreharbeiten die Perücke von Dolores überzog, als sie deren Schicksal wiedergab: Da flossen die Tränen. "Westworld", sagt Wood, "war mein Exorzismus."

Und: "Diese Erinnerungen werden mich immer quälen. Aber ich empfinde es als Trost, dass ich sie jetzt verwenden kann, dass sie irgendwie sinnvoll geworden sind." Wood, die 2011 via Twitter bekannt gab, dass sie bisexuell ist, hat einen vierjährigen Sohn mit dem britischen Schauspieler Jamie Bell; die beiden sind nach einer nur zweijährigen Ehe seit 2014 getrennt. Über den Namen des Lebensgefährten, der sie misshandelt hat, wurde in den amerikanischen Medien viel spekuliert: Als 19-Jährige hatte Wood den doppelt so alten Schockrocker-Sänger Marilyn Manson kennengelernt und sich 2010 mit ihm verlobt. Wood nannte ihre Beziehung "normal", aber Manson sprach nach einer vorübergehenden Trennung in einem Interview von seinen Fantasien, ihr mit dem Hammer den Schädel einzuschlagen. Sie gab indes den Namen ihrer Angreifer nie bekannt.

Eine Schwäche für die großen Fragen

Der US-Sender HBO hat gerade Staffel drei von "Westworld" angeschoben, Dolores' Rachefeldzug geht also weiter. Angenehme Überraschung für Evan Rachel Wood: Ihre Gage wurde auf das Niveau ihrer männlichen Kollegen – Anthony Hopkins, Ed Harris – angehoben. "Irre, ich habe nie so viel verdient wie die Männer! Und ich hatte gar nicht danach gefragt!", berichtet sie. "Ich nehme immer, was mir angeboten wird – aus Angst, den Job zu verlieren, wenn ich gleiche Bezahlung fordere. Aber jetzt hieß es einfach: Du kriegst mehr – und zwar, weil du es verdienst. Ich habe mich so gefreut."

Evan Rachel Wood ist übrigens diejenige, die – anders als viele ihrer Kollegen – in der verwinkelten Handlung von "Westworld" von Anfang an durchgeblickt hat. Auf ihrem Rücken trägt sie ein Tattoo: "All that we see or seem is but a dream within a dream" steht dort – alles, was wir sehen oder scheinen, ist nur ein Traum in einem Traum. Klingt nach dem Text von Dolores. Ist aber aus einem Gedicht von Edgar Allen Poe und ziert ihre Schulterblätter schon seit Jahren. Sie habe einfach eine Schwäche für die großen Fragen, sagt Wood und grinst.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo