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Filmstart "My Week With Marilyn": Ich bin ein Star, holt mich hier nicht raus

"My Week With Marilyn" erzählt von der Erotik und dem Elend des größten weiblichen Filmstars aller Zeiten. Und davon, dass es nur eine Marilyn Monroe geben kann.

Von Sophie Albers

Wann es angefangen hat, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass Realityshows, Paparazzi und Fotohandys dem einst glitzernden Mysterium Star endgültig den Garaus gemacht haben. Heutzutage lässt kein Kinofilm die Fantasie des Zuschauers so heiß laufen wie peinliche Details aus der Promi-Privatsphäre. "Irgendwann wird es im Internet ein Foto von mir auf dem Klo geben", hat Bruce Willis kürzlich schicksalsergeben festgestellt.

Wegen ihres tragisch frühen Todes ist Marilyn Monroe die völlige Demystifikation erspart geblieben. Auch wenn immer wieder versucht wird, im Privaten das Monströse zu finden - von der Vergewaltigung über die Drogenabhängigkeit bis zu Mordtheorien - ist die Monroe auch 50 Jahre nach ihrem Tod mit gerade mal 36 Jahren die strahlendste Ikone am Himmel der Leinwandträume. Kein Filmstar hat ihren Status je auch nur ankratzen können. Ihr lachendes Gesicht umspielt von blonden Locken, der unschuldige Blick sind die ultimative Projektionsfläche. Sie ist die Mona Lisa des Kinos. Und deshalb kann "My Weekend With Marilyn" auch nicht mehr als ein netter kleiner Film sein.

Mission impossible

Die Geschichte eines rebellischen Oxfordstudenten, der am Set von Laurence Oliviers "Der Prinz und die Tänzerin" Laufbursche wird und der Monroe dort näher kommt als alle anderen, gleicht dem leichtfüßigen Traum eines Fans. Großbritanniens Bühnengott hatte zur Befeuerung der eigenen Filmkarriere den platinblonden Star aus Hollywood auf die grüne Insel geholt. Doch Monroes Disziplinlosigkeit und Abhängigkeit von in Champagner aufgelösten Schlaftabletten sowie ihrer Schauspiellehrerin trieben ihn in den Wahnsinn. Auftritt Colin (Eddie Redmayne), der in seiner jungen Unschuld zum Vertrauten Monroes wird, und der sich - wie angeblich alle Männer - in sie verliebt.

Das ist nett anzusehen, vor allem Kenneth Branagh als zwischen Arroganz und Verehrung zerrissener Olivier und Judi Dench als alles durchschauende, liebevolle Sybil Thorndike sind großes Kino. Bleibt Michelle Williams, die in einen Rahmen steigen soll, den niemand ausfüllen kann. Trotz großer Schauspielleistung ist ihr nicht einen Augenblick die Wärme eigen, die Marilyn Monroe mit einem Lächeln in einen ganzen Kinosaal schießen konnte. Mal abgesehen vom Körpergefühl einer den aktuellen Hollywoodstandards entsprechend dürren Frau, die sich wie eine Göttin mit Sanduhr-Figur bewegen soll.

Illusion und Oberfläche

Oberflächlich? Na klar. Die Monroe ist eine der oberflächlichsten Ikonen, die unsere Popkultur je geboren hat. Deshalb müssen sich alle, die es ihr nachtun wollen, eben an der Oberfläche messen lassen. Wie Marilyn schon sagte: "Es ist alles nur Illusion".

Jedenfalls so lange, wie Stars noch ungestört aufs Klo gehen können.