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Film & TV: Politisches Signal der Berlinale

Mit der Vergabe des Goldenen Bären an das britische Flüchtlingsdrama "In this World" von Michael Winterbottom hat die 53. Berlinale ein deutliches politisches Signal gesetzt.

Mit der Vergabe des Goldenen Bären an das britische Flüchtlingsdrama "In this World" von Michael Winterbottom hat die 53. Berlinale ein deutliches politisches Signal gesetzt. Die Jury entschied sich für einen Film, der das Schicksal zweier junger Afghanen schildert, die aus einem Lager in der pakistanischen Stadt Peshawar fliehen und in Westeuropa Schutz suchen wollen. Die Internationalen Filmfestspiele endeten am Sonntag mit einem Publikumstag.

Bereits am Samstagabend überreichten Festivaldirektor Dieter Kosslick und der Jury-Vorsitzende Atom Egoyan im Berlinale-Palast die Preise. Mit einem Silbernen Bären wurde die amerikanische Satire "Adaption" von Spike Jonze prämiert, in dem Nicolas Cage in einer Doppelrolle ein gegensätzliches Zwillingspärchen spielt.

Beste Darstellerin

Zur besten Darstellerin kürte die siebenköpfige Jury gleich ein Ensemble: Der Silberne Bär geht an Nicole Kidman, Julianne Moore und Meryl Streep für ihre Leistungen in der britischen Produktion "The Hours". Die Frauentragödie von Stephen Daldry ist bereits für neun Oscars nominiert

Bester Darsteller

Zum besten Darsteller wurde Sam Rockwell für seine Rolle in George Clooneys Regiedebüt "Confessions of a dangerous mind" gewählt. Rockwell verkörpert den amerikanischen Fernsehstar Chuck Barris, der ein Doppelleben führt. Einerseits ist er ein smarter Aufsteiger, andererseits angeblich ein mordender CIA-Agent. Bei der Verleihung holte Rockwell Clooney auf die Bühne, um ihm zu danken: Ohne dessen Inspiration hätte er diese Rolle nicht so spielen können.

Bester Regisseur

Zum besten Regisseur kürte die Jury den Franzosen Patrice Chereau für "Sein Bruder". Der Film handelt von einem Schwerkranken und dessen komplizierter Bruderbeziehung. Chereau widmete den Preis dem während der Berlinale am Dienstag gestorbenen Filmemacher Toscan du Plantier. Weitere Silberne Bären gingen für die beste Filmmusik an Majoly, Serge Fiori und Mamadou Diabate für den kanadisch-senegalesisch-französischen Film "Madame Brouette" und für die beste künstlerische Leistung an den Regisseur Li Yang für seinen kritischen, in China von der Zensur unterdrückten Bergarbeiterfilm "Blinder Schacht".

Danksagung

Winterbottom sagte in seiner Danksagung, er widme seinen Preis stellvertretend allen Flüchtlingen auf der Welt, besonders aber den Individuen in seinem Film. Er wolle mit dem Film dazu anregen, über Schicksale wie die der afghanischen Flüchtlinge nachzudenken. "Alle Migranten lassen viel hinter sich, ihre Kultur, ihre Familie, Freunde und alle Plätze, die sie kennen." Neben dem Goldenen Bären erhält Winterbottoms Produktion den mit 5.000 Euro dotierten Friedensfilmpreis und den Preis der Ökumenischen Kirchenjury.

Kein Bär bleibt in Deutschland

Die drei deutschen Filme, die im Wettbewerb gestartet waren, bekamen keine Bären. Wolfgang Beckers "Good bye, Lenin!" erhielt immerhin den Preis "Der Blaue Engel" für den besten europäischen Film. Becker erzählt die Geschichte einer DDR-Lehrerin in Ostberlin, die kurz vor dem Mauerfall nach einer Herzattacke ins Koma fällt. Als sie daraus erwacht, hat sich alles geändert.

Mit dem "Alfred-Bauer-Preis" für einen Erstlingsfilm wurde Zhang Yimou für "Hero" ausgezeichnet. Insgesamt starteten 22 Filme im Wettbewerb. Zu den Gästen der Preisverleihung zählten auch Politiker wie Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Kulturstaatsministerin Christina Weiss, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Bundesumweltminister Jürgen Trittin.