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Film: Erfolgs-Geheimnis

Der Roman beherrscht auch drei Jahre nach seinem Erscheinen die Bestsellerlisten. Nun warten alle auf den Film mit Tom Hanks. Der stern zeigt exklusiv erste Bilder aus The Da Vinci Code - Sakrileg, der Verfilmung von Dan Browns Thriller.

Eine Nonne vor der Kathedrale im englischen Lincoln. Und die war noch nicht einmal echt, sondern eine verkleidete Frau, die betend gegen ketzerische Absichten demonstrierte. Auch an allen anderen Schauplätzen des Filmes, dem Pariser Louvre etwa, dem Hotel Caledonian Hilton in Edinburgh oder der Tempelkirche, London: alles ruhig, abgesehen von ein paar Autogrammjägern. Keine besonderen Vorkommnisse.

Die Truppe um Produzent Brian Grazer, Regisseur Ron Howard und Hauptdarsteller Tom Hanks dürfte auf-geatmet haben. Protestaktionen an den Drehorten wären durchaus keine Überraschung gewesen. Denn der Roman, den sie dort bis in den Oktober vergangenen Jahres für 125 Millionen Dollar verfilmten, ist nicht irgendein Bestseller.

Vor zwei Jahren

veröffentlichte der ehemalige Englischlehrer Dan Brown einen historisch etwas abenteuerlichen Religions-Krimi, der zum globalen Phänomen mutierte, zur Ein-Buch-Industrie. Die weltweite Auflage von "Sakrileg" liegt inzwischen bei rund 40 Millionen, enthusiastische Leser pilgern zu den Orten des Geschehens, und zahllose Autoren ver-suchen mit ähnlich gestrickten Geschichten auf der klerikalen Welle zu surfen.

Kaum hatte Sony die Rechte für sechs Millionen Dollar gekauft, bekam Studiochefin Amy Pascal Post vom Präsidenten der einflussreichen Katholischen Liga, William Donahue, der ein offizielles Statement verlangte, dass der Film reine Fiktion sei. Auch der erzkonservative Glaubensbund Opus Dei, von Brown in Person eines mordenden Albino-Mönchs als nicht gerade barmherzige Vereinigung dargestellt, zeigte Nerven. "Das Buch stellt Opus Dei völlig falsch dar", so Sprecher Brian Finnerty. "Wenn der Film das Gleiche tut, ist das sehr bedenklich."

Pascal reagierte verhältnismäßig gelassen und verhängte Sicherheitsstufe eins: Alle Beteiligten mussten eine Verschwiegenheitsklausel unterzeichnen, kein Fremder durfte an den Set, und Akiva Goldsmans Drehbuch wurde gehütet wie die Privatkorrespondenz des Papstes.

Die Frage, die sich

der schockgefrorene Klerus, aber natürlich auch die Millionen Brown-Jünger stellen, ist nun: Werden der Harvard-Symbolologe Robert Langdon (Hanks) und die Pariser Kryptologin Sophie Neveu (Audrey "Amélie" Tautou) auch auf der Leinwand herausfinden, dass die katholische Kirche seit 2000 Jahren über Leichen geht, um ein Geheimnis zu wahren: dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war und mit ihr eine Tochter gezeugt hat, deren Nachfahren bis ins heutige Europa überlebt haben? Oder würden die Produzenten diese provokante Theorie entkräften und auch den Namen Opus Dei tilgen? Während Studio-Offizielle diplomatisch verlauten ließen, der Film sei ein Thriller, der religiöse Fragen in den Hintergrund stelle, äußerte sich Ron Howard mutiger: "Opus Dei wird im Buch erwähnt, und wir schrecken davor ebenso wenig zurück wie vor anderen Aspekten darin."

Bevor am 18. Mai in allen Kinos der Welt alle Geheimnisse gelüftet werden, enthüllte Tom Hanks schon einmal das neue Lebensgefühl mit seiner gewöhnungsbedürftigen Schlagersängerfrisur: "Bislang musste ich mir nie die Haare trocknen. Schon mal von einem Föhn gehört? Großartige Sache!"

Bernd Teichmann / print