Filmfestival in Venedig Kampf um den Goldenen Löwen


Unter viel Blitzlichtgewitter ist das 64. Filmfestival in Venedig eröffnet worden. Zur großen Gala im "Palazzo del Cinema" wurde der Eröffnungsfilm "Atonement" mit Keira Knightley gezeigt. Mit Spannung werden die Filme mit dem Hauptthema des Festivals erwartet: dem Irak-Krieg

In Anwesenheit der Hollywoodstars Vanessa Redgrave, Keira Knightley und James McAvoy sowie Regisseur Joe Wright ist das 64. Filmfestival in Venedig eröffnet worden. Unter dem Jubel von Tausenden Fans und im Blitzlichtgewitter der Fotografen schritten die Ehrengäste am Mittwochabend zur großen Gala im "Palazzo del Cinema". Gezeigt wurde Joe Wrights neuester Streifen "Atonement" (Sühne) über Liebe, Lüge und Verrat vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Zugleich feierten die zahlreichen Gäste den 75. Geburtstag des mondänen Events am Lido - es ist das älteste Filmfestival der Welt.

Allerdings liegt, wieder einmal, Unsicherheit über der Zukunft Venedigs. Unklar war am Mittwoch, ob Festivaldirektor Marco Müller, dessen Vertrag nach vier Jahren ausläuft, weitermacht. "Vielleicht ja, vielleicht nein", ließ sich der 54-Jährige vernehmen, der das Festival unter seiner Ägide geradezu revolutioniert hat. Mehrfach klagte Müller über die wirtschaftlichen Probleme am Lido, über die schlechte Infrastruktur und die veralteten Säle. "Über die Zukunft kann ich nicht reden." Sorgen bereitet auch die Konkurrenz durch das neue Filmfest in Rom.

Starkes Hollywood-Aufgebot in Venedig

Müllers Verdienst ist das starke Hollywood-Aufgebot in Venedig: Neun der insgesamt 22 Filme, die bis zum 8. September um den Goldenen Löwen kämpfen, kommen diesmal aus den USA, darunter auch drei Coproduktionen. Regisseure wie Brian De Palma, Peter Greenaway, Paul Haggis und Todd Haynes treten an, hinzu kommen Stars wie Brad Pitt, George Clooney und Richard Gere, Charlize Theron, Susan Sarandon und Cate Blanchett.

Mit besonderer Spannung werden die Filme erwartet, die sich mit dem Thema Irakkrieg beschäftigen. Brian De Palma etwa schildert in "Redacted" die Geschichte über die Vergewaltigung und Ermordung eines 14-jährigen Mädchens durch US-Soldaten im Irak. Paul Haggis erzählt das Kriegsheimkehrer-Drama "In the Valley of Elah".

Enttäuschung für die Deutschen: Im Kampf um den Goldenen Löwen ist Deutschland wieder einmal nicht mit einem eigenen Beitrag vertreten. Aber immerhin ist die Bundesrepublik bei Ken Loachs Beitrag "It’s a Free World..." und Peter Greenaways "Nightwatching" als Co-Produzent beteiligt. Der Dokumentarfilm "Staub" von Hartmut Bitomsky ist in einer Nebenreihe zu sehen, und eigens zum Festival- Geburtstag zeigt Alexander Kluge einige seiner bereits bekannten Streifen.

Beim ersten Festival stand Mussolini Pate

Erstmals wurde die "Mostra", wie das Filmfestival auch genannt wird, im August 1932 gezeigt, Diktator Benito Mussolini, der das Kino damals bereits als "schärfste Waffe" erkannt hatte, stand Pate. Der erste Film, der auf der Terrasse des Excelsior-Hotels über die Leinwand flimmerte, war "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" von Hollywood- Regisseur Rouben Mamoulian. In den 30er Jahren war Venedig konkurrenzlos die Bühne für Filmkunst aus aller Welt. Rene Clair, John Ford, Howard Hawks, Jean Renoir und Ernst Lubitsch kamen. Die große Freiheit dauerte bis 1938, als "Olympia" von Leni Riefenstahl ausgezeichnet wurde.

Die große Zeit für Venedig kam in den 50er und 60er Jahren, die Zeit des "Dolce Vita" in Italien, mit Federico Fellini, Luchino Visconti, Michelangelo Antonioni und Pier Paolo Pasolini. 1968 erhielt als erster Deutscher Alexander Kluge für "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" den Goldenen Löwen, es war die internationale Entdeckung des "jungen deutschen Films". Den bisher letzten "deutschen Löwen" gab es 1982 für "Der Stand der Dinge" von Wim Wenders.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker