George Clooney "Sexiest Man alive" zeigt Tiefgang


Der Frauenschwarm wechselt sein Image: Als attraktiver Hollywood-Schauspieler ist George Cloooney berühmt geworden. Jetzt setzt er sich als ernsthafter Regisseur für politisch brisante Themen ein - und bleibt auch dabei vor allem eines: ungemein sexy.

Wenn Frauen nach George Clooney gefragt werden, gibt es meist nur eine Antwort: "Er ist der schönste Mann Hollywoods." Der schon zum "Sexiest Man Alive" gekürte 44-Jährige hat jahrelang mit seinen Filmen und seinem blendenden Aussehen die Schlagzeilen beherrscht. Seit einiger Zeit zeigt Clooney eine andere, ernsthafte Seite. Er unterstützt politisch motivierte Filme, produziert und führt Regie. Am 10. Februar stellt er auf der Berlinale seinen Film "Syriana" vor. Das Festival darf einen gereiften Star erwarten.

Clooneys Karriere erinnert ein wenig an die seiner Kollegin Jodie Foster, die von der gefeierten Schauspielerin zu einer der mächtigsten Frauen in Hollywood aufstieg. Clooneys Wort hat Gewicht - nicht mehr nur vor, sondern auch hinter den Kulissen. Sein Film "Syriana", eine Abhandlung über die vielfältigen und nicht immer rühmlichen Beziehungen zwischen amerikanischer Ölindustrie und amerikanischer Politik, kam Medienberichten zufolge nur zu Stande, weil Clooney sich vehement für dieses Projekt einsetzte. Seine "Syriana"-Gage soll angeblich bei nur 250.000 Dollar gelegen haben, vergleichsweise wenig für einen Mann, der nach Kassenschlagern wie "Ocean's Eleven" oder "From Dusk Till Dawn" spielend bis zu 20 Millionen Dollar pro Film fordern kann.

Keine Bush-Kritik

Der Lohn für Clooney ist in diesem Fall ein anderer. Für seine Nebenrolle als CIA-Agent in "Syriana" ist er für einen Oscar nominiert. Kürzlich erst hatte er für "Syriana" schon einen Golden Globe bekommen. Der Film sei nicht als Angriff gegen die Regierung von US-Präsident Bush zu verstehen, erklärte Clooney am Rande der Verleihung in Los Angeles. Es gehe dabei vielmehr um "60 Jahre gescheiterte Politik im Nahen Osten". Hollywood freut sich über diesen Schauspieler, der wie kein anderer seiner männlichen Kollegen für Glamour, gleichzeitig aber auch für Glaubwürdigkeit steht.

Mitte letzten Jahres schon wurde Clooney in Hollywood mit einer Retrospektive gefeiert und erhielt beim Filmfestival in Los Angeles den Spirit of Independence Award. In seiner Karriere habe er immer zwischen Kunst und Kommerz gestanden, sagte Clooney. Er nehme eine Rolle an, um ein anderes Projekt finanzieren zu können, das ihm am Herzen liege. Solch ein Projekt ist der Schwarz-Weiß-Film "Good Night, and Good Luck", der am 6. April in die deutschen Kinos kommen soll und in der McCarthy-Ära spielt.

Hoffen auf einen Oscar

Clooney engagierte sich, angeblich ohne Gage, als Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Der Film ist als "Bester Film" ebenfalls für einen Oscar nominiert. Auch in der Kategorie "Beste Regie" kann sich Clooney als Nominierter Hoffnungen machen, dass es bei der Verleihung am 5. März endlich mit einem Oscar für ihn klappt. Es wäre die maßgebliche, öffentliche Anerkennung für Clooney, der am 6. Mai 1961 im US-Staat Kentucky geboren und mit der Fernsehserie "Emergency Room" berühmt wurde. In seiner Rolle als Kinderarzt Dr. Douglas Ross ist Clooney immer noch in endlosen Wiederholungen im Nachmittagsprogramm zu sehen. Mit dem neuen, dem ernsthaften Clooney hat das jedoch nur noch so viel zu tun wie Doktorspielchen mit einer komplizierten OP.

Stefan Lange/AP AP

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