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Expedition im Marianengraben: Camerons Reise zum tiefsten Punkt der Erde

Am Montagmorgen erreichte Starregisseur James Cameron in seinem U-Boot den tiefsten bekannten Punkt der Erde. Nach drei Stunden kam der "Titanic"-Macher zurück an die Oberfläche. Mit nach oben brachte er Material, aus dem "ein Film mit nie zurvor gesehenen Bildern" werden soll.

Von Frank Siering, Los Angeles

Mit Filmen wie "Titanic" und "Avatar" schrieb er Kinogeschichte. Jetzt drückte der weltweit erfolgreichste Kinoregisseur mit einer Solo-Expedition in die Tiefen der Meere auch der Wissenschaft seinen Stempel auf. Zur großen Leidenschaft von James Cameron zählten schon immer extreme Tauchexpeditionen. 72 Mal war der Oscar-Gewinner bisher zu solch waghalsigen Unterwasseraktionen aufgebrochen. Davon 33 Mal zum Wrack der "Titanic". Aus diesen Tauchexpeditionen entstand der zweiterfolgreichste Kinohit aller Zeiten (auf Platz eins der Umsatzliga steht derzeit "Avatar").

An diesem Montagmorgen nun wagte Cameron etwas, was bisher erst zwei Menschen vor ihm gelungen war. Mit einem Spezial-U-Boot machte er sich auf den Weg zum tiefsten Punkt der Erde. Gegen 5.50 Uhr Ortszeit tauchte Cameron mit den Worten "Release, Release, Release" ("Loslassen, Loslassen, Loslassen") ins Meer vor der Pazifikinsel Guam ab. Die Reise ging bis auf den Boden des Marianengraben, fast elf Kilometer tief. Als Cameron den Meeresboden in 10,898 Meter Tiefe erreichte, waren seine ersten Worte, die die Crew an der Oberfläche erreichten: "All systems OK." Auf dem Grund des Marianengrabens wollte Cameron eigentlich sechs Stunden lang mit am U-Boot befestigten speziellen Greifarmen diverse Bodenproben für Biologen und Geologen sammeln. Doch der Starregisseur kehrte schon nach drei Stunden an die Oberfläche zurück. Das Abtauchen mit dem zwölf Tonnen schweren U-Boot, das den Namen "Deepsea Challenger" trägt, dauerte nach Angaben der National Geographic Society rund 90 Minuten. Das Auftauchen ging schneller. Innerhalb von nur 70 Minuten war die "Deepsea Challenger" wieder an der Meeresoberfläche.

Eine solche Reise ist nicht ungefährlich

Kurz nach der Expedition wurde Cameron von einem Team von Medizinern untersucht. Ob der Filmemacher bei seinem Tauchgang mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, blieb zunächst unbeantwortet. Fest steht schon jetzt: Die Reise in die dunklen Meeresabgründe vor Guam war nicht ganz ungefährlich. Der Druck auf die Außenwände des U-Boots war so stark, dass es bei dem kleinsten Leck wie ein Luftballon hätte zerplatzen können. Cameron wusste von der Gefahr, machte sich aber vor dem Tauchgang nicht wirklich Gedanken darüber: "Wenn du tauchst, dann musst du einfach den Ingenieuren, die das U-Boot konstruiert haben, vertrauen", so Cameron. Der 57-Jährige selbst hatte mitgeholfen, das Unterseeboot zu gestalten.

Dennoch, auch der als waghalsig bekannte Filmemacher musste zugeben, dass "der Druck auf die Außenwände immer irgendwie im Hinterkopf herumschwirrt". Cameron verbrachte die Stunden im U-Boot allein. Die "Deepsea Challenger" sei angeblich so konstruiert, dass eine Person für mehr als 56 Stunden unter Wasser Sauerstoff erhalten kann. Für Cameron war diese Tiefsee-Expedition "die Erfüllung eines Jugendtraums". Der schwerreiche Filmemacher hatte die Aktion von seinem eigenen Geld und mit der Unterstützung einiger Sponsoren (u. a. Rolex) finanziert. Der Marianengraben ist 1,5 Kilometer tiefer, als der Mount Everest hoch ist.

Die Doku lässt nicht lange auf sich warten

Gegenüber BBC sagte Cameron vor dem Tauchgang: "Ich bin mit viel Science Fiction groß geworden. Menschen flogen zum Mond, Cousteau erforschte die Ozeane. Damit bin ich aufgewachsen, das waren die Ideale meiner Kindheit." Cameron ist der dritte Mensch, der bisher zum tiefsten Punkt der Erde abgetaucht ist. Die ersten beiden Abenteurer, denen dieser Mammuttauchgang gelungen war, hießen Jacques Piccard und Don Walsh. Das Gespann aus der Schweiz und den USA brauchte im Jahre 1960 fast fünf Stunden, um den Meeresboden zu erreichen. Sie blieben nur 20 Minuten, weil der Sauerstoff knapp wurde. Unglücklicherweise hatte ihr U-Boot so viel Sand aufgewirbelt, dass die beiden Wissenschaftler nicht viel zu sehen bekamen.

Camerons Reise in die Tiefe könnte da mehr zu bieten haben. Der Regisseur, der als Nächstes "Titanic" in der 3-D-Version in die Kinos zurückbringt, hatte selbstverständlich das gesamte U-Boot mit diversen 3-D-Kameras ausstatten lassen. Im Anschluss an diese Aktion will der Amerikaner einen Dokumentarfilm zu seiner Tiefsee-Expedition zusammenschneiden. In dieser Produktion, so versprach Cameron schon vor seinem Tauchgang, sollen dem Publikum noch nie zuvor gesehene Bilder gezeigt werden. Aber bei einem wie James Cameron ist so etwas ja auch fast zu erwarten.

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