Filmzensur Keine "Geisha" im Reich der Mitte


Aus Angst vor heftigen anti-japanischen Reaktionen wird der Hollywood-Streifen "Geisha" in China nicht ins Kino kommen. Grund für diese Entscheidung ist die "falsche" Nationalität der Hauptdarstellerin.

Mit einer Chinesin als japanische "Geisha" ist Hollywood für den chinesischen Geschmack doch zu weit gegangen. Aus Angst vor anti-japanischen Reaktionen kommt der Film mit der chinesischen Schauspielerin Zhang Ziyi nicht in Kinos im Reich der Mitte. Nach einem Bericht der Pekinger Rechtszeitung haben das Filmbüro und die staatliche Verwaltung für Radio, Film und Fernsehen (SARFT) bestätigt, dass der Streifen nicht zugelassen werde, weil er zu "heikel" sei. Es war schon eine große Werbekampagne gestartet worden, doch hatten die Schanghaier Filmstudios die Übersetzung bereits gestoppt. Die zuständige China Film Company wollte lieber "nichts dazu sagen".

Der Film löste in China heftige Emotionen aus, weil mit Zhang Ziyi ("Crouching Tiger, Hidden Dragon") in der Hauptrolle und den Stars Gong Li und Michelle Yeoh gleich drei ethnische Chinesinnen japanische Geishas spielen, die in China als einfache Prostituierte betrachtet werden. Dass sich ausgerechnet eine Chinesin japanischen Gelüsten hingibt, wird als "Schande für die Nation" empfunden. "Als ich Zhang Ziyi unter dem japanischen Mann liegen sah, hätte ich am liebsten ein Loch im Boden gefunden, um mich zu verkriechen", zitierten Zeitungen erste Zuschauerreaktionen auf den Film, der gleichwohl als Raubkopie auf DVD erhältlich ist. "Ein Gesichtsverlust für alle Chinesen."

Alte Kriegswunden sind bis heute nicht verheilt

Es wird daran erinnert, dass Japan tausende Chinesinnen während des Zweiten Weltkrieges als Sexsklaven gehalten hat und japanische Soldaten beim Massaker von Nanjing zehntausende Chinesinnen vergewaltigt haben. Im Frühjahr 2004 waren in mehreren Städten Chinas teils gewalttätige Proteste gegen Japan ausgebrochen. Das Verhältnis beider Länder sackte auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Die Chinesen sind empört über die Verharmlosung der Kriegsverbrechen Japans in Schulbüchern. Kritisiert werden die Pilgergänge von Ministerpräsident Junichiro Koizumi zum Yasukuni-Schrein, wo neben den Kriegstoten auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden, die für Gräueltaten während der Besatzung Chinas verantwortlich sind.

Da die Kriegswunden bis heute nicht geheilt sind, demonstriert Regisseur Rob Marshall mit der Besetzung des Films nach Ansicht von Kritikern kulturelle Ignoranz. Es ist das erste Mal, dass in einem Hollywood-Streifen nur Asiaten auftreten - doch sind es die falschen Asiaten. "In den Augen der Amerikaner haben ostasiatische Frauen offensichtlich alle gelbe Haut, schwarzes Haar, schwarze Augen, so dass Japanerinnen und Chinesinnen alle gleich aussehen", beklagte eine Zeitung. Es gehe Hollywood nicht um Kultur, sondern nur ums Geschäft. Deswegen seien die Stars Zhang Ziyi und Gong Li (Rote Laterne oder Lebewohl, meine Konkubine) sowie die chinesisch-stämmige Malaysierin Michelle Yeoh verpflichtet worden, die das erste asiatische Bond-Girl in "Der Morgen stirbt nie" gespielt hatte.

"Eine Chinesin kann keine Geisha spielen"

Asiaten sehen durchaus den Unterschied zwischen Chinesinnen und Japanerinnen, sind sich Kritiker in Japan und China bei allen Differenzen über die Kriegsvergangenheit einig. Chinas berühmter Regisseur Chen Kaige wurde in einer Zeitung zitiert: "Eine Chinesin kann keine Geisha spielen, es ist eine traditionelle Figur der japanischen Kultur. Aber vielleicht war es dem Regisseur egal." Die chinesische Schauspielerin Zhang Manyu (Maggie Cheung) hatte das Angebot für die Rolle der Geisha abgelehnt: "Ich wollte nicht nach Hause kommen und die Leute sagen, ich hätte meine Kultur betrogen", zitierte sie die Zeitung "Chongqing Shibao".

Andreas Landwehr/DPA DPA

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